Elektromobilität Sparsamkeit ist nicht billig

Autor / Redakteur: Clemens Gleich / Jan Rosenow

Mancher Besitzer eines E-Autos wundert sich bei der ersten Autobahnfahrt oder im Winter über den hohen Strombedarf. Warum der Verbrauch beim E-Auto so stark schwankt – und warum manche E-Autos mehr verbrauchen als andere.

Trotz überragender Fahrleistungen ist der Tesla Model 3 Long Range im ADAC-Test mit 20,9 Kilowattstunden auf 100 Kilometern sehr sparsam.
Trotz überragender Fahrleistungen ist der Tesla Model 3 Long Range im ADAC-Test mit 20,9 Kilowattstunden auf 100 Kilometern sehr sparsam.
(Bild: Tesla)

Der Verbrenner als Maßstab unserer Gewohnheiten hat Autofahrer mit extrem hohen Energiegehalten verwöhnt. Die Energiedichte von Benzin und Diesel beträgt bis zu knapp 12 kWh/kg. Die Energiedichte moderner Elektroauto-Akkus hingegen liegt üblicherweise im Bereich der 0,15 kWh/kg, die das Tesla Model 3 bei der EPA-Zulassung 2019 erreichte. Das heißt: Ein im Vergleich zu einem Akku winziger 50-Liter-Tank mit 42 Kilogramm Dieselkraftstoff enthält rund 500 kWh Energie. Selbst ein Mercedes-Benz EQS oder Tesla Model S P100D, die E-Fahrzeuge mit den aktuell größten Batterien, fahren mit etwa einem Fünftel der Energie.

Frühe E-Autos hatten hingegen Batterien mit nur 16 bis 24 kWh. Sie machten überdeutlich, dass eine Autobahnfahrt den doppelten Verbrauch beansprucht, weil selbst eine vergleichsweise kurze Fahrt die Batterie leeren konnte. Gegenprobe: Wer die gesamte Tankfüllung seines Verbrenners bei Vollgas auf der Autobahn abfackelt, der dürfte sich auch nicht über eine halbierte Reichweite wundern – so etwas macht nur niemand. Mit den heute üblichen Kapazitäten von 50 bis 100 kWh in E-Autos verwischen sich die Abschnittsverbräuche viel stärker.