Power Day So geht es bei Volkswagen mit der Elektromobilität weiter

Autor Christoph Seyerlein

„Die Elektromobilität hat das Rennen gemacht. Und wir sind diejenigen, die jetzt die Früchte ernten“, sagte Volkswagen-Chef Herbert Diess am Montag beim ersten „Power Day“ des Konzerns. Wie der Autobauer die Batterie bis 2030 zur bestimmenden Antriebstechnologie machen will.

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Volkswagen-Chef Herbert Diess eröffnete am Montagmittag den ersten „Power Day“ des Konzerns.
Volkswagen-Chef Herbert Diess eröffnete am Montagmittag den ersten „Power Day“ des Konzerns.
(Bild: Volkswagen)

Seitdem Herbert Diess bei Volkswagen das Sagen hat, hat sich der Konzern stark auf die Elektromobilität fokussiert. Am Montag veranstaltete der Konzern nun seinen ersten, mit Spannung erwarteten Power Day. Und die Wolfsburger hatten einige Ankündigungen, wie es mit der eigenen E-Strategie weitergeht, im Gepäck.

Diess selbst erklärte zu Beginn der Veranstaltung: „Die Elektromobilität ist die wichtigste Säule der Zukunftsstrategie des Volkswagen-Konzerns.“ Viele hätten das Unternehmen für seinen vergleichsweise radikalen Ansatz in den letzten Jahren belächelt. Aber, so Diess: „Die E-Mobilität hat das Rennen gemacht. Und wir sind diejenigen, die jetzt die Früchte ernten.“ Folgende Themen hat der Konzernchef dabei im Blick:

  • Die Einheitszelle: Ab 2023 will Volkswagen eine Einheitsbatterie im Programm haben. Sie soll 2030 markenübergreifend in bis zu 80 Prozent aller Elektroautos des Konzerns verbaut werden. Das Batteriesystem soll es ermöglichen, die Kosten im Einstiegssegment um bis zu 50 Prozent zu senken. Im Volumensegment soll das Einsparpotenzial immer noch bei bis zu 30 Prozent liegen. Im Durchschnitt soll eine Kilowattstunde dann „deutlich“ weniger als 100 Euro kosten. Volkswagen-Technik-Vorstand Thomas Schmall sagte dazu: „Damit wird die E-Mobilität endgültig erschwinglich und zur bestimmenden Antriebstechnologie.“

    Mitte des aktuellen Jahrzehnts soll es dann auch möglich sein, ein E-Auto aus dem Konzern binnen 12 Minuten mit genügend Strom für bis zu 450 Kilometer Reichweite aufzuladen. „Wir machen das Laden so einfach wie das Tanken“, versprach Herbert Diess. VW denkt dabei an eine Feststoffbatterie, an der der Autobauer gemeinsam mit Quantum Scape arbeitet und zuletzt offenbar ermutigende Fortschritte erzielt hat.
  • Das Ladenetz: Im Verbund mit Partnern will Volkswagen in Europa bis 2025 etwa 18.000 öffentliche Ladepunkte betreiben. Dem Hersteller zufolge entspricht das einem Drittel des prognostizierten Gesamtbedarfs für den Kontinent und einer Verfünffachung des aktuellen Schnellladenetzes. Aktiv ist VW bereits mit Ionity, nun folgen weitere Kooperationen: Mit dem Mineralölkonzern BP wollen die Wolfsburger europaweit etwa 8.000 Schnellladepunkte aufbauen. Diese werden an rund 4.000 Tankstellen von BP und Aral angesiedelt sein, vor allem in Deutschland und Großbritannien.

    In Spanien wird Volkswagen mit Iberdrola kooperieren und in Italien mit Enel. Alles in allem nimmt VW dafür rund 400 Millionen Euro in die Hand. Und auch in China und den USA will der Konzern die öffentliche Ladeinfrastruktur vorantreiben.
  • Die Batterieproduktion: Volkswagen rechnet damit, 2030 alleine in Europa eine Gesamtkapazität von 240 Gigawattstunden für seine Elektroautos zu brauchen. Deshalb will der Konzern auf dem Kontinent gemeinsam mit Partnern sechs Gigafabriken mit einer Kapazität von je 40 Gigawattstunden hochziehen. Die ersten beiden davon entstehen aktuell im schwedischen Skelleftea (gemeinsam mit Northvolt) und am VW-Standort Salzgitter. Erstere soll ab 2023 Premium-Zellen herstellen. Das Auftragsvolumen für die nächsten zehn Jahre soll alleine dabei 14 Milliarden Euro betragen. In Salzgitter liegt dann ab 2025 der Fokus auf der erwähnten Einheitszelle.

    Die vier weiteren geplanten Standorte stehen noch nicht final fest. Im Spiel sollen eine Fabrik in Westeuropa (Spanien, Portugal oder Frankreich) ab 2026, einer in Osteuropa (Tschechien, Polen oder Slowakei) ab 2027 sowie zwei noch nicht näher definierte weitere Standorte sein.
  • Das Auto als Teil des Energiesystems: Seine E-Autos will der Konzern künftig auch in private, öffentliche und geschäftliche Energiesysteme integrieren. Die Fahrzeuge sollen Grünstrom dann auch speichern und bei Bedarf in Netze zurückspeisen können. Ab 2022 soll das bei Autos möglich sein, die auf dem Modularen Elektrifizierungs Baukasten (MEB) aufbauen. Passend dazu will VW bidirektionale Wallboxen und Energiemanagement-Systeme anbieten.
  • Die komplette Wertschöpfung: Energiemanagement soll für Volkswagen zum eigenen Geschäftsfeld werden. Auf dem Weg dorthin will der Konzern möglichst die komplette Wertschöpfungskette integrieren. Neben der Einheitsbatterie, dem Ladenetz und den eigenen Batteriefabriken denkt VW dabei auch an das Recycling älterer Batterien. Gemeinsam mit ausgewählten Partnern will Volkswagen so den Bedarf an Zellen für seine E-Offensive langfristig absichern.

Deutlich höhere Verkaufsziele für E-Autos

Jene Vorhaben sollen dazu beitragen, das Kerngeschäft des Automobilherstellers zu unterstützen: Denn auch mit dem Verkauf von Fahrzeugen will Volkswagen in Zukunft noch ordentlich verdienen. Nur soll das künftig immer stärker mit E-Autos und nicht wie bislang mehrheitlich mit Verbrenner-Modellen funktionieren.

Erst kürzlich hatte die Kernmarke VW Pkw ihre Absatzziele für Stromer massiv nach oben korrigiert. Die Wolfsburger planen nun damit, dass im Jahr 2030 in Europa 70 Prozent aller verkauften VW-Modelle E-Autos sein werden. Bislang war der Hersteller von 35 Prozent ausgegangen.

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