Streetscooter-Gründer rechnet mit Post ab

Pläne für einen Rückkauf reifen bei Günther Schuh

| Autor: Andreas Grimm

Der Elektrotransporter Streetscooter sei eine gute Idee gewesen, findet Gründer Günther Schuh noch immer. Die Post habe die Idee aber totgemanagt.
Der Elektrotransporter Streetscooter sei eine gute Idee gewesen, findet Gründer Günther Schuh noch immer. Die Post habe die Idee aber totgemanagt. (Bild: DHL Group)

Der Gründer des Elektrotransporter-Herstellers Streetscooter, Günther Schuh, blickt nach eigenen Worten „mit Erschütterung auf das Streetscooter-Aus“. Das sagte er im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ über die bevorstehende Abwicklung der bisherigen Post-Tochter. Der „Wirtschaftswoche“ sagte Schuh zudem: „Unter den richtigen Konditionen könnte ich es mir vorstellen, Streetscooter wieder zu übernehmen“. Derzeit ist er Chef des Kleinwagen-Anbieters E-Go, der das Elektroauto „Life“ vermarktet.

Die Post hatte in den letzten Monaten vergeblich nach einem Käufer gesucht und kürzlich das Aus für die Produktion verkündet. Im vergangenen Jahr hatte die Post durch den Elektro-Transporter Verluste in Höhe von 100 Millionen Euro eingefahren. 2010 hatte Schuh den Elektrotransporter mit seinen Studenten der RWTH Aachen entwickelt und gemeinsam mit seinem Professorenkollegen Achim Kampker Streetscooter gegründet. 2014 wurde das Start-up von der Deutschen Post-Tochter DHL übernommen.

Streetscooter: Elektro-Offensive der Deutschen Post

In einem Gastbeitrag für die „Aachener Nachrichten“ hatte Schuh die Entwicklung bei Streetscooter als „Armutszeugnis für Deutschland“ bezeichnet. Ambitionierte Projekte wie jenes des Produzenten von Elektrotransportern würden hierzulande zu schnell in die Hände derjenigen fallen, „die Deutschland nach den Sparkassen-Regeln führen: Investitionen so klein wie möglich, Ertrag muss sicher sein und der Break-even morgen“.

In seinem Beitrag rechnet Schuh mit der Post-Führung ab. Diese habe unbedingt zunächst eine Beteiligung an Streetscooter gewollt, später dann die Mehrheit. Streetscooter habe zugestimmt, „um den Auftrag wirklich zu bekommen“. Die Begründung der Post, warum sie selbst Autohersteller werden wolle, war laut dem Gründer der Wunsch nach Kontrolle und eine Sicherstellung schneller Entscheidungswege. So weit die Theorie, denn tatsächlich „folgte die Inkarnation der Langsamkeit“, ätzt Schuh in seinem Beitrag.

Post zieht bei Streetscooter den Stecker

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28.02.20 - Für die Deutsche Post war Streetscooter lange Zeit ein Prestigeprojekt, mittlerweile sehen die Bonner die E-Transporter aber vor allem als Verlustbringer. Nun ist die Geduld des Konzerns am Ende. lesen

Und weiter: In seiner Erinnerung wurde der externe Vertrieb drei Jahre gestoppt, ebenso die Internationalisierung, normale Beschaffungen wurden verschleppt, das Management rausgeschmissen, Amateure eingesetzt, die Bestellungen der eigenen Post-Fleet minimiert, jegliche Verbesserung verboten. Auf diese Weise sei die Entwicklung von Streetscooter zum Stillstand gekommen. „Warum überlassen wir die großen Disruptionen anderen?“, fragt Schuh in dem Beitrag.

Im Schicksal von Streetscooter sieht er ein generelles Problem des Umgangs mit der Gründerszene in Deutschland. Es fehle an einer ausreichenden Finanzierung oder einem echten Zugang zum Kapitalmarkt. Dadurch werde das Unmögliche nicht geschaffen, „weil wir es gar nicht erst versuchen“. Das Silicon Valley mit seinen Weltfirmen von Apple bis Tesla sei deshalb überlegen, „weil dort ein ganzes Möglichmacher-Ökosystem nach dem Unmöglichen sucht, das Kunden begeistern und die Welt verbessern könnte“.

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