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Studie: Nur Verfügbarkeit und Lieferzeiten bremsen E-Mobilität noch aus

| Autor: Andreas Grimm

Den Erfolg der Elektromobilität können fast nur noch die Hersteller versauen. Angesichts der staatlichen Förderungen sieht die Beratung Strategy& E-Autos vor dem Durchbruch. An den entscheidenden Stellschrauben sitzen jetzt die Autobauer.

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E-Autos gehören inzwischen zum Alltag. Die zahl der Zulassungen steigt, gleichzeitig sinken die Emissionswerte und damit die Gefahr von CO2-Strafzahlungen.
E-Autos gehören inzwischen zum Alltag. Die zahl der Zulassungen steigt, gleichzeitig sinken die Emissionswerte und damit die Gefahr von CO2-Strafzahlungen.
(Bild: Grimm/»kfz-betrieb«)

Die Autobauer in Europa sind Marktbeobachtern zufolge auf einem guten Weg, die verschärften Vorgaben der EU-Kommission in Sachen klimaschädlicher CO2-Abgase zu erfüllen. Im ersten Halbjahr stiegen die Neuzulassungen von elektrisch angetriebenen Autos in zehn großen europäischen Märkten um fast 26 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie aus einer Studie der Strategieberatung Strategy& hervorgeht, die zum Beratungsunternehmen PwC gehört. „Setzt sich der Absatzerfolg elektrifizierter Fahrzeuge fort, so erreichen die europäischen Automobilhersteller voraussichtlich in diesem Jahr die neuen CO2-Grenzwerte der EU“, sagte PwC-Automobilexperte Felix Kuhnert am Donnerstag.

Die bisherige Entwicklung im Jahr 2020 könnte damit den Wendepunkt für Elektromobilität in Europa darstellen. Sie könnte sich verstetigen, „da die europäischen Regierungen jetzt koordiniert mit Fördermaßnahmen wie steuerlichen Vorteilen und Kaufprämien vorgehen“, erläutert PwC-Analyst Christoph Stürmer. Ihre volle Wirkung würden die Maßnahmen vermutlich aber erst ab kommenden Jahr entfalten.

Jahrelang hatten die Autobauer Milliarden in neue Technik rund um Elektromobilität und CO2-Vermeidung gesteckt, um hohe Strafen der EU-Kommission ab diesem Jahr zu vermeiden. Von Übergangsregelungen 2020 abgesehen dürfen die neu verkauften Autos der Hersteller im Schnitt im Grundsatz nur noch 95 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer ausstoßen. Davon waren auch die deutschen Autokonzerne Volkswagen, Daimler und BMW im vergangenen Jahr noch deutlich entfernt mit Werten von jeweils deutlich über 120 Gramm.

Diesel & Benziner in Europa: -58 %

Für das Erreichen der Ziele ist vor allem das Verhältnis der verkauften Elektroautos mit saubereren Antrieben zu den Verbrennern ausschlaggebend. Grund für den laut PwC mit 18,9 Prozent deutlich erstarkten Marktanteil der elektrifizierten Fahrzeuge sind vor allem die kräftigen Rückgänge von herkömmlichen Verbrennern in der Corona-Krise. Wochenlang konnten die Autobauer über die Händler wegen des Lockdowns keine Autos mehr verkaufen. PwC bezifferte in den zehn europäischen Ländern das Minus von Benziner und Diesel auf fast 58 Prozent in den ersten sechs Monaten.

Insbesondere der Anstieg bei den umstrittenen Plug-in-Hybridautos sorgte bei den Elektroautos für kräftigen Aufschwung. In den fünf größten europäischen Märkten hat sich der Absatz laut PwC auf rund 50.000 Stück mehr als verdoppelt. Die deutschen Hersteller Mercedes, BMW und Audi setzen stark auf die aufladbaren Mischantriebe, bei denen allerdings nicht garantiert ist, dass die Kunden sie auch den überwiegenden Teil der Nutzung mit Elektroantrieb emissionsfrei fahren.

Generell geht es in Deutschland mit den Elektroantrieben vorwärts, im zweiten Quartal laut PwC um insgesamt 26 Prozent. Und die aufgestockten und mit der Corona-Krise in Deutschland nochmals erhöhten Kaufprämien könnten den Fachleuten zufolge noch länger Schub geben. „Aktuell trifft die starke Nachfrage der Verbraucher auf ein noch begrenztes Angebot beziehungsweise lange Lieferzeiten, weshalb die Effekte der staatlichen Fördermaßnahmen in Deutschland erst im kommenden Jahr deutlicher zu spüren sein werden“, erwartet Kuhnert.

In den USA und dem für Elektroantriebe besonders wichtigen chinesischen Markt sah es in der Corona-Krise hingegen weniger gut aus. Im zweiten Quartal sanken die Neuzulassungen von E-Fahrzeugen in China um 22 Prozent, in den USA um 33 Prozent. In beiden Regionen stiegen die Zulassungen von Hybridfahrzeugen im Juni aber bereits an. Es sei zudem damit zu rechnen, dass zusätzliche Förderprogramme die Nachfrage erhöhen dürften.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«