Seat-Händler wählen Beiräte ab

Autor / Redakteur: Elvira Minack / Joachim von Maltzan

Die Jahreshauptversammlung des Seat-Händlerverbands hat zwei Beiräte nicht wiedergewählt, die seit langem zu gute Geschäfte im Internet machen.

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Der amtierende Beiratsvorsitzende Benno Schulz dankte seinen Beiratsmitglieder für die engagierte Arbeit.
Der amtierende Beiratsvorsitzende Benno Schulz dankte seinen Beiratsmitglieder für die engagierte Arbeit.
(Foto: Minack)

Mit einem Eklat bei der Wahl des neuen Händlerbeirats hat die Jahreshauptversammlung des Seat-Händlerverbands am vergangenen Wochenende in Berlin begonnen. 17 Mitglieder umfasst der neue Beirat, der erstmals direkt gewählt worden ist. Zwei Kandidaten allerdings, die über viele Jahre im Beirat gearbeitet hatten, erhielten nicht die notwendige Stimmenmehrheit. Und zwar nicht, weil die Händlerkollegen nicht mit deren Arbeit zufrieden waren. Vielmehr kreidet man ihnen an, dass sie auf den Internetbörsen Autohaus 24 und Carneo Geschäfte machen und damit aus Sicht der anderen Händler die Marke „verramschen“. Thematisiert haben die Händler dies nicht zum ersten Mal, doch dass es nun die Abwahl der beiden Beiräte zur Folge hatte, kam überraschend.

Der Wahlausgang war jedoch der einzige lautere Misston der Jahreshauptversammlung. Schließlich haben die Seat-Händler zwei sehr erfolgreiche Jahre mit Verkaufssteigerungen von 25 bzw. 20 Prozent hinter sich, und per Mai diesen Jahres steht bereits wieder ein Plus von 9,5 Prozent zu Buche. Die Renditen liegen bei den meisten Seat-Partnern über zwei Prozent.

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Auch die Zusammenarbeit mit dem Hersteller verlief erfreulich. Sie sei, so Beiratsvorsitzender Benno Schulz, unter der neuen Seat-Geschäftsführung etwas holprig gestartet, inzwischen aber von offenem Umgang und gegenseitigem Respekt geprägt. Nicht immer, so berichtete Frank Hoppe, der den Arbeitskreis Kundendienst leitet, gehe man mit einem zufriedenstellenden Ergebnis aus Gesprächen nach Hause, doch man werde als Verhandlungspartner ernst genommen.

Weniger Programmschnellschüsse – mehr Planbarkeit

Das ist wohl einer der Gründe dafür, dass die Händler, so Schulz, mit Freude an die Arbeit gingen. Der Marktanteil von 3,3 Prozent und der damit verbundene 9. Platz im Markenranking seien der beste Beweis dafür. Dazu kämen tolle Produkte, über die die Marke jetzt verfügt.

Unverständnis zeigen die Händler allerdings dafür, dass der Hersteller sehr viel mit kurzfristigen Förderprogrammen agiert und dabei auch schon mal vergesse, den Beirat einzubeziehen. Auch sei es wenig hilfreich, dass die Programme so schnell wechseln, dass manchmal eines schon wieder vorbei sei, bevor die Händler die Fahrzeuge überhaupt auf dem Hof haben. Und schließlich wünschen sie sich endlich Jahresziele, die es laut ihren Verträgen auch geben müsste. Mit Monatszielen, die zudem erst am 10. oder gar 13. des Monats durch den Hersteller bekannt gegeben werden, könne man schlecht planen.

Neues Bonussystem soll gerechter werden

Was die Händler ebenso umtreibt, ist die zu erwartende neue Händlernetzstruktur sowie die geplante neue CI der Marke. Der Hersteller hat beides bereits angekündigt. Aber wie soll es konkret aussehen? Wann geht es für alle los? Warum dauert es so lange? Schulz und seine Mitstreiter erwarten, dass der Hersteller endlich Klarheit schafft. Viele Kollegen, so der Vorsitzende, hielten sich deshalb mit Investitionen zurück. Später kam hierzu vom ebenfalls anwesenden Seat-Deutschland-Chef Manfred Kantner allerdings nur der Hinweis, dass es dazu aktuell nichts zu sagen gebe.

Konkreter wurde er dafür mit dem Ziel, 2014 noch 40 Open Points zu besetzen. Dafür rief er die Händler auf, zu prüfen, ob sie expandieren wollen. Man plane gern innerhalb der Familie – so sein Hinweis.

Intensiv arbeiten Hersteller und Beirat unterdessen an einem neuen Bonussystem, das 2015 an den Start gehen soll. Oberste Prämisse für die Händler: Es soll gerecht sein und allen die Chance geben, sich zu beteiligen. Und es soll so gestaltet sein, dass es dem externen Onlinehandel den Nährboden entziehen kann, indem es nicht nur auf immer weitere Absatzsteigerungen abziele.

Kritik gab es zudem an der Seat-Bank, die offenbar das Tempo der Händler bei Großkundengeschäften nicht mithalten kann. Die Betriebe müssten bis zu 3 Wochen in Vorkasse gehen, da die Fahrzeuge schon bei ihnen stünden, die Finanzierung aber noch nicht geklärt sei. Dass die positive Entwicklung im Verkauf zu einem Stau beim Finanzdienstleister geführt hat, räumte deren Geschäftsführer Anthony Bandmann dann auch ein. Die Bank habe inzwischen eine Taskforce gebildet, der 34 Mitarbeiter angehören, die unter anderem Mehrarbeit leisten, um die Wartezeit deutlich zu reduzieren.

Für Benno Schulz war diese Ankündigung ein weiteres Zeichen dafür, dass die Zusammenarbeit mit dem Hersteller auf stabilen Füßen steht. Langfristig – so fasste er den Tag zusammen – könne man nur gemeinsam am Markt bestehen.

Der neue Beirat will sich in vier Wochen konstituieren und seinen Vorstand sowie die Arbeitskreisleiter wählen.

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