Reifenreparatur für Run-Flats

Auch Run-Flat-Reifen lassen sich reparieren. Es gibt aber einiges zu beachten

10.08.2007 | Autor: Klaus Peter Backfisch

Rema Tip Top, Spezialist für die Reifenreparatur, liefert einen neuen Kit für Run Flats.
Rema Tip Top, Spezialist für die Reifenreparatur, liefert einen neuen Kit für Run Flats.

Bei BMW sind Run-Flat-Reifen inzwischen obligatorisch, sie gehören zum serienmäßigen Lieferumfang. Diese Reifen mit der BMW-Bezeichnung RSC (Run-Flat-System-Component) verfügen über Notlaufeigenschaften im drucklosen Zustand. Andere Automobilhersteller wie Mercedes-Benz, Audi, Opel, Ford oder VW liefern ähnliche Reifen derzeit für einige Modelle auf Wunsch.

Seit Jahren diskutiert die Branche, ob beschädigte Run-Flats analog zu Standardreifen unter bestimmten Umständen repariert werden können und dürfen. Immerhin geht es um relativ teure Produkte. Die Diskussion hat also wirtschaftliche, aber auch sicherheitsrelevante Aspekte. So steht ein Reparaturpreis von 20 bis 40 Euro (inklusive Montage/Wuchten) dem Neureifenpreis von meist weit über 100 Euro gegenüber, zumal Run-Flat-Reifen durchweg in Premiumfahrzeugen verwendet werden. Es können also schon einmal 300 Euro fällig werden.

Hinzu kommt die Tatsache, dass ein beispielsweise zu 50 Prozent abgefahrener Reifen nicht unbedingt durch einen neuen ersetzt werden kann. Der Grund dafür sind die unterschiedlichen Abrollumfänge links und rechts. Bei allradgetriebenen Fahrzeuge bewirkt das einen ständigen Drehzahlunterschied im Antriebsstrang. Verfügt das Fahrzeug über ein ABS-gestütztes Reifendruck-Kontrollsystem (indirekte Messung) führt die Drehzahldifferenz dazu, dass das System ständig scheinbare Druckunterschiede registriert und meldet.

Nur bis vier Millimeter

Bei Reifenschäden und fortgeschrittenem Verschleiß müssen also zwei neue Reifen montiert werden. Für kostenbewusste Fuhrparkleiter und viele Privatkunden ist die Reparatur da eine verlockende Alternative.

Der führende Anbieter für Reifenreparatur-Material, Rema Tip Top in Poing bei München, lieferte 2006 in Deutschland immerhin 1,4 Millionen Reparatursets aus. Das entspricht in etwa der Zahl wieder instand gesetzter Pkw- und Transporter-Reifen. Im Lkw-Sektor liegt diese Zahl übrigens bei vier bis fünf Millionen. Reifenreparaturen gehören offenbar bei einigen Fachhändlern zum täglichen Brot.

Das kann jetzt auch für Run-Flat-Reifen gelten, wenn auch nicht für alle und nur unter definierten Bedingungen. Über 80 Prozent aller Reifenschäden, so die Fachleute, finden sich im profilierten Laufstreifen und haben einen Durchmesser von bis zu vier Millimetern. Bei Run-Flat-Reifen darf nur im Bereich des Laufstreifens repariert werden und nach den Vorschriften der Reifenhersteller Bridgestone, Dunlop, Goodyear und Michelin bis zu einem Durchmesser von sechs Millimetern.

Die Reparaturanleitungen von Rema Tip Top sind noch etwas vorsichtiger. Sie erlauben eine maximale Schadensgröße von sechs Millimetern nur für Reifen bis zum Speed-Index V (bis 240 km/h). Bei schnelleren Reifen (Y und W bis 300 km/h) darf der Schaden höchstens drei Millimeter groß sein.

Hinzu kommt der wichtige Hinweis, dass der schadhafte Run-Flat aus Sicherheitsgründen nicht unter 1 bar Druck gefahren worden sein darf, um noch reparabel zu sein. Bei einem Reifen, der völlig drucklos eine Notlaufstrecke mit maximal 80 km/h über etliche Kilometer absolviert hat, ist demnach keine Instandsetzung möglich. Dies hat der Reparateur natürlich zu prüfen, er muss den Reifen demontieren und die Innenseite untersuchen. Übrigens: Von unprofessionellen Reparaturversuchen rät der Rema Tip Top dringend ab. Diese diffizile Tätigkeit dürfen nur dafür ausgebildete Fachleute ausführen.

Keine Einigkeit

Die vier oben genannten Reifenproduzenten sehen in einer Reparatur von Run-Flat-Reifen bei fachmännischer Ausführung tatsächlich keine Probleme. Anders denken Continental und Pirelli: Beide Unternehmen lehnen Run-Flat-Instandsetzungen bislang ab. Die Automobilhersteller, mit Ausnahme von BMW, stehen einer Reifenreparatur generell skeptisch gegenüber und verweigern ihren Segen.

Die Münchener verbreiten in der Service-Anweisung (6/2006) „Reparatur von Run-Flat-Reifen“ wörtlich: „Eine Reparatur von Reifen allgemein wird seitens BMW seit jeher nicht empfohlen. Sollten vereinzelte Kunden dennoch eine Reparatur ihrer Reifen wünschen, so kann deren Wunsch entsprochen werden.“ Umfangreiche Tests, unter anderem beim TÜV Süd Auto-motive, haben bestätigt, dass die Reparaturen mit professionellem Material und der nötigen Sorgfalt auch bei Run-Flat-Reifen eine einwandfreie Dauerhaltbarkeit und die erforderliche Sicherheit gewährleisten.

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