Staatsanwaltschaft durchsucht Daimler-Standorte

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Grimm

Die Diesel-Abgaswerte werden immer mehr zur Belastung für die Automobilbauer. Jetzt hat Daimler die Staatsanwaltschaft im Haus – wegen Betrugsverdacht. Die Ermittlungen selbst laufen schon länger.

Firma zum Thema

(Bild: Daimler)

Der Daimler-Konzern rückt wegen möglicher Abgas-Manipulationen bei Dieselautos zunehmend ins Visier der Justiz. Ein Großaufgebot an Ermittlern durchsuchte am Dienstag mehrere Daimler-Standorte in verschiedenen Bundesländern. Hintergrund ist ein Verdacht auf Betrug und der strafbaren Werbung.

Im Rahmen der Ermittlungen gegen namentlich bekannte Mitarbeiter von Daimler sowie gegen Unbekannt waren 23 Staatsanwälte und 230 Polizisten aus Baden-Württemberg und anderen Bundesländern im Einsatz, teilten die Stuttgarter Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg mit.

Insgesamt seien elf Objekte in Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen und Sachsen in Augenschein genommen worden. Gesucht worden seien „beweiserhebliche“ Unterlagen und Datenträger. Der Autobauer teilte mit, man kooperiere „vollumfänglich“ mit den Behörden. Weitere Angaben wollte die Firma mit Blick auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht machen.

Bereits im März waren die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bekanntgeworden. Sie richten sich gegen „bekannte und unbekannte Mitarbeiter der Daimler AG wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung im Zusammenhang mit möglicher Manipulation der Abgasnachbehandlung bei Diesel Pkw“. Seither war ein Vor-Ort-Besuch von Ermittlern wahrscheinlich. Das Ausmaß der Razzien überraschte dennoch. Branchenbeobachter sind sich einig: Auch über Daimler liegt inzwischen eine düstere Diesel-Wolke.

VW nicht „das einzige schwarze Schaf“

„Man hat beim Dieselthema immer gesagt, VW ist das einzige schwarze Schaf“, sagte der Duisburger Uni-Professor Ferdinand Dudenhöffer. So ein Standpunkt sei aber längst überholt. „Die umfassenden Ermittlungen bei Daimler, aber auch bei Fiat, Renault und anderen Autobauern rücken inzwischen die ganze Branche ins Zwielicht.“ Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch-Gladbach äußerte sich überrascht über den Umfang der Razzien. „Das ist ein Riesen-Aufgebot, was da aufgefahren wurde“, so der Branchenexperte. „Das belastet das Image – das hat Volkswagen bitter erfahren müssen, das kommt jetzt auch auf Mercedes zu.“

Auf Fragen zu möglichen Manipulationen der Abgaswerte hatte Daimler immer geantwortet, die Abgasnachbereitung in Dieselfahrzeugen nach geltendem Recht auszuführen. Streitpunkt ist ein sogenanntes Thermofenster, das in bestimmten Temperaturbereichen die Abgasnachbereitung herunterregelt. Nach der Argumentation der Hersteller wird das genutzt, um Bauteile im Motor zu schützen. Daimler hatte sich wie andere Hersteller auch mit dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) darauf geeinigt, 247.000 Fahrzeuge „freiwillig“ zurückzurufen, um die Technik anzupassen. Abgas-Manipulationen sind Daimler bisher nicht nachgewiesen worden.

Im Fadenkreuz der US-Justiz

Allerdings beschäftigt sich neben der Stuttgarter Staatsanwaltschaft auch die US-Justiz mit den Abgaswerten. Daimler muss sich in den USA mit mehreren Abgas-Sammelklagen befassen. Die Kanzlei Hagens Berman vertritt Autobesitzer aus zahlreichen Bundesstaaten, die dem Konzern vor allem irreführende Werbung und einen zu hohen Stickoxidausstoß bei zahlreichen Dieselmodellen vorwerfen. Der Konzern weist die Anschuldigungen zurück.

Im April forderte das amerikanische Justizministerium Daimler zu einer internen Untersuchung im Zusammenhang mit den Abgaswerten der Autos aus dem Hause Mercedes-Benz auf. Seitdem ermittelt Daimlers interne Revision mithilfe einer Anwaltskanzlei im Konzern.

(ID:44708962)