Shanghai Autoshow 2013: Platzkonzert

Autor / Redakteur: Stefan Grundhoff / Andreas Wehner

Nirgends gibt es mehr Neuheiten zu sehen als auf der Shanghai Autoshow – und nirgends ist es ohrenbetäubender. Vor allem die einheimischen Hersteller kämpfen mit wilden Lichtshows und lauten Klängen um die Gunst der Publikums.

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(Foto: Press-inform)

25 Millionen Chinesen können sich nicht irren. Shanghai ist eine Weltstadt mit Format. Dieser Tage sind es allerdings nicht nur die Einheimischen, sondern vor allem die Europäer, die auf der Shanghai Autoshow die volle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Das Problem ist nur, sie überhaupt zu Gesicht zu bekommen.

In Fünferreihen und wie die Sardinen dicht gedrängt stehen tausende Chinesen vor den automobilen Neuheiten und recken ihre Arme samt schwerer Spiegelreflexkamera oder iPad in die Höhe - hier zählt jeder Zentimeter. Rücksicht? Fehlanzeige. Hier wird durchs Bild gelaufen, geschubst oder einfach mal ein, für eine Publikumsmesse, völlig unsinniges Fotografier- oder Durchgangsverbot erhoben. Willkommen in Shanghai!

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Gegen die ohrenbetäubende Dauerbeschallung, die zum einen aus der unglaublichen Menschenmenge resultiert und zum anderen aus den Boxen der Ausstellerstände dröhnt, sind europäische Hörorgane maßlos überfordert. Doch der ganze Stress verfliegt im Nu, wenn einen die überglücklich strahlenden Mandelaugen eines kleinen Jungen anschauen, während er zum ersten Mal in seinem Leben in einem echten Porsche sitzt und am Lenkrad herumspielt. Wer sich mehr freut, Vater oder Sohn, ist auf Grund der vier gleich feuchten Augen nur schwer auszumachen.

Die Automesse auf dem Gelände der Expo Shanghai ist anders. Die heimischen Hersteller setzen auf wilde Lichtshows, brüllende Bühnenakteure und laute Klänge. „Changan drives the World“ klingt es vom Messestand des chinesischen Herstellers in die Halle. Doch bitte: Welche Welt ist gemeint? Eilig wird eine durchaus sehenswerte SUV-Studie enthüllt und danach im Stechschritt eine düstere Stretchlimousine von dem Ziertuch befreit. Begriffe wie „global“, „innovation“ und „future“ fallen. Doch was dahinter steckt, ist zumindest auf dem Messestand kaum zu erkennen. Daneben wirkt der Slogan „Opel - wir lieben Autos“ mehr als verloren. Brilliance Auto verführt die Messebesucher bei den Auftritten der Messestars mit Musik aus den frühen 80ern. Als ob Ober-Plopper Michael Schanze gleich auf die Bühne der Funkausstellung hüpfen würde.

Porsche hat aber nicht nur was für die Kleinsten mit nach Shanghai gebracht, sondern vor allem auch etwas für die ganz Großen. Den neuen Porsche Panamera gibt es ab kommendem Jahr mit einem Längenbonus von 15 Zentimetern. Die 4S-Executive-Version soll rund 31.000 Euro extra kosten. Auf der Antriebsseite ersetzt Porsche den Achtzylinder der Modelle S und 4S durch Sechszylinder und ein neuer Plug-In-Hybrid gesellt sich ebenfalls zur Modellreihe hinzu. Seitens der 911-Reihen kommt der neue RSR demnächst auf den Markt.

Auch richtig sportlich unterwegs ist die 720 PS starke Jubiläumsausgabe von Lamborghini. Von dem Aventador LP 720-4 50° Anniversario gibt es nur 100 Stück zum 50. Geburtstag der Marke. Noch weniger, genau acht, gibt es von dem 1,99 Millionen teuren Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse mit 1.200 PS. Ach ja: rein netto - ohne Steuern.

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