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So gehen die Automobilzulieferer mit der Krise um

| Autor / Redakteur: dpa / Jakob Schreiner

Als „einen der heftigsten Stürme“ beschreibt Conti-Vorstand Elmar Degenhart die aktuelle Situation der Automobilindustrie. Continental und auch andere Zulieferer beschließen umfangreiche Maßnahmenpakete von Kurzarbeit bis Werksschließungen, um der Krise Herr zu werden.

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Die Automobilzulieferer reagieren auf die ausbleibende Nachfrage von Auto- und Lkw-Herstellern.
Die Automobilzulieferer reagieren auf die ausbleibende Nachfrage von Auto- und Lkw-Herstellern.
(Bild: ZF)

Geschlossene Werke, gedrosselte Produktionen, gesenkte Jahresziele, Kurzarbeit: Die Folgen der Coronavirus-Pandemie machen auch vor der Kfz-Zuliefererindustrie nicht halt. Continental stellt die Arbeit in einem Teil seiner Betriebe wegen Corona bis auf weiteres ein. Wegen der Ausbreitung des Erregers passe man schrittweise die Produktion in den Werken weltweit an und fahre sie „vorübergehend teilweise auf null zurück“, teilte der Dax-Konzern am Mittwoch mit.

Dies diene dem Schutz der Mitarbeiter und geschehe in Abstimmung mit Kunden und Lieferanten. Nähere Angaben zu einzelnen betroffenen Standorten und zum zeitlichen Rahmen machten die Hannoveraner unter Verweis auf „laufende Planungen“ nicht.

„Die Autoindustrie durchlebt derzeit einen der heftigsten Stürme“, sagte Conti-Vorstandschef Elmar Degenhart. „Die Auswirkungen werden uns noch lange beschäftigen.“ Derzeit ließen sich etwaige Kosten und Folgewirkungen noch nicht beziffern.

ZF und Schaeffler – Kurzarbeit und gedrosselte Produktion

ZF und Schaeffler drosseln ihre Produktion und führen Kurzarbeit ein, wie beide Unternehmen am Donnerstag bekannt gaben. Bei ZF soll die Regelung demnach zunächst bis Juni gelten. Schaeffler will die Maßnahmen standortspezifisch treffen und an den jeweiligen Bedarf anpassen.

Bei ZF wurden mit dem Gesamtbetriebsrat Vereinbarungen über die Einführung von Kurzarbeit getroffen, teilte das Unternehmen weiter mit. Die Maßnahme begründet ZF mit der ausbleibenden Nachfrage von Auto- und Lkw-Herstellern. Die Regelungen sollen zunächst bis Juni gelten. „Die Ausbreitung des Coronavirus stellt alle Unternehmen vor große Herausforderungen“, sagte Schaeffler-Vorstandsvorsitzender Klaus Rosenfeld. Oberste Priorität sei, die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen, Lieferketten soweit wie möglich intakt zu halten und den Einfluss der Krise auf Kunden zu minimieren. „Das mit den Arbeitnehmervertretern verabschiedete Maßnahmenpaket leistet dazu einen wichtigen Beitrag“, erklärte Rosenfeld.

Ähnlich reagiert auch der französische Reifenhersteller Michelin. Er streicht die Jahresprognose und schließt einen Teil seiner Werke in Europa. Die Standorte auf dem Kontinent, die am meisten von der Pandemie betroffen seien, würden zunächst für eine Woche schließen, verkündete der Continental-Wettbewerber am Mittwochabend in Clermont-Ferrand. Das betreffe Werke in Frankreich, Spanien und Italien, betonte der Konzern auf Nachfrage.

Hella kassiert Jahresziele und bereitet sich vor

Auch der Licht- und Elektronikspezialist Hella rechnet aufgrund der aktuellen Situation damit, seine Jahresziele zu verfehlen. Die Umsatz- und Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr 2019/2020 werde nicht erreicht, teilte das MDax-Unternehmen am Mittwoch im westfälischen Lippstadt mit. Man werde deutlich unter den angepeilten Zielen liegen. Ein genauer Wert lasse sich derzeit nicht beziffern.

Zudem bereitet sich Hella auf Kurzarbeit an deutschen Standorten vor und hat ein umfangreiches Maßnahmenpaket beschlossen, um Personal- und Sachkosten zu sparen. Weitere Maßnahmen, etwa vorübergehende Werksschließungen, würden in Betracht gezogen, hieß es weiter.

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