Tesla schafft die Serviceintervalle ab

Bisher geschlossene Verträge werden erfüllt

| Autor: Christoph Seyerlein

Tesla will seine Service-Center entlasten.
Tesla will seine Service-Center entlasten. (Bild: Tesla)

Lange Zeit hat Tesla das Thema Service stiefmütterlich behandelt. Mit dem Ziel zum Massenhersteller zu werden, geriet der Bereich aber auch bei Firmenchef Elon Musk stärker in den Fokus. Nicht zuletzt wohl auch deshalb, da es immer wieder Kundenbeschwerden über lange Wartezeiten für Reparaturen gibt.

Ein Ziel der Kalifornier ist es deshalb, Kunden den Gang zum Service Center, solange es auch nur gerade vertretbar ist, zu ersparen. Schließlich könne man – so sagt zumindest Tesla – 90 Prozent der Probleme ferndiagnostizieren und oft auch etwa über Over-the-air-Updates beheben. Zusätzlich setzt der Hersteller auf eine mobile Serviceflotte. In den USA wickelt diese bereits 30 Prozent aller Aufträge ab.

Nun will Tesla die Zahl der Service-Durchläufe in den eigenen Centern noch weiter eindämmen. Der Hersteller schafft dazu kurzerhand die klassischen Serviceintervalle ab, wie die US-Seite „CNet“ zuerst berichtete. Bislang konnten Kunden wie bei fast allen Automarken üblich einen Servicevertrag abschließen. Für ein Model S sah dieser in Deutschland beispielsweise gegen eine Zahlung von 2.475 Euro vier Jahresinspektionen vor. Alle bisher geschlossenen Verträge wird Tesla nach eigenen Angaben erfüllen.

Künftig wolle man die Autos aber tatsächlich nur noch dann in den eigenen Werkstätten sehen, wenn diese auch wirklich eine Reparatur oder neue Teile benötigten, hieß es von Seiten des Herstellers zu der Maßnahme. Eine kleine Ausnahme gibt es allerdings: Die Bremsflüssigkeit der Fahrzeuge werde weiterhin alle zwei Jahre auf Wasserverschmutzung überprüft. Auf die Garantie der Autos soll das Ganze keine Auswirkungen haben, wie Tesla-Vertreter gegenüber CNet betonten.

Tesla sieht weniger Verschleiß als angenommen

Eine Begründung für den Strategiewechsel lieferten die Kalifornier auch mit. Man habe bei der Auswertung von Daten aus mehreren Jahren festgestellt, dass die eigenen Fahrzeuge weniger verschleißen als ursprünglich einmal angenommen. Deshalb sei eine jährliche Inspektion überflüssig.

Klassische Service-Maßnahmen bei Verbrennern wie etwa der Ölwechsel entfallen bei Elektroautos bekanntermaßen, weswegen der Wartungsbedarf im Vergleich generell deutlich geringer ist.

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Nichtsdestotrotz könnte die Maßnahme aber auch darauf hindeuten, dass die Kalifornier ihren Sparkurs weiter verschärfen müssen. Vor Kurzem hatte Elon Musk bereits für Aufsehen gesorgt, als er erst verkündete, die meisten physischen Tesla-Stores schließen zu wollen, wenig später aber einen Rückzieher machte. Schließungen wird es in jedem Fall geben, wie viele ist aktuell aber unklar. Im Service-Bereich könnte es Musks Hoffnung sein, durch die wegfallenden Intervalle die Service-Center zu entlasten und so vorerst keine weiteren Kapazitäten aufbauen zu müssen.

Musk alarmiert Mitarbeiter wegen Lieferschwierigkeiten

Auch an anderer Stelle versucht der Firmenchef bereits, fehlendes Personal durch unkonventionelle Maßnahmen auszugleichen. Wie das Portal „Business Insider“ berichtet, hat Musk alle Mitarbeiter in einer E-Mail gebeten, bei der Auslieferung von Model-3-Einheiten mitzuhelfen. Offenbar hat der Hersteller Probleme, die Fahrzeuge, die nach China und Europa verschifft werden sollen, rechtzeitig zum Hafen zu bringen. Die Nachfrage sei riesig, verschärfe aber die Lieferschwierigkeiten, hieß es.

Wörtlich schrieb Musk: „Bitte betrachtet es in den letzten zehn Tagen dieses Quartals als eure oberste Dringlichkeit, bei der Auslieferung der Fahrzeuge zu helfen. Das gilt für jeden.“ Der Tesla-Chef soll sogar Freiwillige gesucht haben, um die Autos zu den Schiffen zu fahren. Anfang des Jahres hatten die Kalifornier eine große Entlassungswelle verkündet, um profitabler zu arbeiten. Mit am stärksten davon betroffen war die Auslieferungsabteilung.

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