Seoul Motor Show: Öko ist Pflicht

Autor / Redakteur: sp-x / Christoph Seyerlein

Feinstaub, Umweltzonen, Fahrverbote: Die Automesse in Koreas Hauptstadt steht ganz im Zeichen des Smog. Die Aussteller steuern darum inzwischen nicht ganz freiwillig um. Und manche Newcomer wittern sogar ein Geschäft in Deutschland.

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Die Seoul Motor Show steht im Zeichen alternativer Antriebe. Beispielsweise zeigt Hyundai eine Brennstoffzellen-Studie.
Die Seoul Motor Show steht im Zeichen alternativer Antriebe. Beispielsweise zeigt Hyundai eine Brennstoffzellen-Studie.
(Bild: Peter Weißenberg/sp-x)

Seine Nachbarn kann man sich nicht aussuchen. Kein Volk leidet darunter wohl so sehr wie die Südkoreaner. Im Osten leben die Japaner, die das Land im vorigen Jahrhundert lange besetzt hatten. Im Norden droht das Brudervolk unter seinem selbsternannten „großen Führer” beinahe täglich mit atomarer Zerstörung. Und China im Westen? Nimmt den 25 Millionen Bürgern der Hauptstadtregion Seoul einfach die Luft zum Atmen.

Und das wortwörtlich. „Südkorea liegt in der Abwindfahne Chinas, dem weltweit stärksten Luftverschmutzer”, beschreibt ein Team der Universität Innsbruck nach Forschungsflügen das Problem. Seoul muss sich also Herausforderungen stellen, die weit drängender sind als die deutscher Großstädte – und das schnell. Nirgendwo ist das derzeit so gut zu sehen wie auf der Automesse des Landes.

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Noch vor zwei Jahren dominierten PS-starke Traumwagen die Messestände. Jetzt stehen drei neue Brennstoffzellen-Autos von Hyundai, Honda und Lexus, zwölf vollelektrische Fahrzeuge, 23 Hybride und zehn Plug-in-Hybride, einige davon „Made in Korea”, im Mittelpunkt der Messe. Denn auch die früher allmächtigen Konzerne wie Hyundai, Kia oder Samsung sind inzwischen ganz ähnlich wie die deutschen Autobauer hierzulande unter Druck und Beobachtung.

Selbst auf ihrer wichtigsten eigenen Leistungsschau. Denn auch die nationale Umweltbehörde gehört zu den Ausstellern – und will, dass aus dem Bewusstseinswandel Öko-Autos hervorgehen. Die Jahrzehnte, als „freie Fahrt für freie Bürger” im aufstrebenden Korea zum Lebensgefühl gehörte, sie sind vorbei. Seoul besitzt die schlechteste Luftqualität aller Hauptstädte unter den 35 höchst entwickelten Ländern. Am Tag der Messeeröffnung herrscht nach offiziellen Angaben in Seoul in Sachen Luftverschmutzung Stufe vier von sechs. Heißt: Jedermann ist durch den Smog gesundheitlich beeinträchtigt.

Seoul Stufe vier, Stuttgart Stufe eins

Zum Vergleich: In Stuttgart gilt an diesem Tag Stufe eins. Gesunde Luft. In Baden-Württembergs Hauptstadt und anderswo sind dennoch bereits Fahrverbote in Planung oder Kraft. Koreas Hauptstadt hat gerade 17 Quadratkilometer der gesamten Innenstadt zur ersten „speziellen Verkehrszone” Koreas erklärt. Die Stadtregierung kann den Verkehr bei Smog bald „regulieren”.

Das findet sogar Hyundai-Verkäufer Chun Yong Joon ganz richtig: „Ich wohne ja selbst in Seoul – und meine Augen tränen immer, besonders bei Westwind. Wenn es da bald zu Fahreinschränkungen kommt, können wir elektrische Autos anbieten, Plug-in-Hybride oder Brennstoffzellenautos.” Auf der Messe debütieren der Hybrid der großen Limousine Grandeur und das Konzept eines kompakten Brennstoffzellen-SUV, der auch gut in deutsche Citys passen würde. Falls es irgendwann mal genug Tankstellen gibt.

So haben Vertreter koreanischer Automarken lange nicht gedacht – auch in dieser Hinsicht ist die Situation der in Deutschland nicht unähnlich. Aus der drohenden Beschränkung wollen sie jetzt eine Chance machen. Müssen sie auch: Die Stadtregierung will die Treibhausgase bis 2030 um 40 Prozent eindämmen und den Individualverkehr um 30 Prozent. Das wird auch die deutschen Hersteller massiv treffen, die in den vergangenen Jahren in Korea bedeutende Marktanteile gewonnen haben; besonders bei großen Limousinen und SUV.

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