Sono Sion: 260.000 Einheiten stehen in der Planung

Autor: Andreas Grimm

Das Elektroauto Sono Sion wirft noch viele praktische Fragen auf. Chefplaner Thomas Hausch erläutert, wie das Start-up Vertrieb und Service organisieren will und warum die überraschende Verdoppelung des Akku-Preises zu verkraften ist.

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Thomas Hausch entwickelt als Chief Operating Officer von Sono Motors Geschäftsstrategien und hält den Kontakt zu strategischen Partnern und Lieferanten.
Thomas Hausch entwickelt als Chief Operating Officer von Sono Motors Geschäftsstrategien und hält den Kontakt zu strategischen Partnern und Lieferanten.
(Bild: Sono Motors)

In München arbeitet das Start-up Sono Motors an einem Elektroauto, das viele Themen der modernen Mobilität vereinen soll (Effizienz, Umweltschutz, Carsharing, E-Mobilität, Ökostrom etc.). Derzeit sammelt das Unternehmen erneut bis zu 15 Millionen Euro bei Investoren ein, musste aber eingestehen, dass die Akkus im bislang einzigen Modell Sion doppelt so teuer werden als bislang angekündigt. Was in dem Unternehmen passiert, erläutert Chief Operating Officer Thomas Hausch. Er hatte früher für die Hersteller Daimler, Chrysler und Nissan gearbeitet.

Sie sind von einem internationalen Konzern, Nissan, zu einem Start-up gewechselt. Wie fühlen Sie sich in der neuen Umgebung?

Entscheidend ist für mich der Kontext meiner Arbeit. Nachdem ich bereits seit acht Jahren am schnelleren Ausbau der Elektromobilität arbeiten durfte, erlaubt mir das Engagement für Sono Motors, nun auch an der Lösung des nächsten großen Problems unserer Gesellschaft zu arbeiten: dem drohenden Kollaps des individuellen Verkehrs in unseren Ballungszentren durch zu viele Fahrzeuge. Sono Motors hat die Vision und das Ziel, existierende Fahrzeuge in der Nutzung so effizient anzubieten, dass langfristig nicht nur elektrische, sondern auch weniger Autos auf den Straßen rollen.

Nissan Center Europe, ihr letzter Arbeitgeber, und Sono Motors haben beide die Mobilität zum Inhalt. Trotzdem denke ich, beide Firmen sind nicht vergleichbar …

In einer Hinsicht sind sie zumindest vergleichbar – beide Firmen werden von einer starken Vision angetrieben. 2005 hat Nissan mit dem Leaf ein E-Pionierfahrzeug auf den Weg gebracht. Bereits 2016 haben die drei Gründer von Sono Motors – zusätzlich zur Elektromobilität – das Thema bezahlbares E-Fahrzeug, gemacht für Carsharing, Ridesharing und – besonders innovativ – Powersharing als Lösung für zukünftige gesellschaftliche Herausforderungen im Blick gehabt.

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Was macht man als COO bei einem Elektro-Auto-Entwickler eigentlich?

Neben der generellen Entwicklung und Umsetzung von Strategien bin ich als COO bei Sono Motors für die Umsetzung unserer intelligenten Fertigungsstrategie verantwortlich. Den Sion wird es in nur einer Ausstattungsvariante geben. Der Verzicht auf Individualisierungsmöglichkeiten verschafft uns einen erheblichen Vorteil im Hinblick auf unsere Kostenkalkulation, da wir Prozesse in Fahrzeugentwicklung, Logistik und Vertrieb verschlanken können.

Sie sind ja schon länger ein großer Freund des Elektroautos. Der Wechsel zu Sono Motors ist so gesehen logisch. Aber wann kommt denn nun der Durchbruch der E-Mobilität?

Ich behaupte, der E-Mobilität ist der Durchbruch schon gelungen. Die Wachstumszahlen haben stark zugelegt, was sicherlich auf ein höheres Konsumentenbewusstsein, aber auch auf Umweltprämie und Dieselskandal zurückzuführen ist. Die deutsche Automobilindustrie hat ein eindeutiges Bekenntnis zur Elektromobilität abgegeben und junge Unternehmen, wie Sono Motors, leisten einen ganz besonderen Beitrag zur Belebung des Marktes. Wir befinden uns derzeit in einer Phase des Umbruchs, aber in einigen Jahren – da bin ich ganz sicher – werden klimafreundliche Mobilitätskonzepte unser Straßenbild bestimmen.

Wie trägt der Sono Sion dazu bei?

Der Sion unterscheidet sich in der Summe deutlich von anderen E-Fahrzeugen. Er ist nur ein Puzzlestück in unserem Mobilitätskonzept, das unter anderem auch Services, wie Carsharing und Ridesharing, unmittelbar in das Fahrzeug integriert. Zusätzlich kann der Sion als mobile Ladesäule genutzt werden, da er sich über die Solarintegration selbst aufladen und der Strom über das bidirektionale Ladegerät auch wieder entnommen werden kann.

Nun hat Sono ja nicht unbedingt eine so große Entwicklungs- und Ingenieurabteilung wie Volkswagen oder Nissan – kann es so ein Start-up mit den Großen der Branche überhaupt aufnehmen?

Sie sprechen da eine der größten Herausforderungen, aber auch Stärken unseres Konzeptes an. Während sich eine ganze Industrie nach und nach dem Wandel anpassen und auf E-Mobilität umstellen muss, haben junge Unternehmen keinerlei Altlasten. In Ergänzung zu unserem schlanken, sehr erfahrenen und kompetenten Entwicklungsteam arbeiten wir in der Fahrzeugentwicklung mit namhaften Engineering-Dienstleistern zusammen.

Also haben die überschaubaren Verhältnisse sogar einen Vorteil?

Zumindest zeigen knapp 9.000 angezahlte Reservierungen, dass mit einem schlanken, innovativen Team und mit ungewöhnlichen Ansätzen im Marketing enorm viel erreicht werden kann. Außerdem haben unsere Reservierer und Unterstützer ein ganz besonderes Verhältnis zu unserer Mission und dem Produkt.

Nun kennen Sie den Autohandel ja gut. Gibt es bei Sono schon Überlegungen zum Vertrieb des Sion, sprich ist da der klassische Handel überhaupt ein Thema?

Ein Großteil unserer Strategie fußt auf dem Direktvertrieb. Zum jetzigen Zeitpunkt möchte ich die Beteiligung von engagierten Händlern aber nicht ausschließen. Heute kauft der Autohandel ein großes Portfolio von Herstellerfahrzeugen, um individuelle Modelle, Farben und Ausstattungen für den Kunden vorzuhalten. Wenn man nun einen schwarzen Sion in der einzigen verfügbaren Vollausstattung probefahren möchte, kann man dies bereits heute und auch künftig auf Probefahrten-Events und nach der ersten Durchdringung im Markt auch über das Buchen von Carsharing bei einem aktuellen Sion-Besitzer tun, der sich sogar über die Nutzung seines Fahrzeugs und einen kleinen Obolus freut.

Und wie sieht es mit dem Service aus?

Sono Motors hat mit dem reSono-System – der Name leitet sich ab vom englischen Wort repair – ein eigenes „Open Source“-Instandhaltungssystem entwickelt, das eine günstige Wartung und Reparatur des Sion sicherstellt. Sofern nicht sicherheitsrelevant, können Fahrzeugkomponenten online bestellt und selbst ausgetauscht werden. Möglich wird das, weil wir unser Werkstatthandbuch vollständig offenlegen. Zusätzlich unterstützen wir durch unsere Open-Source-Strategie im Hinblick auf Reparatur und Teilebeschaffung freie Service-Betriebe. Wir denken aber auch an die klassischen Autokunden, die einen professionellen, qualifizierten Servicepartner brauchen. Für diese werden wir ein flächendeckendes Netzwerk zur Verfügung stellen.

Zurück zum Autobau: Immer wieder wird die ausreichende Verfügbarkeit von Batteriezellen bei einem Hochlauf der E-Mobilität problematisiert. Kann sich Sono denn die Stromspeicher auf dem Markt überhaupt beschaffen?

Das ist in der Tat ein aktuelles Problem des plötzlichen Wandels unserer kompletten Industrie. Wir haben uns frühzeitig abgesichert und arbeiten hier mit Elring-Klinger zusammen. Diese Partnerschaft ist langfristig ausgelegt und sichert mindestens die Bereitstellung der Batterie- und Zellenkapazität für unser erstes Fahrzeug bei einem geplanten Volumen von rund 260.000 Fahrzeugen.

Liefersicherheit ist ein wichtiger Faktor, der Preis der andere: Sono Motors musste den Preis für die Batterie des Sion von 4.000 auf rund 9.500 Euro gewaltig erhöhen. Ist ein Sono Sion mit 25.500 Euro überhaupt noch wettbewerbsfähig, wenn VW sein I.D.-Kompaktmodell etwa zum gleichen Preis anbieten will?

Unser Sion hat weiterhin einen deutlichen Preisvorteil gegenüber anderen EVs, dazu kommen die integrierten Mobilitätsdienstleistungen und die Solar- oder bidirektionale Technik. Die Anpassung unserer Batteriepreis-Erwartung war für einige der Reservierer sicher zunächst eine schwierige Nachricht. Am Fahrzeugpreis von 16.000 Euro hat sich jedoch nichts geändert. Die Batterie bieten wir außerdem nicht nur zum Kauf sondern auch weiterhin zur Miete, beziehungsweise auf Leasingbasis an.

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Wie hoch fällt die Leasingrate nun aus?

An unserer ursprünglichen Schätzung einer monatlichen Rate von 90 bis 140 Euro halten wir fest. Die genaue Rate hängt dann aber natürlich von den individuellen Faktoren des jeweiligen Vertrages, unter anderem zum Beispiel von der Laufzeit und der Laufleistung oder auch von der Höhe der Anzahlung ab.

Werden die Kunden, die schon einen Sion reserviert hatten, über den Kostenaufschlag informiert und können sie die Reservierung wieder stornieren?

Eine transparente und offene Kommunikation war uns schon immer wichtig. Deshalb haben wir direkt über die angepasste Batteriepreis-Erwartung informiert. Wir freuen uns über eine weiterhin hohe Zahl an neuen Reservierungen. Die geringe Zahl der Stornierungswünsche ist erfreulich und lag unterhalb unserer wöchentlichen Zuwächse.

Sono begründet den Batterie-Preissprung mit nicht erwartungsgemäß gesunkenen Beschaffungspreisen. Sehen Sie noch weitere Kostenrisiken bis zum Anlauf der Produktion?

Wir haben den Fahrzeugpreis von 16.000 Euro schon immer ohne den Batteriepreis kommuniziert, denn Teilkosten der Batterie sind unmittelbar von den am Markt vorherrschenden Zellpreisen abhängig. Heute können wir mit mehr Gewissheit über Preiserwartungen, aber auch über eine führende technische Position der PHEV-II-Zellen in Europa, eine Sicherung der Zellkapazität für die gesamte Laufzeit unseres Produkts sowie den deutlich reduzierten Kobaltgehalt gegenüber vergleichbaren Zellen sprechen.

Ist jetzt eigentlich schon klar, wer die Auftragsfertigung für den Sion übernimmt?

Es steht schon seit geraumer Zeit fest, dass wir den Sion gemeinsam mit einem Auftragsfertiger in Europa bauen werden. Wir sind mit unserem Partner allerdings übereingekommen, dass wir unsere Zusammenarbeit erst dann öffentlich bekannt geben, wenn sämtliche Details der Zusammenarbeit fixiert sind. Wir arbeiten bereits eng zusammen.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«