Auto Bierschneider So läuft die Eingliederung der Wagenblast-Betriebe

Autor: Christoph Seyerlein

Im April 2020 hatte das traditionsreiche VW-Autohaus Wagenblast Insolvenz angemeldet. Ein Großteil der Betriebe ging dann im Sommer an Auto Bierschneider. Die neuen Eigentümer berichten nun, wie es mit der Integration vorangeht.

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Sind mit den Fortschritten in Ostwürttemberg zufrieden (v.l.n.r.): Timo Mages, Daniel Barban und Michael Fleischmann.
Sind mit den Fortschritten in Ostwürttemberg zufrieden (v.l.n.r.): Timo Mages, Daniel Barban und Michael Fleischmann.
(Bild: Auto Bierschneider)

Im Sommer des vergangenen Jahres hat der fränkische Volkswagen-Konzernmarkenhändler Auto Bierschneider prominent zugekauft: Nachdem der Vorbesitzer des Autohauses Wagenblast Insolvenz angemeldet hatte, sicherte sich das Unternehmen den Zuschlag für die Übernahme der Betriebe in Aalen, Heidenheim, Schwäbisch Gmünd und Schwäbisch Gmünd-Bettringen.

Auf der eigenen Website berichtet die Gruppe nun über die Fortschritte beim Prozess, jene Standorte in das insgesamt 23 Betriebe starke eigene Netzwerk einzugliedern. Die Schilderungen von Auto Bierschneider klingen dabei vor allem nach viel Arbeit.

200 neue Computer und Telefonanlagen angeschafft

Timo Mages, neben Daniel Barban operativer Geschäftsführer der neuen Auto Bierschneider Aalen GmbH, berichtet von einer intensiven Übergangsphase: „Beispielsweise musste die Systemlandschaft komplett überarbeitet werden“, wird er zitiert. Etwa 750.000 Euro habe Bierschneider alleine dafür in die Hand genommen. Beispielsweise hat das Unternehmen 200 neue Computer und neue Telefonanlagen angeschafft.

Die angepasste EDV-Landschaft will die Gruppe nun vor Ort nutzen, um digital voran zu kommen und neue Vertriebswege zu schaffen. Das entsprechende Angebot für Kunden ist da: In den Betrieben hat Bierschneider regelmäßig rund 500 Neu- und Gebrauchtwagen vorrätig.

Betrieb in Bettringen wird wieder geöffnet

Doch nicht nur in digitale Strukturen steckt die Inhaber-Familie Fleischmann Geld. In Schwäbisch Gmünd stehen nach Auskunft des Händlers Renovierungsarbeiten an. Außerdem will die Gruppe den Standort im Gmünder Ortsteil Bettringen, der im Zuge der Wagenblast-Insolvenz geschlossen worden war, voraussichtlich im März als Servicebetrieb wieder eröffnen. Auch in bereits länger zur Gruppe gehörige Betriebe in der Region investiert Bierschneider: Das Autocenter in Hüttlingen wird ausgebaut. Der Seat-Betrieb erhält beispielsweise eine eigene Ausstellungsfläche für Cupra-Modelle.

Besonders herausfordernd gestaltet sich bei der Integration der Wagenblast-Autohäuser offenbar das Thema Personal: Von den ehemals 225 Wagenblast-Mitarbeitern hat Bierschneider 95 Prozent übernommen. Inzwischen zählt das Unternehmen in seinen Autohäusern in Ostwürttemberg 235 Beschäftigte.

Einfach geht das aber wohl nicht immer von der Hand. „Durch die Insolvenz und die dadurch resultierende Unsicherheit in der Belegschaft müssen wir viel Zeit und Energie aufwenden um das Vertrauen der Mitarbeiter zu gewinnen und diese zu loyalen Mitarbeitern zu machen. Gerade der hohe Grad der gewerkschaftlichen Organisation der Wagenblast-Betriebe stellt uns allerdings zum Teil vor große Herausforderungen“, werden Daniel Barban und Timo Marges zitiert.

Keine Zentralisierung

Ziel sei es, allen Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz zu gewährleisten. Von der ansonsten in der Branche aktuell weit verbreiteten Zentralisierung will Bierschneider vor Ort bis auf Weiteres offenbar keinen Gebrauch machen. „Die Standorte der ,Institution-Wagenblast‘ sollen bei Bierschneider in neuem Glanz und neuer Struktur weiterleben“, erklärt Marges. Man wolle die Betriebe der Ostalb autark aufzustellen. „Wir werden keine Abläufe in unseren bayerischen Autohäusern zentralisieren, sondern setzen auf das übernommene Fachpersonal vor Ort und möchten auf die vorhandenen Strukturen aufbauen und diese an unsere Abläufe anpassen.“

Bierschneider-Chef Michael Fleischmann verspricht sich von den neuen Standorten vor allem im Großkundengeschäft viel. „Es ist ein interessantes, einwohnerstarkes Gebiet, das sich durch die Nähe zu den Zentren Stuttgart und Ulm sowie überdurchschnittlich viele Groß- und Firmenkunden auszeichnet“, sagt er. Bislang ist er mit den Fortschritten vor Ort zufrieden: „Nach einem insgesamt positiven Start erhoffen wir uns ein gutes Jahr.“

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 Christoph Seyerlein

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Fachredakteur Next Mobility