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Stackmann verabschiedet sich von Volkswagen: „Wir haben Wunder vollbracht“

| Autor: Christoph Seyerlein

Nach fünf Jahren als VW-Vertriebschef und insgesamt zehn Jahren im Konzern musste Jürgen Stackmann diese Woche seinen Platz bei Volkswagen räumen. In mehreren Beiträgen verabschiedete sich der 58-Jährige nun und verriet, wo es ihm in der Volkswagen-Welt am besten gefallen hat.

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Nach zehn Jahren ist für Jürgen Stackmann beim Volkswagen-Konzern Schluss.
Nach zehn Jahren ist für Jürgen Stackmann beim Volkswagen-Konzern Schluss.
(Bild: Volkswagen)

Nach mehr als zehn Jahren in leitenden Funktionen hat Jürgen Stackmann in dieser Woche den Volkswagen-Konzern verlassen. Angefangen als Vertriebs- und Marketing-Chef von Skoda zwischen Juni 2010 und August 2012, machte er anschließend bis April 2013 als Chief Marketing Officer bei VW Station. Es folgte für zweieinhalb Jahre der Posten als Seat-CEO, ehe der heute 58-Jährige im November 2015 die Rolle als Vertriebs- und Marketingvorstand von VW Pkw einnahm.

In einem Beitrag beim Karrierenetzwerk Linkedin erklärte Stackmann nun, welche Position in den zehn Jahren ihm am besten gefiel. Seine Wahl fiel dabei auf seine Amtszeit als Seat-Chef. „Diese Zeit war der Höhepunkt meiner Karriere. Es war die schönste und beste Zeit all meiner Tätigkeiten in der Automobilindustrie“, erklärte der Manager.

Stackmann hatte das Ruder bei Seat in einer schwierigen Phase übernommen. Die Spanier erzielten damals schwache Absatzzahlen und fuhren hohe Verluste ein. Seit Stackmann die Chefrolle übernahm, ging es für die Marke aber spürbar bergauf. Die wichtigste Entscheidung unter Stackmanns Ägide war wohl die für den Bau des SUVs Ateca. „Wir haben gemeinsam den Ateca entwickelt und so viel mehr gemacht. Unsere gemeinsame Arbeit hat für Spanier und Katalanen eine neue Basis geschaffen, stolz auf die Marke Seat sein zu können“, schrieb Stackmann.

Den Kurs Stackmanns schrieb in der Folge Luca de Meo fort. 2015 schrieb Seat erstmals nach sieben Jahren wieder schwarze Zahlen. Nach de Meos Abschied Ende 2019 hat aktuell Carsten Isensee kommissarisch den Posten des Seat-Chefs inne. Bald soll aber allem Anschein nach Vertriebsvorstand Wayne Griffiths jene Rolle übernehmen.

Bewegte Zeit als VW-Vertriebsvorstand

Für Stackmann ging es nach der Station bei Seat in Wolfsburg als Vertriebs- und Marketingvorstand bei VW Pkw weiter. Dort erlebte der 58-Jährige fünf bewegte Jahre. Unter anderem fiel in seine Amtszeit der mit vielen Nebengeräuschen verbundene Abschluss der neuen VW-Händlerverträge, die seit dem 1. April gültig sind. Daneben trieb Stackmann die Elektrifizierungsstrategie des Autobauers mit voran. Seine letzte Amtshandlung war die Auslieferung eines der ersten Fahrzeuge des VW ID 3. Stark machte sich Jürgen Stackmann zudem für eine Digitalisierung des Vertriebsgeschäfts.

Seine Zeit in Wolfsburg bezeichnete Stackmann am Freitag als sein „Meisterwerk“. Seit seinem Amtsantritt unmittelbar nach Bekanntwerden des Diesel-Skandals habe man gemeinsam „Wunder“ vollbracht. Bei VW sei es längst nicht so einfach wie bei Skoda oder Seat. Der Abschied sei für ihn persönlich „ein trauriger Moment“. Volkswagen sei für ihn „die beste Marke der Welt“.

Im Zuge einer großen Personalrochade im Volkswagen-Topmanagement musste Stackmann seinen Posten räumen. Seine Nachfolge hat der bisherige Porsche-US-Chef Klaus Zellmer übernommen. Intern soll Stackmann zum Verhängnis geworden sein, dass traditionell starke Volumenmodelle wie der Golf und der Passat zuletzt keine guten Zahlen mehr einbrachten. Medienberichten zufolge soll Stackmann aber auch deshalb angeeckt sein, da er manchen Plan von Volkswagen-Chef Herbert Diess hinterfragte.

Wohin es Jürgen Stackmann nun zieht, ist nicht bekannt. Er selbst erklärte kürzlich, er wolle sich erst einmal eine Auszeit nehmen.

Kommentar von de Meo sorgt für Spekulationen

Einige prominente Weggefährten reagierten auf Stackmanns Abschieds-Postings bei Linkedin. So schrieb etwa Luca de Meo: „Eine der besten Personen, die ich in dieser Industrie getroffen habe. Ich kann nur „Chapeau“ dazu sagen, was Du bei Skoda, Seat und VW erreicht hast. Wir sehen uns bald, mein Freund.“ Direkt unter jenem Kommentar gab es in der Folge die Spekulation, ob de Meo als neuer Renault-Chef Stackmann anwerben könnte.

Auch Audi-Vertriebsvorständin Hildegard Wortmann äußerte sich. Sie dankte Stackmann dafür, dass er sie als einer der ersten vor rund einem Jahr in der Volkswagen-Familie willkommen geheißen habe. „Deine offene Art, kundenzentriertes Denken und großartige Führungsqualitäten haben einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen“, so Wortmann.

Ex-Opel-Chef Karl-Thomas Neumann schrieb: „Lieber Jürgen, sehr schade, dass Volkswagen auf Sie verzichten will. Ich fand Sie immer einen fachlich und menschlich absolut herausragenden Kollegen. Die werden Sie vermissen!“

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