Neue Fabrikate „Sehr ernsthafte Bemühungen, hier Fuß zu fassen“

Von Andreas Grimm

MG, LEVC oder Vinfast – immer neue Marken starten in Deutschland und organisieren sich im Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller. Wie VDIK-Präsident Reinhard Zirpel die weitere Entwicklung einschätzt.

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VDIK-Präsident Reinhard Zirpel erwartet, dass der Zustrom neuer Marken nach Deutschland anhält.
VDIK-Präsident Reinhard Zirpel erwartet, dass der Zustrom neuer Marken nach Deutschland anhält.
(Bild: Elke A. Jung-Wolff)

Zahlreiche neue Fabrikate haben in Deutschland den Vertrieb gestartet, etwa MG. Unterstützung finden sie unter anderem im Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK), dessen Mitgliederzahl deutlich gewachsen ist. Präsident Reinhard Zirpel erläutert auf Anfrage von »kfz-betrieb«, wie er die künftige Entwicklung einschätzt.

Redaktion: Der VDIK hat zuletzt viele Mitglieder gewonnen, etwa MG, LEVC, Vinfast, Great Wall. Diese Marken starten neu auf dem deutschen Markt. Verändern sich dadurch die Aufgaben oder die Arbeit des VDIK?

Reinhard Zirpel: Neue Mitglieder bringen natürlich neue Herausforderungen, auf die wir uns freuen. Aber die grundlegende Aufgabe bleibt unverändert: Wir sind das Sprachrohr der internationalen Hersteller und vertreten ihre Interessen. Das ist in Deutschland – mit seiner selbstbewussten heimischen Autoindustrie – keine leichte Aufgabe. Aber unsere bisherigen und gerade auch die neuen Mitglieder wissen, dass wir für sie erfolgreich unterwegs sind.

Was macht den VDIK attraktiv für diese neuen Marken, die doch irgendwie Start-up-Charakter haben – der Verband ist doch angesichts seiner Historie ein Dinosaurier?

Der VDIK wurde vor 70 Jahren gegründet. In diesen Jahrzehnten ist ein einzigartiger Erfahrungsschatz aufgebaut worden. Wir kennen den deutschen Automarkt sehr lange und sehr genau. Dieses Wissen teilen wir gerne. Gleichzeitig bringen die neuen Mitglieder ihrerseits neue Ideen ein. Sie sind oftmals erst kurz im Geschäft und haben daher einen unvoreingenommenen Blick auf die Automobilbranche

Ist der Zustrom Ausdruck einer Zeitenwende oder eine zyklische Welle wie einst bei den Japanern oder in kleinerem Umfang bei den Koreanern?

Im Moment bewegt sich einiges. Viele Marken, gerade auch neue asiatische, drängen auf den deutschen und europäischen Markt. Es gab schon früher einzelne Versuche neuer Hersteller aus Asien, den europäischen Markt zu erschließen. Aber was wir jetzt erleben, hat andere Dimensionen. Das sind sehr ernsthafte Bemühungen, hier Fuß zu fassen.

Rechnen Sie damit, dass die „Markenexplosion“ hierzulande weitergeht – und der VDIK weiter wächst? Weltweit gibt es ja noch ein paar Marken …

Wir führen gute Gespräche und ich gehe davon aus, dass wir auf kurz oder lang weitere Marken aufnehmen werden.

Fast alle neuen Mitglieder setzen auf den Elektroantrieb. Wird der VDIK nun zur Speerspitze dieses Antriebskonzepts?

Wer in Deutschland alternative Antriebe gesucht hat, wurde schon immer eher bei einem internationalen Hersteller fündig. Denken Sie an die Hybride. Einige unserer Hersteller haben vor etwa 25 Jahren erste Hybridautos auf den Markt gebracht. In Deutschland haben viele diese Technologie damals belächelt. Heute lacht niemand mehr, die großen Stärken des Hybrid sind unbestritten. Auch erste Elektroautos haben VDIK-Marken nach Deutschland gebracht. Oder Wasserstoff: Die deutschen Kunden können serienreife Brennstoffzellenautos heute nur bei internationalen Herstellern kaufen. Unsere Vorreiterrolle bei den alternativen Antrieben zieht sich durch.

Sind die Importfabrikate mutiger oder suchen sie nur intensiver nach Marktlücken?

Was man nicht vergessen darf: Unsere Mitgliedsunternehmen sind große internationale Automobilkonzerne, die weltweit aktiv sind. Dahinter stehen eine enorme Innovationskraft, technologische Vielfalt und hochqualifizierte Ingenieure.

Gibt es bestimmte Kriterien, die ein Aspirant erfüllen muss, um aufgenommen zu werden?

Die Voraussetzungen für die Mitgliedschaft im VDIK sind in der Satzung geregelt. Wenn ein Unternehmen diese Voraussetzung erfüllt, kann es die Mitgliedschaft im Verband beantragen.

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Elektroantrieb, neue Ansätze, neue Namen – rechnen Sie damit, dass sich der Marktanteil der Import-Fabrikate in den kommenden Jahren erhöht?

Die deutschen Kunden gehören zu den anspruchsvollsten der Welt. Und sie sind den starken, heimischen Marken natürlich auch sehr zugetan. In diesem herausfordernden Umfeld haben die VDIK-Unternehmen einen Marktanteil von rund 40 Prozent errungen. Das ist eine beeindruckende Leistung. Aber ich bin sicher, dass sich niemand darauf ausruht.

Eine Frage zur Gegenwart: Gibt es eine aktuelle Prognose des VDIK zu den Neuzulassungen 2022 in Deutschland?

Die Bedingungen für den Fahrzeugverkauf und die Produktion haben sich dramatisch geändert. Ein aussagekräftiger Rückblick oder eine seriöse Prognose sind zurzeit kaum möglich.

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