Stromausfall in Detroit

Autor / Redakteur: Stefan Grundhoff / Marcel Sommer / Jens Rehberg

Die US-Motorshow eröffnet traditionell das Autojahr. Die Stars bei der 2014er-Auflage: der Ford F-150 und die Mercedes C-Klasse. Elektroautos vermisst in Detroit scheinbar niemand.

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(Foto: press-inform)

Der amerikanischen Autoindustrie geht es wieder prächtig. 15,5 Millionen Verkäufe im Jahre 2013 – da kann man sich gut damit anfreunden, dass sich der Boom-Markt China mittlerweile in andere Dimensionen aufschwingt.

Auf der North American International Autoshow (NAIAS) lassen die heimischen Big Three aus Ford, General Motors und Chrysler die Muskeln spielen. Das Trio von einst ist nach der kompletten Übernahme von Chrysler durch den Fiat-Konzern allerdings nur noch ein Duett. Fast makaber: seitdem der europäische Automarkt am Boden ist, fährt Fiat nahezu die einzigen Gewinne in den USA ein – dank Chrysler.

Da kommt die Neuauflage des Chrysler 200 gerade recht. Die Mittelklasselimousine aus Auburn Hills soll die Marke mit dem einstigen Pentastar mit sehenswertem Design, bis zu 300 PS und Allradantrieb wieder in die Köpfe der Amerikaner zurückbringen. Das auslaufende 200er-Modell führte in den USA ein Schattendasein und konnte sich kaum nennenswert gegen die starke Konkurrenz aus Asien, den USA und Europa in Szene setzen. Besonders die Volumenkonkurrenz von Kia, Mazda, Toyota und Hyundai hatte dem 200er deutlich zugesetzt. Die neue Generation ist auf der gleichen Plattform wie Alfa Romeo Giulietta oder Jeep Cherokee unterwegs.

Ein sportlicher 200er kommt auf der NAIAS übrigens auch von BMW. Die Bayern stellen in Detroit ihre 2er-Coupé-Reihe mit dem M 235i an der Spitze vor.

„Guten Morgen und willkommen bei BMW! Was für ein Sound“, so BMW-Vorstand Ian Robertson, „und was für großartige Fahrzeuge. Es sind Modelle wie diese, die BMW so erfolgreich machen; besonders hier in den USA.“ Kein lautloser BMW i3 war auf die Bühne gerollt – die sportlichen Zwillinge M3 / M4 sowie das 2er-Coupé machten Stimmung.

Nur wenige Meter weiter brüllt die Corvette Z06 auf der Bühne. „Was für ein Tag“, strahlt GM-Nordamerika-Präsident Mark Reuss mit dem Scheinwerferlicht um die Wette, „50 Corvettes kommen gerade aus unserem Tech Office über die Straßen von Detroit hierher gefahren. Unter ihnen die neue Z06 – sie ist die beste Corvette, die wir je gebaut haben. Wir sind alle sehr stolz darauf.“ 625 PS sprechen aus den vier mächtigen Corvette-Töpfen eine eindeutige Sprache. Die Amerikaner haben wieder Lust auf Leistung. Elektromusik wird in Detroit nicht mal als Hintergrundberieselung eingesetzt.

Der große Star der Autoshow ist der Ford F-150. Seit über 60 Jahren auf dem Markt, lässt der große Pick Up der nationalen Konkurrenz mit Dodge RAM, Toyota Tundra oder Chevrolet Silverado keine Chance. Die neue Generation hat über 300 Kilogramm abgespeckt und setzt auf moderne V6- und V8-Triebwerke zwischen 2,7 und 5,0 Litern Hubraum. Weiter als im Ford F-150 kann man von einem Elektroauto kaum entfernt sein. Der Trend zu E-Autos ist trotz steigender Zulassungszahlen auch in den USA zum Stocken gekommen. Vom einstigen Hoffnungsträger Chevrolet Volt oder Nissan Leaf spricht in Detroit niemand mehr und in der Cobo Hall herrscht in Sachen Elektroantrieb sowieso Stromausfall. Statt an BMW i3 oder Mercedes B-Klasse Electric Drive drücken sich die Besucher an BMW M4 oder Mercedes GLA 45 AMG die Nase platt.

Das gleiche Bild bei „Blue Oval“: Der Star neben dem F-150 bei Ford heißt Mustang – perfekt als gelber Kraftmeier mit V8-Motor in Szene gesetzt.

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