Skoda sieht E-Anteil bis 2025 bei 25 Prozent

Autor / Redakteur: Stefan Grundhoff / Andreas Grimm

Skoda schwebt auf einer Erfolgswelle. Nur mit alternativen Antrieben hielten sich die Tschechen bislang zurück. Das wird sich ändern. Bis 2025 soll mehr als ein Viertel der Skoda-Fahrzeuge elektrifiziert sein. Das erste E-Auto kommt Ende 2020.

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(Bild: Skoda)

Bei kaum einem Autohersteller sieht man derzeit so zufriedene Gesichter wie bei Skoda. Weitgehend unbeeindruckt vom Volkswagen-Dieselskandal fahren die Tschechen von Erfolg zu Erfolg. Zuletzt hat die Marke im Jahr 2016 mehr als 1,1 Millionen Fahrzeuge verkauft – der dritte Höchststand in Folge – und darin ist der SUV Kodiaq noch gar nicht enthalten. Der bekommt zur IAA mit der Neuauflage des Yeti weitere Schützenhilfe im Absatzrennen – doch dreht sich bei diesen Neuerungen noch alles um die konventionelle Art der automobilen Fortbewegung.

Dass auf Skoda noch ganz andere Umwälzungen zukommen als immer neue Absatzrekorde, hatte Vorstandschef Bernhard Maier zumindest den deutschen Vertriebspartnern im vergangenen November auf der Hauptversammlung des Händlerverbands dargelegt: „Wir haben den Willen, die Veränderungen zu gestalten, die rasend schnell passieren“, sagte er damals in Hamburg. Gemeint waren die Digitalisierung, Vernetzung und Elektrifizierung der Autos.

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Gerade im Bereich Elektrifizierung haben die Tschechen allerdings eine augenfällige Leerstelle – noch. Einen Ausblick, was kommen soll und kann, gibt nun die Messe Auto China in Shanghai ab Mitte April. Dort, im Zentrum des größten E-Auto-Markts der Welt, zeigt Skoda mit dem „Vision E“ eine realitätsnahe Studie eines elektrischen SUV. Der ist mit 4,65 Metern nur etwas kürzer als der aktuelle Kodiaq, verzichtet aber schon wegen seiner stark abfallenden Dachlinie auf eine dritte Sitzreihe.

Stark wachsende E-Flotte

Das E-SUV ist nur der Auftakt für die Elektrifizierung. Nach der Serienversion des Vision E sollen bis zum Jahre 2025 vier weitere elektrisierte Skoda-Modelle folgen. Die geplanten Verkaufsziele sind durchaus ambitioniert. Erwarten die Tschechen bis 2020 einen eigenen Anteil von acht Prozent mit alternativen Antrieben, sollen es bis zum Jahre 2025 in Europa 25 Prozent und in China sogar 30 Prozent sein.

Bevor die elektrische Serienversion Ende der Dekade ihre Premiere feiert, bringt Skoda 2019 sein Topmodell Superb mit einem Plug-in-Hybrid auf den Markt. Im Vergleich zur Konkurrenz im und außerhalb des VW-Konzerns ist das sehr spät und so bleibt fraglich, wie lange die Halbwertzeit eines Plug-in-Hybriden ist, wenn ab 2018/19 konkurrenzfähige Elektromodelle Einzug in die Modellportfolios der verschiedenen Autohersteller halten.

„Wir werden im Vergleich zu anderen Plug-in-Hybriden im Konzern die nächste Batteriegeneration bekommen“, ergänzt Guido Haak, Leiter des Skoda-Produktmanagements. Heißt, die rein elektrische Reichweite dürfte auf deutlich über 50 Kilometer steigen, während die Akkupakete günstiger als die aktuellen sind und die Preise so sinken. Trotzdem bleibt die Frage, ob Skoda nicht zu spät auf den Plug-in-Trend aufspringt und es Elektromodelle nicht getan hätten. Schließlich gibt es sowohl in Asien als auch in Europa nennenswerte Vergünstigungen wie die heiß umkämpften „Abgas-Credits“ dann wohl kaum mehr für Hybriden, sondern nur noch für reine Elektroautos.

Doch ein Schritt nach dem anderen und zurück zum Vision E: „Für uns ist er kein echter SUV, sondern eher ein Crossover, eben ein CUV mit skulpturalen Formen und einer neuen Dreidimensionalität – gerade an den Flanken“, erläutert Designer Marko Jertic ebenso blumig wie wortreich. „Es gibt vorne den typischen Skoda-Powerdome. Ohne den Verbrennungsmotor können wir in der Front weitgehend auf Lufteinlässe verzichten.“ Der Vision E ist dabei von vorne und hinten zweifelsfrei als Skoda zu erkennen. Ob es die langen LED-Lichtbahnen in der Front, ebenso wie die Heckleuchten in Kristalloptik ausgeführt, in die Serie schaffen, darf jedoch bezweifelt werden.

Auf der Straße steht der Vision E mit einer Breite von 1,92 Metern und einer Höhe von 1,55 Metern, wie Skoda findet, ziemlich präsent. Dank eines langen Radstands sowie der kurzen Überhänge vorn und hinten haben die Techniker einen Skoda-typischen großzügigen Innenraum geschaffen. „Derzeit arbeiten wir im Konzern mit zwei Radständen“, erläutert Produktmanager Haak, „der des Vision E liegt bei 2,85 Metern.“

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Technisch basiert Skodas Vision E auf dem jüngst von Volkswagen eingeführten Modularen Elektrobaukasten (MEB), bei dem Spur und Radstand weitgehend variabel sind. Die Serienversion vom ersten hauseigenen Elektromodell wird über eine elektrische Hinterachse angetrieben. Die Leistung von 225 kW / 306 PS reicht für eine abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Optional gibt es einen Allradantrieb mit zwei Elektromotoren vorne und hinten.

Wie bei allen Fahrzeugen auf dem MEB befinden sich die Batteriezellen zwischen den beiden Achsen im Unterboden. „So können wir einen flachen Boden realisieren. Das gibt uns neue Möglichkeiten in Bezug auf Innenraumgestaltung und autonomes Fahren“, unterstreicht Vorstands-Chef Bernhard Maier, „die maximale Reichweite des Vision E wird bei 500 Kilometern liegen.“

Integration des autonomen Fahrens

Mit dem Elektromodell des Vision E will Skoda auch einen großen Schritt in Richtung autonomes Fahren machen. Gemäß den Voraussetzungen der Stufe drei für autonomes Fahren soll der Tschechen-Crossover unter anderem selbstständig im Stau fahren, per Autopilot Strecken auf Autobahnen zurücklegen, Überholen, freie Parkplätze suchen sowie allein ein- und ausparken können. Dafür stehen diverse Sensoren mit unterschiedlichen Reichweiten und verschiedene Kameras bereit, die das Verkehrsgeschehen überwachen.

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