Smart laufen die US-Händler davon

Mehrheit der Partner trägt Elektrostrategie nicht mit

| Autor: Christoph Seyerlein

Smart setzt in den USA nur noch auf Elektroautos.
Smart setzt in den USA nur noch auf Elektroautos. (Bild: Daimler)

Im Februar hatte Smart angekündigt, den Verkauf von Benzinern in den USA in diesem Sommer zu stoppen und dort in Zukunft nur noch Elektroautos vertreiben zu wollen. Vor diesem Hintergrund galt es für die US-Händler bis Ende Juni zu entscheiden, ob sie weiterhin Autos der Daimler-Tochter anbieten wollen. Eine deutliche Mehrheit hat sich dagegen entschieden, berichtet nun die Fachzeitschrift „Automotive News“.

Das Blatt schreibt mit Verweis auf eine Sprecherin von Mercedes-Benz USA, dem Smart-Importeur in den Vereinigten Staaten, dass von den bisherigen 85 US-Händlern nur 27 weitermachen wollen. 58 bisherige Vollfunktionsbetriebe wollen in Zukunft nur noch Serviceleistungen für Smart anbieten.

Smart Forfour Electric Drive: Kleinstfamilienstromer

Die Handelsbetriebe, die am Netz bleiben, sind fast ausschließlich in Bundesstaaten angesiedelt, die eine Null-Emissions-Politik fahren. Dort habe Smart „das größte Potenzial zur Marktdurchdringung“, zitiert „Automotive News“ die Sprecherin. In den meisten großen Ballungszentren wie San Francisco, Los Angeles, New York, Miami oder Portland sollen auf jeden Fall weiterhin Smart-Händler erreichbar sein.

Der Smart-Absatz ist in den USA zuletzt immer weiter eingebrochen. Im vergangenen Jahr gingen mit 6.211 Neuwagen rund 17 Prozent weniger Einheiten an Kunden als noch 2015. In diesem Jahr stürzte der Absatz per Juli mit 2.165 Auslieferungen um weitere 30 Prozent ab. Bei der Bekanntgabe im Februar, künftig nur noch auf Elektromodelle zu setzen, hatte die Marke vor allem die günstigen Benzinpreise in den Vereinigten Staaten für die Verkaufsmisere verantwortlich gemacht.

Sollte Smart in Zukunft tatsächlich nur noch mit 27 Partnern in den USA zusammenarbeiten, hätte die Marke nach Informationen von „Automotive News“ das kleinste Händlernetz eines Fabrikats in den Staaten. Bislang lagen Lotus mit 41 Betrieben, Ferrari mit 37 Standorten, Rolls-Royce mit 35 Autohäusern und Lamborghini mit 31 Filialen ganz hinten in der Rangliste.

„Smart wird eine rein elektrische Marke sein“

Neben den USA positioniert sich Smart auch in Kanada und Norwegen als reine Elektromarke. Vermutungen, dass die Daimler-Tochter diese Strategie schon bald auch in anderen Märkten verfolgen könnte, gibt es immer wieder. Smart-Chefin Annette Winkler hatte kürzlich im Gespräch mit »kfz-betrieb« gesagt: „Als Stadtauto liegt es auf der Hand, dass Smart irgendwann eine rein elektrische Marke sein wird.“ Einen konkreten Zeitplan für eine Umstellung in Deutschland und dem Rest der Welt gebe es aber noch nicht.

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