Skoda Enyaq: Der Tschechen-Stromer wagt sich vor

| Autor: sp-x

Skoda will den Enyak Ende 2020 ins Rennen schicken – und mit Vorteilen im Preis-Wert-Verhältnis punkten.
Skoda will den Enyak Ende 2020 ins Rennen schicken – und mit Vorteilen im Preis-Wert-Verhältnis punkten. (Bild: Skoda)

Grün-weiß gezackt. Die Tarnung ist geschickt gewählt, schließlich beschäftigt Skoda wie andere Autobauer auch Tarnspezialisten, die die Fahrzeugkonturen durch Muster, 3D-Effekte und Farbkontraste unkenntlich machen. Passanten oder andere Autofahrer haben kaum Chancen zu erahnen, was sich unter den drei seltsam beklebten Fahrzeugen verbirgt, die auf den abgelegenen Straßen in Irland unterwegs sind. Kaum hören kann man es. Fast lautlos rauschen die Erlkönig-SUVs vorbei.

Dahinter steckt Skoda. Die Tschechen fahren letzte Tests mit dem Enyaq. So heißt ihr erstes Elektroauto, das auf der MEB-Architektur des Volkswagen Konzerns basiert. Der Enyaq soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Und er hätte das Zeug dazu, die gesamte Branche aufzumischen.

Warum? Weil Skoda getreu seiner Firmenphilosophie erneut ein attraktives Gesamtkonzept auf die Räder stellt. Großzügiges Platzangebot, hoher Qualitätsstandard und eine für Elektroautos alltagstaugliche Reichweite. Das Ganze in Kombination mit einem ansprechenden Design, gefälligen Proportionen und guten Preis. Der Enyaq soll bei rund 35.000 Euro starten und fährt damit auf dem Niveau so manch elektrischer Klein- und Kompaktwagen wie beispielsweise Honda E, Mini Cooper SE oder Nissan Leaf, bietet aber deutlich mehr Raum und Nutzen.

Das zeigt sich einmal mehr und Skoda-typisch an den automobilen Kenngrößen. Mit einer Länge von 4,65 Metern ist der Enyaq 4 Zentimeter kürzer als ein Octavia Combi. Damit wäre der Skoda-Stromer ein Modell der unteren Mittelklasse, wenn man ihn tatsächlich noch in dieses Schema pressen will. Mit einem Kofferraumvolumen von 585 Litern, bei vollständig umgelegten Rücksitzlehnen sind es sogar 1.711 Liter, bewegt sich der Enyaq aber auf Großkombi-Niveau.

Enyaq: Noch ohne Konkurrenz

Als weitere Trumpfkarte kann der tschechische Autobauer ausspielen, dass sich derzeit noch kein anderes Elektro-SUV im Segment des Enyaq tummelt. Jaguar I-Pace, Mercedes EQC und Audi E-Tron passen preislich nicht und sind etwas größer, Modelle wie Hyundai Kona und Kia Niro fahren eine Klasse tiefer. Lediglich der Aiways U5 wäre zu nennen. Ob die Chinesen aber mit ihrem Modell, wie angekündigt, wirklich im Herbst die Tür nach Europa aufstoßen, muss man erst einmal abwarten. Nur Konzern-intern winkt Konkurrenz. VW kommt etwa zeitgleich mit dem ID 4.

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Jetzt muss es eigentlich nur noch mit der Technik klappen. Zuletzt hatten Software und Elektronik im Volkswagenkonzern wenig überzeugt. So gefährdeten Software-Probleme den Marktstart des VW ID 3. Dass Probleme bei einer Konzernmarke weite Kreise ziehen können, zeigt aktuell der Rückruf des neuen Golf 8, der auch den Skoda Octavia trifft. Skoda Auto Deutschland versicherte auf Anfrage von »kfz-betrieb« Ende Februar, dass die Enyaq-Einführung weiterhin im Zeitplan sei.

Beim Antrieb des Enyaq kann der Kunde unterschiedliche Leistungen und auch Allradantrieb wählen. Das Einstiegsmodell hat 109 kW/148 PS. Es folgen 132 kW/180 PS und 150 kW/204 PS. Der Elektromotor sitzt hier jeweils auf der Hinterachse und treibt auch die Hinterräder an. Beim Allradantrieb kommt vorne ein 42- oder ein 75-kW-Motor hinzu, so dass der Enyaq im Maximum über eine Leistung von 225 kW/306 PS verfügt.

Schon 150 Kilowatt passen hervorragend zum tschechischen Stromer. Der Grund liegt vor allem im Drehmomentverhalten eines Elektromotors. Dieser liefert prinzipbedingt seinen Bestwert – hier sind es 350 Newtonmeter – bereits vom Stand weg und tritt damit souveräner an als jeder vergleichbare Diesel oder Benziner. Weil die Fahrt dann noch weitgehend geräuschlos abläuft, macht es umso mehr Spaß, zumal den Enyaq-Entwicklern eine gute Fahrwerksabstimmung gelang. Komfortables und geschmeidiges Gleiten, dafür ist dieses SUV gemacht.

Innenraum: Moderne Technik, umweltbewusste Materialien

Große Überraschungen im Innenraum zeigen sich keine. Unter der noch komplett verdeckten Armaturentafel – nur der digitale Tacho lugt darunter hervor – zeichnet sich unmissverständlich ein großes freistehendes Touch-Display ab, die Kommunikationszentrale des Enyaq. Zwischen den Sitzen befinden sich die üblichen Cupholder und ein kleiner Gangwählschalter, bei dem erstmals auf die Stellung P verzichtet wird. Der Wagen wird automatisch arretiert, sobald der Knopf für die Handbremse betätigt, die Zündung ausgeschaltet oder die Tür geöffnet wird.

Bei der Einrichtung schienen sich Skodas Designer das häusliche Wohnzimmer zum Vorbild genommen zu haben. Zum Einsatz kommen gemütliche Stoffe aus Wolle und wiederaufbereiteten PET-Flaschen sowie ökogegerbtes Leder. Entsprechend heißen die Ausstattungslinien beispielsweise Lounge oder Eco-Suite. Für Entspannung sollen nicht nur neu konstruierte Sitze, sondern auch ein großes Head-up-Display (Aufpreis) sorgen. Es spiegelt alle wichtigen Informationen in die Windschutzscheibe und verfügt zusätzlich über Augmented Reality. Abbiegepfeile können so virtuell auf die Straße projiziert werden.

Skoda Enyaq mit Reichweiten zwischen 350 und 500 Kilometer

Wie VW seinen ID 3, so bietet auch Skoda seinen Enyaq mit drei unterschiedlich großen Batterien an. Denn nicht jeder braucht eine große Reichweite und kann damit einen kleineren Akku für deutlich weniger Geld wählen. Der Einstieg beginnt mit 55 kWh, die mittlere Batterie hat einen Energieinhalt von 62 kWh und die größte kommt auf 82 kWh. „Damit schaffen wir Reichweiten zwischen 350 und 500 Kilometer“, verspricht Entwicklungschef Strube.

Dass es beim Enyaq nicht bleibt, darauf gab Skoda bereits 2019 auf der Automesse in Genf einen unmissverständlichen Hinweis. Dort zog man das Tuch von der Studie „Vision iV“, hinter der sich nichts anderes verbirgt als ein Ausblick auf das Enyaq Coupé. Es soll im nächsten Jahr beim Händler sein. Beide Modelle werden im Stammwerk in Mlada Boleslav gefertigt, und wie Christian Strube sagt, dies möglichst klimaneutral. „Unsere Elektroautos sollen ohne CO2-Rucksack auf den Markt kommen.“

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