Elektromobilität So tappen E-Auto-Fahrer an öffentlichen Ladesäulen nicht in die Kostenfalle

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Grimm

Öffentliche Ladeangebote sind häufig intransparent. Speziell für E-Auto-Neulinge kann die automobile Stromversorgung schnell teuer werden. Einige Tipps und Tricks sollten Verkäufer daher den Kunden mitgeben, damit sie nicht aus Kostenfrust unter Strom stehen.

Firma zum Thema

In Deutschland gibt es aktuell rund 24.500 Elektro-Ladesäulen.
In Deutschland gibt es aktuell rund 24.500 Elektro-Ladesäulen.
(Bild: ENBW)

Rund 24.500 Stromtankstellen mit unterschiedlich vielen Ladepunkten gibt es derzeit in Deutschland. Besonders gut ist die Versorgung in Ballungszentren und entlang der Autobahnen. „War es vor ein paar Jahren aufgrund weniger Lademöglichkeiten noch schwierig mit dem E-Auto vom Norden in den Süden zu fahren, ist das heute absolut kein Problem mehr“, sagt Guy Weemaes vom Portal Goingelectric.de. Dieses veröffentlicht Statistiken und News über Stromtankstellen, Ladekartenanbieter und Elektromobilität.

Doch während Autofahrer mit einem Verbrennermotor ihren Sprit einfach bar oder mit Giro- oder Kreditkarte bezahlen können, benötigt der E-Autofahrer einen Zugang zum Ladenetz des Anbieters.

„Grundsätzlich gibt es dafür zwei Bezahlmöglichkeiten: Entweder über einen Ladevertrag mit dem Anbieter oder mit der Adhoc-Variante“, sagt Matthias Vogt vom ADAC-Technikzentrum. Bei einem Ladevertrag registriert sich der Kunde beim Anbieter und erhält dann eine Karte oder einen Chip, mit dem er die Ladesäule freischalten kann. Auch über die Anbieter-App ist das in der Regel möglich.

„Die Abrechnung erfolgt dann meist monatlich über die hinterlegte Zahlungsart, also eine Kreditkarte zum Beispiel“, so Vogt. Die Adhoc-Zahlung ist seit 2017 vorgeschrieben. Sie soll es ermöglichen, auch ohne Vertrag Strom zapfen zu können. „Im Grunde soll das der Zahlung mit Bargeld oder Girokarte an der Tankstelle entsprechen“, sagt Vogt. „Meistens müssen die Autofahrer dann einen QR-Code einscannen und über eine Webseite oder heruntergeladene App bezahlen.“

Adhoc-Zahlung ist oft kompliziert

Unterm Strich jedoch sei die Adhoc-Zahlung viel zu kompliziert, weshalb der ADAC berührungslose Kartenlesegeräte an allen Ladesäulen fordere. Das wird voraussichtlich ab Juli 2023 der Fall sein. Die gerade veröffentlichte neue Ladesäulenverordnung sieht vor, dass dann an allen neuen, öffentlichen Stromtankstellen auch Zahlungen mit Kredit- und Girokarten möglich sein müssen. Bestehende Ladesäulen müssen jedoch nicht vollumfänglich nachgerüstet werden.

Dem Bundesverband E-Mobilität (BEM) geht das noch nicht weit genug. „Es ist gut, wenn dann auch Autofahrer ohne Smartphone mit ihrer Bankkarte bezahlen können“, sagt Markus Emmert vom BEM. „Darüber hinaus jedoch müssten alle gängigen Payment-Methoden auch an Ladesäulen möglich sein und dazu zählen auch die NFC-Technik und das Bezahlen via Smartphone, wie wir es aus dem Einzelhandel kennen.“

Was wie wofür abgerechnet wird

Unklar bleibt zudem oft, was tatsächlich für eine Stromladung fällig wird. „Die großen Anbieter rechnen inzwischen alle rein nach Kilowattstunden ab, was fair und nachvollziehbar ist“, sagt Weemaes. Wer sein Fahrzeug besonders lange auflade, bezahle zudem oft einen Zuschlag von beispielsweise zehn Cent pro Minute ab vier Stunden Ladedauer.

Nach wie vor aber gebe es auch Ladesäulenbetreiber, die nach Minuten abrechnen würden. „Hat ein Auto nur eine langsame Ladeeinheit, kann das eine teure Geschichte werden“, sagt Weemaes. Er erinnere sich an schwarze Schafe auf dem Markt, die bis zu 100 Euro pro Stromladung abgerechnet hätten. Aber auch die Abrechnung nach Kilowattstunde kann teuer werden, denn die Preise variieren stark.

„Einige Anbieter haben Festpreise, bei anderen gibt es keinen einheitlichen Preis für die Kilowattstunde oder Minute. Da sollte der Kunde sich unbedingt vorher informieren, wie viel er an der betreffenden Ladesäule bezahlen muss“, rät Weemaes.

Insgesamt gibt es inzwischen viele Anbieter, die gut vernetzt sind und ihren Kunden mit Ladekarten den Zugang zu Ladesäulen in ganz Deutschland und Europa anbieten. „Man kann den Markt ein bisschen mit dem Mobilfunkmarkt vergleichen: Es gibt Ladesäulenbetreiber und zahlreiche Elektromobilitätsprovider, die auf die Ladesäulen der Betreiber zugreifen und Ladetarife anbieten“, sagt Vogt.

Der Anbieter mit den meisten Ladepunkten ist Goingelectric.de zufolge derzeit Newmotion mit fast 89.000 Ladepunkten. Auf rund 77.000 Ladepunkte können Kunden mit einem Zugang von EnBW zugreifen, Einfach-Strom-Laden und Plugsurfing bieten knapp 70.000 Ladepunkte.

(ID:47571185)