Studie: Alternative Antriebe stehen hoch im Kurs

Autor / Redakteur: Joachim von Maltzan / Joachim von Maltzan

Im Mittelpunkt der Untersuchungen standen Kriterien für den Kauf eines neuen Autos, die Einstellung zu alternativen Antriebsarten sowie die grundsätzlichen Ansichten zu aktuellen verkehrspolitischen Fragestellungen und Maßnahmen.

Firmen zum Thema

Studie zeigt wachsendes Interesse an E-Fahrzeugen.
Studie zeigt wachsendes Interesse an E-Fahrzeugen.
(Bild: obs/TARGOBANK AG/©Stockfotos-MG - stock.adobe.com)

Das Umfrageinstitut Forsa hat im Auftrag der Targobank für eine repräsentative Studie 1.000 Autofahrer in Deutschland befragt. Eines der Ergebnisse: Alternative Antriebe stehen bei den Verbrauchern hoch im Kurs, wenn es um den nächsten Autokauf geht. Das gilt insbesondere für den Hybridmotor, der im Vergleich zur Vorjahresbefragung in der Akzeptanz um 6 auf nunmehr 23 Prozentpunkte zugelegt hat. Grundsätzlich halten 73 Prozent der Befragten Hybridfahrzeuge für einen guten Kompromiss aus geringer Umweltbelastung und Reichweite.

Während der Benziner nur noch für 29 Prozent (Vorjahr: 43 Prozent) die erste Option ist, geht der Trend auch zulasten des Diesels, der von gerade noch 14 Prozent (Vorjahr: 17 Prozent) präferiert wird. Auch der Wasserstoffantrieb kann – auf niedrigem Niveau – in der Gunst der Autofahrer um 2 auf 6 Prozentpunkte klettern. Den reinen Stromer würden aktuell 8 Prozent der Befragten wählen (Vorjahr: 6 Prozent). Allerdings halten nur noch 49 Prozent der Befragten E-Fahrzeuge für umweltfreundlicher als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor; 2019 sagten das noch 57 Prozent. Insgesamt plant mehr als jeder dritte Fahrer eines Verbrennungsmotors den Umstieg auf einen alternativen Antrieb – 37 Prozent.

„Wie bereits in den vergangenen Jahren sehen wir einen steigenden Trend hin zu emissionsärmeren Antrieben. Da diese Alternativen zum Verbrenner in der Regel bei der Anschaffung kostenintensiver und noch nicht in relevanter Anzahl auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu finden sind, rechnen wir mit zunehmenden Finanzierungsanfragen“, sagt Markus Häring, Chef der Targobank Autobank. Damit dieser Trend stabil bleibt, sei aber auch die Politik gefordert. Bund, Länder und Kommunen müssten stärker in eine flächendeckende Ladeinfrastruktur investieren. „Aktuell ist das Angebot an Strom- oder Wasserstoffzapfsäulen schlicht nicht konkurrenzfähig“, so Häring.

Kontroverse Sicht auf Tempolimits und Umweltspuren

Die Verkehrsbelastung in den Innenstädten wurde in den vergangenen Jahren immer wieder kontrovers diskutiert; insbesondere vor dem Hintergrund verminderter Luftqualität rückte das Thema Gesundheitsschutz verstärkt ins Blickfeld. Der Aussage, „in Innenstädten sollte ein generelles Tempolimit von 30 Stundenkilometern gelten“, stimmen 41 Prozent der nun von Forsa Befragten zu. 58 Prozent votierten dagegen. Wenn dadurch allerdings Fahrverbote aufgrund zu hoher Emissionswerte verhindert werden könnten, würden es zwei Drittel befürworten.

Bei den Umweltspuren, die vielerorts als Versuch, das Problem zu lösen, eingeführt wurden, sind sich die Befragten bundesweit uneins: Jeweils etwa die Hälfte halten sie für sinnvoll beziehungsweise nicht sinnvoll. In Düsseldorf, wo diese Maßnahme seit Einführung immer wieder zu heftigen Disputen führte, halten zwei Drittel Umweltspuren für nicht sinnvoll.

Ähnlich unterschiedlich ist die Position der Verkehrsteilnehmer beim Thema Tempolimit auf Autobahnen. Deutlich wird, dass die Akzeptanz für den deutschen Sonderweg sinkt. Mittlerweile wird von 62 Prozent der Befragten ein generelles Tempolimit befürwortet, 2019 waren es noch 57 Prozent. Im Durchschnitt halten Befürworter 130 Stundenkilometer als Höchstgeschwindigkeit für angemessen. Damit einher geht der Wunsch der Befragten, die Bußgelder für Überschreitungen anzuheben: 77 Prozent sprechen sich dafür aus.

Das Auto bleibt weiter unverzichtbar

Das Auto ist für viele Menschen weniger reines Statussymbol als vielmehr unverzichtbares Verkehrsmittel, um zur Arbeit zu gelangen. Drei von fünf Erwerbstätigen fahren laut Befragung immer mit dem Auto zur Arbeit, jeder Fünfte gelegentlich, nur 18 Prozent können gänzlich darauf verzichten. Entsprechend verbreitet sind die Erfahrungen mit Staus. Jeder Vierte steht mindestens einmal wöchentlich im Stau. Im Schnitt verbringen die deutschen Autofahrer an einem Stautag 13,4 Minuten stehend.

Als Alternative zum Auto gelten sogenannte Job-Bikes. Diese bieten aktuell allerdings nur 15 Prozent der Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern an. Während rund 50 Prozent der Befragten von Job-Bikes bereits gehört haben, sind sie bei 34 Prozent gänzlich unbekannt.

Im vergangenen Jahr ergänzte der E-Roller die Sharing-Palette in zahlreichen deutschen Großstädten. Obwohl sich mittlerweile mehrere Anbieter in dieser Mobilitätsnische tummeln, konnte das Angebot bei den Befragten noch keine nachhaltige Wirkung erzielen – eher im Gegenteil: Nur 2 Prozent nutzen sie öfter, fast 90 Prozent standen noch nie auf einem E-Roller. Auch die Imagewerte fallen gemischt aus: Zwar sehen 44 Prozent der Befragten die Roller generell als nützliches Fortbewegungsmittel und 28 Prozent als Möglichkeit, den innerstädtischen Autoverkehr zu reduzieren. Gleichzeitig gelten sie vielen als gefährlich (77 Prozent), werden als störend für das Stadtbild (67 Prozent) oder grundsätzlich als nervig wahrgenommen (61 Prozent).

(ID:46562178)