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Seat: Die neue Händlerverträge werden verschickt

| Autor: Andreas Grimm

Acht Monate nach der Ankündigung neuer Verträge haben sich Seat Deutschland und der Seat-Händlerbeirat auf ein neues Regelwerk geeinigt. Inhaltlich orientieren sich die Vertragspartner an den Konzernschwestermarken.

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(Bild: Grimm / »kfz-betrieb«)

Die neuen Seat-Händlerverträge können zum 1. November 2020 in Kraft treten. Der Händlerbeirat und Seat Deutschland haben sich nach mehreren intensiven Verhandlungsrunden auf das viele hundert Seiten starke Vertragswerk geeinigt. Von der Verhandlungsgrundlage ausgehend seien zahlreiche Passagen in den Verhandlungen noch geändert worden, sagte Benno Schulz, Präsident des Händlerbeirats, auf Anfrage von »kfz-betrieb«. Ende Februar sollen die Verträge nun an die Handelspartner zur individuellen Unterzeichnung verschickt werden.

Seat war die letzte Vertriebsorganisation des Volkswagen-Konzerns in Deutschland, die noch neue Verträge verhandeln musste – VW, VW Nutzfahrzeuge, Audi und Skoda hatten sich schon im vergangenen Jahr auf neue Regelungen geeinigt. Entsprechend lag es nahe, dass sich die Gespräche an den VW-Verträgen orientieren. Dabei wurden verschiedene für Seat relevante Punkte entsprechend angepasst.

Einen erheblichen Vorteil des späten Einstiegs in die Gespräche sieht Schulz vor allem hinsichtlich der Richtlinien, die die verschiedenen Geschäftsvorgänge genauer regeln, etwa in Vertrieb und Service, bei digitalen Produkten und Dienstleistungen, im Datenmanagement oder bei den IT-Systemen. Durch den späten Gesprächsstart habe man nun 80 Prozent der Richtlinien final besprechen können. Diese sind letztlich Teil der Verträge, wurden bei den anderen Fabrikaten aber quasi blind mit unterschrieben, weil sie noch nicht ausformuliert waren. Allerdings hatte sich der Skoda-Partnerverband deshalb entsprechende Mitspracherechte vor dem Erlass neuer Richtlinien gesichert.

Beide Seiten sehen konstruktiven Dialog

Die Gespräche seien ein „Dialog auf Augenhöhe“ gewesen, sagte Schulz laut einer ersten Stellungnahme. Das Ergebnis sei ein „gutes Vertragswerk für die Mitte unserer Händlerschaft“, wobei die komplexen Verhandlungen Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten notwendig gemacht hätten. Vor allem die Wirtschaftlichkeit für den Handel hatte der Händlerbeirat dabei auf dem Schirm. Größeren Diskussionsbedarf hatte es wohl im Bereich des Service-Geschäfts gegeben.

Mit der Neufassung der Verträge wird sich eine teilweise Neufassung des Seat-Vertriebsnetzes ergeben. Älteren Informationen von »kfz-betrieb« zufolge hatte der Importeur bereits früher mitgeteilt, dass 30 Händler keinen neuen Vertrag mehr bekommen. Etwa 30 weitere Seat-Händler haben nun wohl ebenfalls kein neues Vertragsangebot mehr erhalten.

Seitens Seat äußerte sich Erik Händler, Leiter der Händlerorganisation, positiv über den Verhandlungsverlauf. Es sei beachtlich, „wie einfach, schnell und effizient wir gemeinsam eine Einigung herbeiführen und dann auch zu Papier bringen konnten“. Dass die Verträge gekündigt werden, hatten die Seat-Händler im Juni 2018 von Vertriebsvorstand Wayne Griffiths auf einer internationalen Händlertagung in Berlin ohne vorherige Absprache mit dem Beirat erfahren. Sie waren dann per Ende Oktober 2018 gekündigt worden. Ein Jahr zuvor hatte es noch geheißen, dass Seat ohne Vertragskündigungen auskommt.

Seither hatten mehrere Gesprächsrunden stattgefunden. Laut einem ersten Schreiben an die Händler hatte Bernhard Bauer, Geschäftsführer von Seat Deutschland, zunächst sogar vorgehabt, bis zum Herbst 2018 neue Händlerverträge ausarbeiten zu wollen.

Dass Seat neue Verträge vorlegt, kam gleichwohl nicht völlig unerwartet. Das noch gültige bisherige Vertragswerk stammt aus dem Jahr 2003 und wie bei den anderen Konzernmarken war eine Anpassungen an die Veränderungen im Vertrieb und in den Produkten des Volkswagen-Konzerns notwendig geworden. „Die bestehenden Verträge bilden die Geschäftsbeziehung zwischen Marke und Händlerbetrieben in vielerlei Hinsicht nicht mehr adäquat ab“, heißt es in einer Seat-Mitteilung zu den neuen Verträgen.

Geregelt werden mussten aus Sicht des Importeurs etwa die Multi-Channel-Vertriebsstrategie von Seat Deutschland sowie digitale Produkte und Services, die direkt über das vernetzte Fahrzeug vertrieben werden. Seat kooperiert etwa schon länger mit Spotify oder Alexa. Dazu kam die technische Aufrüstung der Servicebereiche in den Betrieben. Viele dieser Fragen waren bei Abschluss des alten Vertrages noch nicht ansatzweise absehbar. Nun sei man mit „der Neufassung des Vertragswerks gut gerüstet für die Zukunft“, erklärte Netzentwickler Erik Händler.

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 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«