Stimmung im Kfz-Gewerbe trübt weiter ein

Autor / Redakteur: Christoph Baeuchle / Andreas Grimm

Die Dieselkrise und ihre finanziellen Auswirkungen auf die Kfz-Betriebe drücken die Stimmung im Kfz-Gewerbe deutlich. Die Zahl der Betriebe, die im Rahmen des Geschäftsklima-Index ihre Lage als „schlecht“ einstufen, hat sich binnen Jahresfrist verdoppelt.

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ZDK-Präsident Jürgen Karpinski befürchtet, dass die Dieselkrise im Handel noch dramatische Ausmaße annimmt.
ZDK-Präsident Jürgen Karpinski befürchtet, dass die Dieselkrise im Handel noch dramatische Ausmaße annimmt.
(Bild: Zietz / »kfz-betrieb«)

Die Stimmung im Kfz-Gewerbe hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert. Das zeigen die Ergebnisse des aktuellen Geschäftsklima-Index: So erreichte der Index-Wert über alle drei Geschäftsbereiche mit 102,2 Punkten den niedrigsten Stand der Vergleichsquartale seit 2015. Jeder fünfte Betrieb (21,3 %) bewertete die aktuelle Lage über alle Geschäftsbereiche hinweg als „schlecht“. Vor einem Jahr hatten dies nur 11,1 Prozent der Befragten so gesehen.

Noch höher sind die negativen Quoten im Neuwagengeschäft, das knapp 30 Prozent als „schlecht“ bezeichnen (Vorjahr 18,6 %), und beim Handel mit Gebrauchtwagen, den ein Drittel der Händler als „schlecht“ ansieht (Vorjahr 12,3 %). Positiver Ausreißer ist lediglich der Service: 2,1 Prozent klagen über eine schlechte Werkstattauslastung, zwei Drittel hingegen bewerten sie als „gut“ und knapp ein Drittel als „befriedigend“.

Auf Werbetour für den Diesel: (v. li.) Harry Brambach, scheidender Präsident des Landesverbands Baden-Württemberg, Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk, ZDK-Präsident Jürgen Karpinski und sein Stellvertreter Thomas Peckruhn mit Aufklebern der Aktion „Mein Diesel – sparsam und sauber!“
Auf Werbetour für den Diesel: (v. li.) Harry Brambach, scheidender Präsident des Landesverbands Baden-Württemberg, Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk, ZDK-Präsident Jürgen Karpinski und sein Stellvertreter Thomas Peckruhn mit Aufklebern der Aktion „Mein Diesel – sparsam und sauber!“
(Bild: Zietz / »kfz-betrieb«)

Entscheidender Faktor für die schlechten Ergebnisse ist die zunehmende Belastung durch die Dieselkrise. Bei der Vorstellung der Ergebnisse im Vorfeld der ZDK-Mitgliederversammlung in Stuttgart sagte ZDK-Präsident Jürgen Karpinski, dass sich die Lage im Automobilhandel weiter zuspitze und zum Teil existenzbedrohend sei. Betroffen sind vor allem Betriebe, die jetzt und in nächster Zeit mit zahlreichen Dieselfahrzeugen als Leasingrückläufer konfrontiert werden. Um die Dieselskepsis zu lindern, hat der Verband jüngst die Kampagne „Mein Diesel – sparsam und sauber!“ gestartet. Der Slogan auf blauen Aufklebern soll daran erinnern, dass moderne Diesel bei geringem Kraftstoffverbrauch sehr sauber arbeiten.

Dass ein Eintreten für den Diesel notwendig ist, zeigt eine Modellrechnung, die der ZDK erstellt hat und die auf Verluste im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich kommt. So seien in den Monaten Mai bis August 2015 rund 73.400 Euro-5-Diesel verleast worden, die jetzt nach der üblichen dreijährigen Leasingdauer in den Handel zurückkommen. Bei einem durchschnittlichen Gebrauchtwagenpreis von 15.110 Euro (laut DAT im Jahr 2017) hätten diese Fahrzeuge einen Wert von rund 1,1 Milliarden Euro.

ZDK-Präsident Jürgen Karpinski verdeutlichte die schlechte Stimmung im Kfz-Gewerbe wegen der ungelösten Dieselprobleme.
ZDK-Präsident Jürgen Karpinski verdeutlichte die schlechte Stimmung im Kfz-Gewerbe wegen der ungelösten Dieselprobleme.
(Bild: Zietz / »kfz-betrieb«)

Bei einer im März 2018 im Autohandel durchgeführten Umfrage hatten bereits zwei Drittel der teilnehmenden 1.817 Händlern geantwortet, dass sie Euro-5-Dieselfahrzeuge nur noch mit Abschlägen zwischen 10 und 50 Prozent vermarkten könnten. „Wenn wir den Mittelwert von 30 Prozent Abschlägen als Basis nehmen, heißt das: Der Handel muss zwischen Mai und August dieses Jahres mit Verlusten in Höhe von rund 330 Millionen Euro rechnen“, rechnet Karpinski vor. Die bereits realisierten Verluste aufgrund von Leasingrückläufern liegen seiner Erfahrung nach zudem um ein Vielfaches höher.

Das trifft vor allem in Städten zu, in denen ein Fahrverbot droht. Wie in Stuttgart. „Wir erleben hier in Stuttgart auch ganz extrem, welche Folgen ein Schwebezustand hat, in dem die Menschen nicht wissen, was die Politik will“, sagte Harry Brambach, scheidender Präsident des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg. „Allein im letzten Monat ist der Stuttgarter Dieselbestand um rund 7.800 Einheiten im Vergleich zum Vorjahr gesunken.“ Alles ohne politische Entscheidung, „nur aus der Anti-Diesel-Stimmung heraus“.

Um die Belastung zu mildern, fordert der Verband von der Politik, endlich einen rechtlichen Rahmen für die Diesel-Hardware-Nachrüstung zu schaffen. „Wer sein älteres Dieselfahrzeug mit Hardware freiwillig sauberer machen will, sollte dafür auf eine rechtssichere Regelung zurückgreifen können und von Fahrverboten verschont bleiben“, so Karpinski. „Das habe ich erst kürzlich in einem Brief an den Bundesverkehrsminister angemahnt. Nur dann werden Dieselfahrzeuge mit ihrem sparsamen und klimafreundlichen Antrieb wieder werthaltig. Und so werden Dieselbesitzer, gewerbliche Flottenbetreiber und vor allem die geballt betroffenen kleinen und mittelständischen Autohäuser aus einer ansonsten ausweglosen Situation befreit.“

Den Aufkleber „Mein Diesel – sparsam und sauber!“ gibt es kostenlos in vielen Autohäusern und Werkstätten, die den bundesweit 235 Kfz-Innungen angehören. Die Aufkleber können Kfz-Innungsbetriebe imKfz-Meister-Shop bestellen.

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