Gefälschte Ersatzteile So kämpft Daimler gegen Produktpiraten

Autor: Jan Rosenow

Den Originalen sehen sie zum Verwechseln ähnlich: Fast zwei Millionen gefälschte Produkte ließ der Stuttgarter Konzern 2020 beschlagnahmen. Corona hatte das illegale Geschäft boomen lassen. Um Fälschungen im Internet zu entdecken, achten die Ermittler des Herstellers auf verschiedene Alarmsignale.

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Die gefälschte AMG-Felge (vorn) hat den Belastungstest nicht bestanden. Auf der Straße wäre das lebensgefährlich.
Die gefälschte AMG-Felge (vorn) hat den Belastungstest nicht bestanden. Auf der Straße wäre das lebensgefährlich.
(Bild: Daimler AG)

Der bekannte Stern, aber auch andere Markenzeichen etablierter Autohersteller und -zulieferer werden nach wie vor illegal zur Verzierung von untauglichen Billigteilen hergenommen. Aktuelle Zahlen von Daimler zeigen jetzt: Das Problem der Produktpiraterie ist unverändert groß.

Florian Adt, Leiter Legal Product Intellectual Property, fasst zusammen: „2020 wurden über 1,7 Millionen gefälschte Daimler-Produkte beschlagnahmt. Wir haben über 550 Razzien initiiert und begleitet. Das ist eine leichte Steigerung im Vergleich zum Vorjahr – trotz der Herausforderungen durch die Pandemie.“ Aufgrund der weltweiten Lockdowns mussten nämlich zahlreiche Razzien aufgeschoben werden, viele zuständige Gerichte stellten kurzzeitig ihre Arbeit ein.

Herstellung unter fragwürdigen Bedingungen

Häufig gehen die Produktpiraten mit hoher krimineller Energie vor und erzielen laut einer Studie des Wirtschaftsverbands Unifab oft höhere Margen als im Drogenhandel. In vielen Fällen lassen organisierte Fälscher zudem ihre Ware unter menschenunwürdigen Bedingungen ohne Rücksicht auf Umweltstandards, Arbeitsschutz oder Menschenrechte produzieren, heißt es bei Daimler.

Produktfälschungen sind für Laien optisch oft kaum von Originalteilen zu unterscheiden, qualitativ aber meist minderwertig und verfehlen oft gesetzliche Mindestvorgaben. Sie stellen deshalb ein Risiko für die Sicherheit und Gesundheit der Kunden dar.

Ein zu niedriger Preis wirkt verdächtig

Wegen Corona nahm 2020 der Online-Handel deutlich zu. Das machte diesen Vertriebsweg auch für Fälscher noch interessanter. Florian Adt: „Wir haben unsere Markenschutz-Strategie angepasst und die Maßnahmen gegen Fälschungen im Online-Handel ausgebaut. Insgesamt konnten wir 138.000 gefälschte Produkte von Online-Plattformen entfernen lassen. Das ist etwa dreimal so viel wie im Vergleichszeitraum vor der Pandemie.“

Der Bereich Intellectual Property Enforcement bei Daimler arbeitet global und ist mit den Zoll- und Strafverfolgungsbehörden vieler Länder vernetzt. Die Markenschutz-Strategie besteht aus den drei Elementen Aufspüren, Angreifen und Vorbeugen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter prüfen weltweit verdächtige Angebote auf Online-Plattformen oder Messen und können so Fälscher identifizieren. Typische Alarmsignale sind ein auffällig niedriger Preis, Auffälligkeiten in der Produktqualität oder der Verkauf über dubiose Onlineshops.

Ziel der weltweiten Razzien mit lokalen Behörden sind die großen Fälscher-Netzwerke und die Zerschlagung ihrer Produktions- und Vertriebsstrukturen. Weitere Maßnahmen sind strafrechtliche Verfahren oder Klagen auf Unterlassung, Auskunft und Schadenersatz.

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Über den Autor

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Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group