Skoda gibt Enyaq ab sofort zur Kundengewinnung frei

Autor: Andreas Grimm

Fast unmittelbar nach seiner Weltpremiere ist der Enyaq bei den Skoda-Partnern bestellbar. Die Tschechen wollen scheinbar keine Zeit verlieren, mit dem quasi konkurrenzlosen Modell Neukunden anzuziehen. 33.800 Euro als Basispreis sind ein gutes Argument für die Händler. Er hat aber einen Haken.

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Skoda will mit dem Enyaq nochmals den Absatz erhöhen und sich ins Zeitalter der Elektromobilität transformieren. Bei der Modellpremiere zeigten sich die Markenvertreter sehr zuversichtlich.
Skoda will mit dem Enyaq nochmals den Absatz erhöhen und sich ins Zeitalter der Elektromobilität transformieren. Bei der Modellpremiere zeigten sich die Markenvertreter sehr zuversichtlich.
(Bild: Grimm/»kfz-betrieb«)

Skoda hat die Nase vorn. Nach der Premiere des Enyaq am Dienstagabend in Prag gehen die Tschechen im Konzert der Volumenmarken des Volkswagenkonzerns als Erste im boomenden SUV-Segment in die elektrische Zukunft. Der Skoda-Handel kann im Verkauf quasi umgehend zur Tat schreiten, während das VW-Gegenstück, der ID 4, erst Ende September präsentiert wird. Die neue Baureihe steht ab Donnerstag, 3. September, im Konfigurator bereit. Eingepreist ist das Modell in der Grundausstattung bei 33.800 Euro – vor Abzug der Förderprämien. Die Markteinführung im Handel ist jedoch erst im Frühjahr angesetzt.

Stefan Quary, Vertriebschef von Skoda Auto Deutschland, erwartet, dass der Importeur mit dem Enyaq iV, wie er korrekt heißt, den Kundenkreis weiter steigert. „Der Enyaq wird ein Volumenmodell“, ist er sich sicher ohne sich um Kannibalisierungseffekte große Sorgen zu machen. „Wir haben mit jeder neuen Baureihe unsere Verkaufszahlen erhöht.“ Konkrete Absatzerwartungen nannte er nicht, ließ aber durchblicken, dass der deutsche Markt für Skoda ein Vorzugsmarkt ist und entsprechend „marktorientierte Volumina“ für die hiesigen Händler bereitstehen sollen. Sprich Lieferengpässe oder ganz fehlende Ware wie derzeit beim Citigo-E soll es mit dem Enyaq nicht geben.

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Die Zielgruppen sind durchaus vielfältig. Da sind die Familien, die neben dem Skoda-typischen üppigen Raumangebot und der Reichweite von mehr als 500 Kilometern auch die achtjährige Batteriegarantie (bzw. 160.000 Kilometer) ansprechen dürfte. Dazu kommen wie schon seit Jahren vermehrt die Flottenkunden und die User-Chooser, die von der reduzierten Dienstwagenbesteuerung und den im Vergleich zu konventionellen Fahrzeugen niedrigeren Betriebskosten profitieren.

Zu beachten ist allerdings, dass – wie zuletzt regelmäßig bei den Tschechen – zunächst nur die hochwertiger ausgestatteten und damit teureren Versionen verfügbar sein werden. Der Endpreis hängt dabei wesentlich von der gewählten Batteriekapazität ab. Während die Basisbatterie mit 50 kWh erst zu einem späteren Zeitpunkt konfigurierbar sein wird (und somit der günstigste Preis erst später realisierbar wird), ist der Enyaq iV 60 mit 62 kWh ab 38.850 Euro bestellbar. Das Modell mit der größten Batterie, den Enyaq iV 80 (mit 82 kWh) gibt es ab 43.950 Euro.

Für Sammler wird zudem im Frühjahr 2021 die besonders umfangreich ausgestattete Founders Edition erhältlich sein. Sie ist auf 1.895 Fahrzeuge limitiert und eine Hommage an die Gründung von Skoda durch Václav Laurin und Václav Klement vor 125 Jahren.

Kunden bevorzugen bessere Ausstattung

Dass zunächst die höherwertigen Varianten verfügbar sind, ist für Quary kein Nachteil. Vor allem die Variante mit 82 kWh werde letztlich die überwiegende Mehrheit der Verkäufe stellen, prognostiziert er. Die Erfahrungen aus anderen Baureihen geben ihm dabei Recht, der Anteil spartanisch ausgestatteter Neuwagen war bei Skoda in den letzten Jahren gering. Dazu kommt, dass die 82-kWh-Batterie eine langstreckentaugliche Reichweite von gut 500 Kilometern verspricht. Die kleine 50-kW-Batterie soll etwa 350 Kilometer schaffen. „Der Enyaq kommt damit genau richtig“, glaubt Quary und verweist auf den aktuellen Markthochlauf der E-Fahrzeuge. Entsprechend soll der Enyaq nicht der letzte E-Skoda bleiben.

Generell ist die Positionierung des Enyaq in der unteren Mittelklasse ein geschickter Schachzug, denn damit ist der Tscheche vorerst fast konkurrenzlos. Elektrifizierte SUV-Modelle spielen derzeit preislich in einer anderen Liga – sieht man einmal von der noch unbekannten Marke Aiways mit dem E-SUV U5 ab.

Neben den Batterie- und Antriebsoptionen gibt es verschiedene Ausstattungsmöglichkeiten. Diese Varianten heißen künftig „Design Selections“ und ersetzen die bisher bekannten Ausstattungslinien. Mit den Selections werden die Individualisierungsmöglichkeiten kanalisiert. Ziel ist einerseits eine Vereinfachung der Produktion in den Skoda-Werken und andererseits eine leichtere, in wenigen Schritten abzuschließende Konfiguration eines Fahrzeugs durch den Kunden.

Gestützt werden die Erwartungen von Skoda Auto Deutschland vom selbstbewussten Ausblick des neuen Skoda-Vorstandsvorsitzenden Thomas Schäfer. Der sieht mit dem Elektro-Zeitalter die „besten Jahre für Skoda noch bevorstehen“. In den 125 Jahren des Firmenbestehens sei Skoda immer wieder mit Ideen vorangegangen. Der Enyaq iV, wie er offiziell heißt, werde dieser Geschichte ein weiteres Kapitel hinzufügen und zugleich ein „wahrer Skoda“ bleiben: einfache Bedienbarkeit, ein ansprechendes Preis-Wert-Verhältnis, das großzügige Raumangebot und viele Simply-Clever-Lösungen nun auch speziell für E-Auto-Fahrer.

Verfügbar ist der Enyaq iV in drei Akku-Kapazitäten (50, 60 und 80 kWh), fünf Leistungsstufen von 109 bis 225 kW sowie Heck- oder Allradantrieb. Dass er als Mitglied der SUV-Familie auch ein Arbeitstier ist, zeigt die Anhängelast von maximal 1.400 Kilogramm. Dann wird die maximale Reichweite (510 km laut WLTP) allerdings wohl auch bei geschickt eingesetzter dreistufiger Rekuperation nicht erreicht werden. Damit es mit dem Nachladen klappt, bietet Skoda den „My Skoda“-Powerpass an, der den Zugang zu den meisten Ladestellen in Ländern der Europäischen Union ermöglichen soll. Der Kofferraum des Enyaq iV fasst zwischen 585 und 1.711 Liter Gepäck.

Optisch zurückhaltender SUV

Mit einer Länge von 4,65 Metern ist der Enyaq etwas kürzer als der Octavia, in die Höhe reckt er sich 1,62 Meter. Die Dachlinie ist Coupé-artig nach hinten gezogen, der Radstand von 2,76 Metern im Verhältnis recht lang. Sprich: Die Designer nutzten die neuen Freiheiten, die der Elektroantrieb ihnen bietet. Die Bauhöhe weiter reduzieren geht wegen den Batterieelementen im Fahrzeugboden allerdings nicht, verdeutlichte Skoda-Chefdesigner Oliver Stefani.

Die Front fällt recht kurz und für ein SUV eher niedrig aus. Dass sie dennoch ins Auge fällt, liegt am „Kühlergrill“ – den es natürlich beim E-Motor so nicht mehr gibt. Dafür können die Kunden optional das so genannte „Crystal Face“ ordern. Das sind vertikal angebrachte und durch LEDs beleuchtete Rippen, die das vor einigen Jahren eingeführte „kristalline Design“ von Skoda weiterentwickeln.

Den SUV-Charakter unterstreichen vor allem die großen Räder des Enyaq. Trotzdem haben die Entwickler den Luftbeistandswert auf 0,27 drücken können. „Das ist für ein SUV in dieser Größe schon ein Wort“, hatte der Leiter der Exterieur-Entwicklung, Karl Neuhold, kurz vor der Enyaq-Vorstellung in anderem Zusammenhang gesagt. Und natürlich ist der Wert ein wichtiger Baustein, damit der Enyaq seine angekündigte Reichweite erzielt.

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Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«