Sony überrascht mit Elektroauto

Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Auf der CES in Las Vegas dreht sich vieles um die Mobilität der Zukunft. Toyota will eine eigene „Stadt der Zukunft“ bauen, Hyundai zeigt ein Flugtaxi. Und dann könnte noch Sony unter die Autobauer gehen.

Anbieter zum Thema

Die Vision-S entwickelte Sony unter anderem mit Magna Steyr, Bosch, Continental und ZF.
Die Vision-S entwickelte Sony unter anderem mit Magna Steyr, Bosch, Continental und ZF.
(Bild: Sony)

Der Elektronik-Riese Sony könnte unter die Autobauer gehen. Der japanische Konzern stellte auf der Technik-Messe CES in Las Vegas überraschend den Prototypen eines Elektroautos vor, schwieg allerdings zu Produktionsplänen. Der japanische Autobauer Toyota kündigte den Bau einer eigenen kleinen Retortenstadt zum Testen von Zukunftstechnik wie Roboterwagen an.

Hyundai präsentierte unterdessen den Prototypen eines Lufttaxis – während Daimler mit einem Konzeptfahrzeug einen Ausblick darauf gab, wie die Mobilität einer noch weit entfernten Zukunft aussehen könnte.

Sonys Konzeptauto blieb aber die größte Überraschung zum CES-Auftakt. Der Prototyp namens Vision-S solle demonstrieren, welche Möglichkeiten in den technischen Entwicklungen aus dem Hause Sony steckten, sagte Konzernchef Kenichiro Yoshida am Montag (Ortszeit). Dazu zählen Software, Sensoren und Sicherheitstechnik ebenso wie ein komplettes Entertainmentsystem. „Dieser Prototyp verkörpert unseren Beitrag zur Zukunft der Mobilität“, sagte Yoshida.

Viele Zulieferer am Sony-Prototypen beteiligt

Sony entwickelte den Wagen zusammen mit einer ganzen Reihe von Partnern – allen voran Magna Steyr aus Österreich, aber auch den drei großen deutschen Zulieferern Bosch, Continental und ZF. Die Elektroauto-Plattform sei geeignet, auch andere Fahrzeugtypen wie etwa SUVs anzutreiben. Sony selbst ist unter anderem stark im Bereich Kamerasensoren, die zum Beispiel in vielen Smartphones zum Einsatz kommen. Im Innenraum des Vision-S fällt ein langes Display auf, das fast von Tür zu Tür reicht.

Bildergalerie

Experten hatten schon lange damit gerechnet, dass mit dem Vormarsch von Elektrofahrzeugen auch Elektronik-Konzerne in das Autogeschäft einsteigen. Vor allem Apple stand im Zentrum der Überlegungen – der iPhone-Konzern stutzte jedoch sein jahrelanges Entwicklungsprogramm und konzentriert sich aktuell auf die Roboterwagen-Technologie.

Für Prognosen über die Marktaussichten eines Sony-Autos sei es noch zu früh, sagte Branchenexperte Pedro Pacheco von der Analysefirma Gartner. Die Ankündigung zeige zwar, dass Autos nun im Mittelpunkt der Sony-Strategie stünden. „Aber es bleibt trotz der gewaltigen Transformation ein hartes Geschäft, wie der jüngste Rückzieher von Dyson zeigt.“ Dyson, bekannt vor allem für beutellose Staubsauger, hatte mehr als zwei Jahre lang an einem Elektroauto gearbeitet und mehr als zwei Milliarden Pfund investiert. Ende vergangenen Jahres gab die Firma jedoch die Pläne auf, weil sie keine Chancen sah, das Fahrzeug profitabel zu bauen.

Toyota will „Stadt der Zukunft“ bauen

Trotz des Sony-Paukenschlags blieb die ambitionierteste Ankündigung des CES-Starts der Plan von Toyota, eine experimentelle Stadt der Zukunft zu bauen, um Technologien wie das autonome Fahren verstärkt in realen Umgebungen zu testen. Dafür wird das Gelände einer stillgelegten Fabrik des Autobauers in Nähe des Bergs Fuji umgebaut, wie Firmenchef Akio Toyoda sagte. In der kompakten „Woven City“ („Verflochtene Stadt“) sollen zunächst rund 2.000 Menschen leben – unter anderem Toyota-Mitarbeiter mit ihren Familien, Ruheständler und Forscher. Die Grundsteinlegung ist für kommendes Jahr geplant.

Das Gelände hat eine Fläche von gut 70 Hektar. Als Stadtplaner wurde der dänische Star-Architekt Bjarke Ingels engagiert. Ein großer Teil der Infrastruktur – zum Beispiel Brennstoffzellen-Anlagen für die Energiegewinnung – werde unter die Erde verlegt.

Eine zentrale Rolle in dem Konzept spielen Toyotas autonome Mehrzweckfahrzeuge, die zum Transport von Menschen, aber auch als mobile Geschäfte oder Büros eingesetzt werden können. Die kastenförmigen Wagen mit dem Namen E-Palette hatte der Konzern vor zwei Jahren in Las Vegas vorgestellt. Am Montag präsentierte der südkoreanische Konkurrent Hyundai ein ähnliches Konzept.

Toyota ist nicht der erste Technologie-Konzern, der den Aufbau einer Stadt-Infrastruktur versucht. Google kündigte bereits 2017 ein ähnliches Projekt in der kanadischen Metropole Toronto an, allerdings nur auf einer Fläche von knapp fünf Hektar.

Daimler hingegen rückte bei der Präsentation seines „Vision AVTR“ mehr die Natur als die Stadt in den Fokus. Das Konzeptfahrzeug wurde in Zusammenarbeit mit den Machern des Science-Fiction-Films „Avatar“ von Regisseur James Cameron konzipiert. Es solle Möglichkeiten der Interaktion zwischen Mensch, Maschine und Umwelt aufzeigen – ein Motiv, das auch in dem 2009 erschienenen Film eine wichtige Rolle spielt. Cameron arbeitet aktuell an Fortsetzungen.

Daimler hat das Thema Nachhaltigkeit zu einem zentralen Punkt seiner Zukunftsstrategie erhoben. Bis 2039 soll die gesamte Neuwagenflotte von Mercedes-Benz CO2-neutral sein. Der aus nachhaltigen Materialien gebaute „Vision AVTR“ wird mit einer sogenannten organischen, also metallfreien Batterie auf der Basis von Wasser betrieben – in der Vorstellung seiner Entwickler jedenfalls. Bis ein solches System in der Praxis als Autoantrieb zum Einsatz kommen kann, dürfte es laut Daimler wohl noch um die 15 Jahre dauern.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Der Auftakt der CES verdeutlichte zudem, wie Pläne für die Roboterwagen-Zukunft immer konkretere Gestalt annehmen. Das zeigt sich unter anderem daran, dass neue Player in die Branche drängen. So kündigte der Chip-Konzern Qualcomm den Einstieg ins Geschäft mit Computern für automatisiertes Fahren und Robotaxis an. Und der chinesische Drohnen-Spezialist DJI will den Markt für Laserradare, mit denen Roboterwagen ihre Umgebung abtasten, mit deutlich günstigeren Geräten als bisher aufmischen.

(ID:46301166)