Sechs Tipps für den Batterieservice

Autor Jan Rosenow

Kabel ab und raus? Das ist vorbei. Bei vielen modernen Fahrzeugen artet der Batteriewechsel zu einer komplexen Arbeit aus. Und natürlich ist es bei jedem Auto anders.

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Kfz-Trainer Thomas Kock: Batterieservice ist etwas für Profis.
Kfz-Trainer Thomas Kock: Batterieservice ist etwas für Profis.
(Foto: Jan Rosenow)

An modernen Autos kann kaum ein Kunde noch selbst Wartungs- oder Reparaturarbeiten ausführen. Aber die Starterbatterie aufladen oder austauschen? Da dürften sich die meisten Autofahrer – vor allem die Männer – denken: „Kabel ab und raus damit – was soll daran so schwer sein?“

Doch diese Zeiten sind vorbei. Arbeiten an der Batterie sind heutzutage so kompliziert geworden, dass selbst eine Werkstatt nicht mehr einfach ohne Vorbereitung Hand anlegen sollte. Sie braucht technische Informationen, Zeit und unter Umständen sogar ein Diagnosegerät, um den Starterakku aus- und wieder einbauen zu können. Der Batteriehersteller Johnson Controls – besser bekannt durch seine Marke Varta – hat auf einer Pressekonferenz am 16. März die Arbeitsschritte erklärt, die nötig sind, um einen vorbildlichen Service an der Batterie auszuführen.

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Auch wenn nicht jeder dieser Schritte bei jedem Auto notwendig ist, zeigen sie doch, dass die komplexe und elektronisch vernetzte Technik moderner Fahrzeuge kaum noch Möglichkeiten zum „Selbermachen“ lässt. Für Werkstätten ist das eine gute Nachricht – allerdings müssen sie dann auch beweisen, dass sie es besser können als der Laie. Wenn der Fahrer nach dem Batteriewechsel seine Radiosender nicht mehr findet, die Start-Stopp-Funktion ausgefallen ist oder eine Fehlermeldung aufleuchtet, macht das keinen guten Eindruck.

1. Wo ist die Batterie?

Links hinten im Motorraum! Jedenfalls bei den meisten Fahrzeugen. Bei anderen rechts. Immer häufiger ist sie abgedeckt und nicht auf den ersten Blick zu sehen. Bei der Mercedes C-Klasse (W 204) etwa sitzt der Ansaugkasten für die Heizung/Lüftung darüber. Bei anderen Fahrzeugen befindet sich die Batterie im Kofferraum oder unter der Rücksitzbank. Selbst innerhalb einer Baureihe kann das variieren – etwa zwischen Varianten mit und ohne Allradantrieb.

Besonders interessant wird es, wenn ein Auto zwei Batterien hat. Bei manchen Modellen ist dies aus Platzgründen so, andere besitzen einen Speicher für die Startvorgänge und einen weiteren, der die Versorgung der Verbraucher in den Stopp-Phasen des Motors sicherstellt.

Einen schnellen Überblick gewähren die Rettungskarten, die es von allen Autoherstellern für ihre Modelle gibt.

2. Wie ist der Ladezustand der Batterie?

Ein Batterietest unmittelbar nach dem Abstellen des Motors ist nicht immer aussagekräftig. Bei manchen Autos muss man bis zu zwei Stunden warten, bis ein Test möglich ist.

Außerdem ist Folgendes zu beachten: Moderne Fahrzeuge mit Bremsenergie-Rückgewinnung fahren die Batterie bei einem Ladezustand von beispielsweise 80 Prozent, um stets „Platz“ für rekuperierte Energie zu lassen. Dies muss beim Batterietest bekannt sein, was eine genaue Kenntnis des zu prüfenden Fahrzeugs und seiner Ausstattung voraussetzt. Ein modernes, intelligentes Testgerät ist natürlich Voraussetzung.

3. Was tun beim Nachladen?

Moderne Autos besitzen meist einen Batteriesensor am Minuspol. Dieser macht es nötig, die Minusklemme des Ladegeräts an die Karosseriemasse zu legen, weil der Sensor sonst laut Johnson Controls das externe Laden nicht erkennen kann. Im Fahrzeugbetrieb würde dann die Batterie überladen.

4. Der Ausbau der Batterie

Stellt sich beim Test heraus, dass die Batterie ausgetauscht werden muss, gibt es ebenfalls einiges zu beachten. So wie ein Computer vor dem Abschalten herunterfahren muss, sollte ein modernes Auto den sogenannten Sleep-Modus erreicht haben, bevor der Saft abgeklemmt wird. Das heißt, alle Steuergeräte haben ihre aktuellen Werte abgespeichert und sind in den Ruhemodus gegangen.

Bei manchen Fahrzeugen lässt sich der Ruhezustand über das Diagnosegerät einschalten. Achtung: Nach dem Wechsel der Batterie muss dieser wieder beendet werden. Andere Autos fallen nach einer bestimmten Wartezeit, die bis zu 45 Minuten betragen kann, von selbst „in den Schlaf“. Aufschluss darüber gibt eine abschließende Messung des Ruhestroms.

Achtung: Bei Autos mit Keyless Go sollte der Schlüssel außerhalb der Funkreichweite oder noch besser in einem abgeschirmten Behälter (Metallbox oder Tresor) untergebracht sein. Auch sollte das Fahrzeug verriegelt sein, weil sonst Steuergeräte aktiviert bleiben.

Bei Abklemmen der Batteriepole muss der Mechaniker darauf achten, den Batteriesensor und dessen Kabel nicht zu beschädigen.

5. Der Einbau der neuen Batterie

Nach dem Einbau der Batterie möchten manche Autos noch etwas über ihren neuen Stromspeicher wissen: Teilenummer, Kapazität und andere Daten müssen per Diagnosegerät eingegeben werden. Das hat den Hintergrund, dass die Ladestrategie sich nach Batteriealter, -zustand und -kapazität richtet.

BMW-Fahrzeuge erfordern sogar ein Flashen des Motorsteuergeräts, wenn eine Batterie mit abweichender Kapazität eingebaut wird, weil das Originalformat nicht zur Verfügung steht. Es gibt Autos – zum Beispiel von französischen Herstellern –, bei denen man vor dem Einschalten der Zündung einige Minuten warten sollte, weil sich Steuergeräte aktivieren müssen.

6. Probefahrt und Fehlerspeicher löschen

Auch nach einer so simplen Arbeit wie dem Batteriewechsel sollte der Ausführende eine Probefahrt machen, um zu testen, ob alle Fahrzeugfunktionen wieder zur Verfügung stehen. Ein Klassiker ist die Start-Stopp-Funktion, die sehr eng an den Batteriezustand gekoppelt ist. Aber auch andere Sensoren oder Steuergeräte können fehlerhaft arbeiten, wenn die alte Batterie bereits Unterspannung hatte oder der Kunde unsachgemäß Starthilfe gegeben oder nachgeladen hat.

Deshalb ist der abschließende Check mit dem Diagnosegerät Pflicht. Beim Löschen der Fehlermeldungen sollte der Bediener darauf achten, auch Ereignisberichte in anderen Speichern zu löschen, etwa Meldungen über Unterspannung im Steuergerät der Elektrolenkung. Sonst bleiben diese erhalten und können bei einer erneuten Fehlersuche verwirren.

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