Smart: Ein Fall für zwei

Autor / Redakteur: Stefan Grundhoff/press-inform / Gerd Steiler

Ein Lebenszeichen von Smart! Daimler bringt zum Jahresende die dritte Generation des smarten City-Flitzers auf den Markt. Kann der Winzling endlich durchstarten?

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Daimler stellt im Juli die dritte Generation des Smart vor.
Daimler stellt im Juli die dritte Generation des Smart vor.
(Foto: Daimler)

Im Hause Daimler gibt es zahllose Erfolgsgeschichten. Die von Smart gehört nicht dazu – bisher zumindest. Die Idee einer urbanen Mobilität der Zukunft, einst gemeinsam von Daimler und Swatch-Gründer Nicolas Hayek ersonnen, erwies sich trotz wiederkehrender Teilerfolge bislang eher als Rohrkrepierer.

Anfang der 80er Jahre wurde die Smart-Idee geboren. Seither investierte Daimler Milliarden von Euro, um die Absatzzahlen – einst mit 250.000, 350.000 und mehr pro Jahr kalkuliert – explodieren zu lassen. Doch die Verkäufe blieben trotz großen Markenengagements und der US-Landnahme durch die zweite Smart-Generation weit hinter den Erwartungen zurück. Aus der Smart-Familie wurde im Laufe der Jahre ein einsamer Single – immerhin auf Wunsch auch als offene Targa-Version zu erstehen. Das reichte für 100.000 verkaufte Fortwo-Modelle per anno. Viele der zugelassenen Modelle, unterwegs bei Carsharing-Firmen, Pflegediensten und Autovermietern, spülten jedoch zu wenig Geld in die Kassen des Daimler-Konzerns.

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Beginn einer neuen Ära

Wenn Smart-Chefin Annette Winkler Mitte Juli zur Weltpremiere in Berlin erstmals das Tuch vom neuen Markenstar zieht, soll ein neues Zeitalter anbrechen. Die Chancen dazu stehen erstmals seit der Premiere Ende der 90er Jahre nicht schlecht, denn der Zweisitzer hat sich seine Stärken bewahrt und die meisten Schwächen ausgemerzt – abgesehen vom Preis. Viele empfinden den Smart Fortwo zwar als pfiffig für die City, aber als zu teuer im Vergleich zu Autos, die mehr Einsatzmöglichkeiten im Alltag bieten. Das Problem wird bleiben, denn auch das neue Einstiegsmodell dürfte kaum unter 12.000 Euro zu haben sein. Noch härter wird es beim Smart Forfour, der selbst für 13.000 Euro kein Schnäppchen wäre.

Erstmals hat Daimler die neue Smart-Generation nicht im Alleingang entwickelt, da das Geschäftsmodell schlicht nicht aufgegangen wäre. Lange wurde gesucht und schließlich machte Daimler mangels besserer Alternativen mit Renault gemeinsame Sache. In vier Jahren wurden auf gleicher technischer Basis gemeinsam ein Smart Forfour und der eng verwandte Renault Twingo entwickelt. Der knapp 2,70 Meter lange Ableger des Smart Fortwo bleibt hingegen ein Solitär, der auch weiterhin ausschließlich in Hambach produziert wird.

Daimler verteidigt Hightech-Anspruch

Der große Bruder Forfour kommt ebenso wie der Twingo aus dem Renault-Werk Novo Mesto. „Mit einer Länge von 3,50 Metern ist er kürzer als ein Fiat 500“, ergänzt Smart-Chefin Annette Winkler. Das smarte Doppelpack wird von einem Dreizylinder-Heckmotor mit knapp einem Liter Hubraum angetrieben. „Zunächst wird es zwei Leistungsstufen mit 71 PS und 88 PS geben“, erklärt Entwicklungsleiter Markus Riedel. Die krönende Brabus-Version mit deutlich über 100 PS ist ebenso fest eingeplant wie die Möglichkeit eines besonders günstigen Basismodells mit wohl um die 60 Pferdestärken.

Vorbei ist es auch mit den ruckelnden Schütteleien beim Schaltvorgang, die Fahrer der ersten Smart-Generation bis zur Genickstarre nervten und auch bei Auflage zwei für Ärger sorgten. „Es wird den Smart mit einer Handschaltung und einem Doppelkupplungsgetriebe geben“, so Riedel weiter, „wir befinden uns gerade in der finalen Phase der Abstimmungen – besonders was die neuen Kombination aus Turbomotor und Doppelkupplung angeht.“

Renault hatte nicht nur bei der aufwändigen zweiten Getriebevariante lange gemeckert und wollte Entwicklung und Produktion ebenso schmal wie günstig halten. Daimler hingegen verteidigte selbst beim Konzerneinsteiger seinen Hightech-Anspruch und bestand auf Doppelkupplung und ein stämmiges Paket an Fahrerassistenzsystemen mit City-Notstopp, Spurhaltehilfe und Einparkautomatik. Sogar eine Rückfahrkamera und Parksensoren sind beim Marktstart Ende 2014 zu ordern.

Größer, schöner, wendiger

Doch es sind nicht allein technische Raffinessen, die den Smart begehrenswerter für seine potenzielle Kundschaft machen sollen. Neben einem gewinnenden Äußeren wurden Platzangebot und Fahrgefühl durch die fast 20 Zentimeter breitere Spur spürbar verbessert. So lässt es sich im Auto nun deutlich bequemer sitzen als bisher. Und auch das unangenehme Kurvenschunkeln ist vergessen. Geblieben sind die Tridion-Sicherheitszelle und der winzige Laderaum hinter einer zweiteiligen Heckklappe.

Deutlich zugelegt hat der Smart Fortwo nicht nur bei Platzangebot und Fahrverhalten, sondern vor allem auch in punkto Wendigkeit. „Sein Wendekreis liegt bei 6,95 Metern. Das ermöglicht allein der Heckmotor“, meint Annette Winkler. Der Viertürer braucht für die volle Drehung 8,65 Meter. Das schafft nicht einmal das aktuelle Modell des Fortwo. Bleibt zu hoffen, dass sich der neue Smart damit nur auf der Straße im Kreis dreht.

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