Sondereinflüsse verzerren die Neuzulassungszahlen

Autor: Andreas Grimm

Der deutsche Automarkt ist im August deutlich rückläufig gewesen. Neben der Corona-Pandemie steckt hinter dem Absturz nach Meinung der Marktbeobachter von Dataforce auch ein wesentlicher statistischer Effekt.

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Die Neuzulassungen im August sind zwar auf Talfahrt gegangen. Im längerfristigen Vergleich ist das August-Ergebnis aber eher ein Normalwert.
Die Neuzulassungen im August sind zwar auf Talfahrt gegangen. Im längerfristigen Vergleich ist das August-Ergebnis aber eher ein Normalwert.
(Bild: Grimm/»kfz-betrieb«)

Der Rückgang der Neuzulassungen im August hängt nach Auffassung der Marktbeobachter von Dataforce zu einem erheblichen Teil an mehreren Besonderheiten des Verkaufsgeschehens. Entscheidend ist dabei, dass die August-Monate der letzten beiden Jahre geprägt waren von vielen Zulassungen, auch taktischer Natur, ausgelöst durch die Umstellung auf neue Abgastests.

In den zurückliegenden August-Monaten mussten daher noch viele Pkw, die noch nicht nach WLTP homologiert waren, bis zum jeweiligen Monatsende zugelassen werden. Dadurch wurden die Neuzulassungen auf gut 300.000 Einheiten hochgetrieben, obwohl in den Jahren zuvor nur 230.000 Einheiten zur Erstzulassung kamen.

Diese These belegt die Entwicklung der Eigenzulassungen der Händler, die im Vergleich mit dem Vorjahreswert auf 41.000 Einheiten gesunken waren (- 45 %!). Dagegen wurden 73.000 Einheiten im August 2019 gezählt, Gut 83.000 Eigenzulassungen waren es im August vor zwei Jahren. In den drei Jahren zuvor waren es in jenem Monat jedoch stabil um die 46.000 Einheiten gewesen. Abgeschwächt zeigt sich diese Tendenz auch bei den Herstellerzulassungen. Für sie hatte Dataforce in den Augustmonaten der beiden letzten Jahre gut 23.000 Einheiten ausgewiesen, zuvor und auch in diesem August waren es um die 19.000 Einheiten.

„Diese zwei Jahre lang erhöhten Vergleichswerte sind der Grund für den starken prozentualen Einbruch im August“, heißt es in einer Dataforce-Mitteilung. Blickt man langfristig auf die gesamten Neuzulassungszahlen im August, ist der aktuelle Augustwert von 251.000 Einheiten fast gleichauf mit Wert von 2017 (254.000 Einheiten) und über dem Wert von 2016 (246.000 Einheiten).

Die privaten Neuzulassungen fielen im August dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahresmonat dagegen nur um 7 Prozent auf 95.500 Einheiten. Im Juli war dieses Segment noch um 7 Prozent gewachsen. Darin spiegelt sich mutmaßlich ein Ende des Anschaffungs- und Zulassungsstaus wieder, der im Juli die Zulassungszahlen noch nach oben getrieben hatte. Diese Normalisierung belegt ebenfalls der Blick in die weitere Vergangenheit: 2017 und 2018 waren die privaten Erstzulassungen auf dem Niveau dieses Jahres.

Im Firmenkundensegment und bei den Autovermietern gingen die Erstzulassungen dagegen deutlich in den Keller. Die Neuanmeldungen der Flottenkunden sanken um 12,4 Prozent, bei den Autovermietern war es ein Rückgang um mehr als ein Viertel. Das verwundert nicht, sind doch beide Segmente grundsätzlich anfällig für konjunkturelle Schwankungen, schließlich ist der „dämpfende Effekt der Coronakrise“ weiterhin spürbar.

Transportermarkt ist etwas stabiler

Schaut man sich das so genannte Transporter-Segment an, zeigt sich ein in der Grundtendenz ähnliches Bild wie im Gesamtmarkt. Für diese Sonderauswertung betrachtet Dataforce die Zulassungsentwicklung der Utilities und leichten Nutzfahrzeuge. Insgesamt gingen die Erstzulassungen der Transporter im August 2020 um 15,2 Prozent auf 45.000 Einheiten zurück.

Aus der Negativentwicklung sticht der Privatmarkt heraus. In diesem Segment kletterten die Transporterzulassungen sogar um 8,3 Prozent. Dagegen sanken die Zulassungen in den taktischen Kanälen der Händler und Hersteller um jeweils fast 40 Prozent. Und auch die Vermieter verzichten noch auf neue Transportermodelle. In diesem Segment fielen die Erstzulassungen um knapp ein Drittel (-32,6 %).

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 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Fachredakteur Management & Handel, Redaktion »kfz-betrieb«