Bilanz 2020 So wirkt sich Corona auf die Carsharing-Branche aus

Autor: Christoph Seyerlein

Die Pandemie sorgt für einen Boom der reinen Individualmobilität. Carsharing als Stufe zwischen eigenem Mobil und ÖPNV konnte sich in Deutschland laut dem Bundesverband Carsharing 2020 einigermaßen behaupten. Dennoch gibt es Hilferufe in Richtung Politik.

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2020 kamen laut Bundesverband Carsharing 15 neue Orte in Deutschland hinzu, an den Carsharing angeboten wird.
2020 kamen laut Bundesverband Carsharing 15 neue Orte in Deutschland hinzu, an den Carsharing angeboten wird.
(Bild: BCS)

Das eigene Auto gilt als ein „Gewinner“ der Corona-Pandemie. Doch wie sieht es mit Carsharing aus? Der Bundesverband Carsharing (BCS) erkennt trotz der aktuellen Lage eine insgesamt positive Entwicklung im vergangenen Jahr.

Laut der jüngsten Jahresstatistik des Verbands stieg die Zahl der Carsharing-Nutzer hierzulande im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2019 um gut ein Viertel (25,5 %) auf 2.874.400. Ein Großteil davon griff auf Free-floating zurück. Dabei müssen Nutzer die Fahrzeuge nicht an festgelegten Stationen abstellen. Mit 2.150.300 Kunden wuchs der Zuspruch in jenem Bereich um 36,1 Prozent. Da Free-floating-Angebote vor allem in größeren Städten verfügbar sind, liegt die Vermutung nahe, dass das Wachstum unter anderem auf einen Umstieg vom ÖPNV auf entsprechende Dienste zurückzuführen ist.

Handlungsbedarf besteht momentan vor allem für Carsharing-Standorte an der städtischen Peripherie, in kleineren Städten und im ländlichen Raum, die vielerorts von der Schließung bedroht sind.

Gunnar Nehrke

Stationsbasiertes Carsharing wuchs mit 724.100 Nutzern dagegen nur leicht (+2 %). Gerade während der Lockdowns hatten einige Anbieter mit Umsatzeinbußen zu kämpfen. BCS-Geschäftsführer Gunnar Nehrke sagte dazu: „Handlungsbedarf besteht momentan vor allem für Carsharing-Standorte an der städtischen Peripherie, in kleineren Städten und im ländlichen Raum, die vielerorts von der Schließung bedroht sind.“ Damit die Corona-Krise das Angebot hierzulande nicht langfristig schwäche, sei nun die Politik gefordert.

BCS sieht Politik in der Pflicht

Konkret drängt der BCS auf ein nationales Entwicklungsprogramm für Carsharing. Der Verband wünscht sich dabei fünf Dinge:

  • eine gezieltere Förderung von Angeboten außerhalb der Zentren
  • mehr öffentliche Carsharing-Parkplätze
  • Ladeinfrastruktur an den Stellplätzen
  • einen Sharing-Zuschuss für private Haushalte analog der Umweltprämie für E-Autos
  • die schnelle Entwicklung eines digitalen Führerscheins

Die Zahl der Carsharing-Betreiber blieb dem Verband zufolge mit 228 im vergangenen Jahr nahezu konstant. Gleiches gilt auch für die Anzahl der Orte, an denen es ein entsprechendes Angebot in Deutschland gibt: Derzeit gilt das für 855 Städte und Gemeinden. Die Zahl der Fahrzeuge, die im Carsharing genutzt werden, stieg im Vergleich zu 2019 um 3,2 Prozent auf 26.220.

Ein neuer Trend im Carsharing-Umfeld könnten kombinierte Systeme werden. Dabei bieten die Betreiber sowohl eine stationsbasierte Nutzung als auch Free-floating an. Inzwischen ist das an 20 Orten in Deutschland möglich (2019: 14).

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«