Digital muss nicht unpersönlich sein

Die Autoservicetage zeigten, wie Autohändler die Digitalisierung meistern

| Autor: Jan Rosenow

Angeregte Diskussionen zwischen Teilnehmern, Referenten und Ausstellern kennzeichnen die Autoservicetage.
Angeregte Diskussionen zwischen Teilnehmern, Referenten und Ausstellern kennzeichnen die Autoservicetage. (Bild: »kfz-betrieb«/Rainer Wengel)

Wenn Autos ihren Servicebedarf per Funk automatisch an die Werkstatt übermitteln und der elektronische Werkstattplaner ebenso automatisch einen Termin vereinbart – wer braucht dann noch die persönliche Kommunikation mit dem Kunden? Doch die Teilnehmer der Autoservicetage 2018 waren sich in diesem Punkt absolut einig: Trotz aller Verlockungen der Digitalisierung darf der Gesprächskontakt mit dem Autofahrer nicht zu kurz kommen.

Die Autoservicetage, das Forum für den markenübergreifenden Austausch über das Werkstattgeschäft, fanden am 4. und 5. Dezember in Würzburg statt. Inhaber und Serviceleiter markengebundener Autohäuser konnten hier Vorträge hören, mit Dienstleistern und Lieferanten in Kontakt kommen und sich im Gespräch mit Kollegen Anregungen für ihr Servicegeschäft holen.

In seinem Vortrag betonte Jörg Gudat, Geschäftsführer von Gudat Solutions und mit dem EDV-Produkt „Digitales Autohaus“ einer der Treiber der Digitalisierung in der Branche: „Wir wollen nicht die Kommunikation mit dem Kunden reduzieren, sondern den Aufwand für die Betriebe verringern.“ Gudat berichtete zusammen mit Thomas Desch, Niederlassungsleiter Konstanz beim VW-Händler Gohm & Graf Hardenberg, wie sein System die auf vielen digitalen und analogen Kanälen einlaufenden Anfragen bündelt und den Betrieben die Arbeit erleichtert.

Mercedes-Händler Jan Christoph Weitkamp zeigte auf, wie er in seiner Betriebspraxis mit dem Vernetzungskonzept Mercedes Me umgeht. Er hat eine eigene Stelle geschaffen, die sowohl die technische Seite des Telematikkonzepts beherrscht als auch die Me-Kunden betreut.

Dekra: Softwarestände im Fahrzeug ändern sich immer häufiger

Dekra-Experte Walter Niewöhner berichtete, welche komplexe Aufgabe es zukünftig für die Überwacher sein wird, den Überblick über die Softwarestände in den Fahrzeugen zu behalten und zu erkennen, inwieweit sich das Auto vom einst homologierten Zustand mittlerweile entfernt hat, etwa durch Softwareupdates „over the Air“.

Bratzel: Drei Paradigmenwechsel in der Mobilitätsbranche

Der bekannte Automobilexperte Professor Dr. Stefan Bratzel wies in seiner Keynotepräsentation auf die Gefahr hin, die der Automobilindustrie durch neue, branchenfremde Wettbewerber droht, welche die Autokonzerne an Kapital- und Innovationskraft bei weitem übertreffen.

Gleich auf mehreren Feldern ereigneten sich derzeit Paradigmenwechsel, führte Bratzel aus: Der Verbrennungsmotor würde vom Elektroantrieb ergänzt oder ganz abgelöst, neue Nutzungsmodelle wie Sharing machten den Besitz eines eigenen Autos überflüssig, und statt aktiver Fahrfreude stünde zunehmend das automatisierte Fahren im Mittelpunkt. Alle drei Neuerungen würden maßgeblich von branchenfremden Unternehmen vorangetrieben und hätten die Fähigkeit, die Welt der Mobilität disruptiv zu verändern.

Achtung Hacker: Ist Ihr Onlineshop sicher?

In weiteren Vorträgen ging es um andere Aspekte der Digitalisierung, etwa den Datenschutz oder die Sicherheit vor Hackerangriffen. Der Anwalt und Experte für IT-Recht, Chan-jo Jun, rief die Betriebe auf, beim Thema Datenschutz dem gesundem Menschenverstand zu vertrauen und nicht dogmatisch immer die maximale Lösung anzustreben. Viele Aufgaben im Autohaus könnten auch abgewickelt werden, ohne dass der Kunde eine Einwilligungserklärung zur Datenverwendung unterschreiben müsse, betonte Jun. Und IT-Profi Thomas Haase von T-Systems demonstrierte den entsetzten Teilnehmern, wie leicht sich Websites, Onlineshops oder selbst Überwachungskameras von Kriminellen angreifen lassen.

»kfz-betrieb«-Ressortleiter Jan Rosenow fasste in seinem Vortrag den aktuellen Diskussionsstand rund um die Dieselnachrüstung zusammen. Zwar gebe es bereits funktionsfähige Prototypen, die die Stickoxidemission von Dieselmotoren markant senken könnten, allerdings müssen noch viele weitere Voraussetzungen geschaffen werden, bis eine groß angelegte Nachrüstaktion starten könne.

Insgesamt gingen die Teilnehmer der Autoservicetage mit vielen Informationen nach Hause, die sie in ihren Betrieben direkt anwenden können. Die Autoservicetage, die von »kfz-betrieb« organisiert und von den Unternehmen Dekra und Maha unterstützt werden, finden 2019 zum sechsten Mal statt. Der Termin ist der 25.und 26. November 2019. Am 25. November werden zudem die Preisträger beim Werkstattpreis Service Award geehrt. Weitere Informationen finden Sie unter www.autoservicetage.de.

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