Studie: Sehr kaufbereite Kundschaft verschmäht den Diesel

Autor / Redakteur: Johannes Büttner / Johannes Büttner

Die Aral-Studie „Trends beim Autokauf“ verspricht Autohändlern für die nächsten Monate sehr gute Geschäftsaussichten. Allerdings müssen sie sich auch auf einige, zum Teil erhebliche Veränderungen einstellen.

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(Bild: Aral)

Deutschlands Autokäufer können sich immer weniger für den Dieselantrieb begeistern. Davon profitieren allerdings nicht rein batterie-elektrisch betriebene Fahrzeuge, sondern Autos mit Otto- oder Hybridmotor. Das geht aus der Studie „Trends beim Autokauf 2017“ hervor, die der Mineralölkonzern Aral im Vorfeld der IAA in Frankfurt vorgestellt hat.

Insgesamt prognostiziert die Studie Herstellern und Handel hervorragende Geschäftsaussichten: Noch nie in der 14-jährigen Geschichte der Aral-Studie war das Interesse an einem Autokauf so hoch wie in diesem Jahr. 41 Prozent der Autofahrer wollen sich nach eigenen Angaben in den nächsten 18 Monaten einen anderen Wagen zulegen. Darunter sind überdurchschnittlich viele Neuwageninteressenten.

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Nur noch 18 Prozent (2015: 31 Prozent) der Kaufinteressenten favorisieren den Dieselantrieb. Manipulierte Schadstoffemissionen und die Debatte über drohende Fahrverbote scheinen also ihre Spuren hinterlassen zu haben. Im Gegenzug legt der Ottomotor kräftig zu und steigert seinen Anteil auf 52 Prozent. 15 Prozent setzen auf einen Hybridantrieb, nur jeder 20. gibt an, ein Elektroauto kaufen zu wollen.

„Rein elektrisch angetriebene Pkws bleiben damit in Deutschland vorerst ein Nischenprodukt“, betonte Peter Sauermann, Leiter der Forschung bei Aral, anlässlich der Präsentation der Studie. Grund dafür sei, dass die Autofahrer im Durchschnitt eine Reichweite von 463 Kilometern sowie in ihrer Mehrzahl eine Ladedauer von maximal 30 Minuten erwarten – zwei Werte, die in der Praxis noch deutlich verfehlt würden. In Zukunft werden nach Einschätzung Sauermanns viele Antriebsvarianten parallel existieren. „Es gibt nicht den einen Königsweg.“

Ansehen von VW ist deutlich angeschlagen

Im Markenranking musste VW deutlich Federn lassen. In allen bisherigen Auflagen der Studie waren die Wolfsburger an der Spitze gewesen, diesmal reicht es mit 13 Prozent nur noch zum dritten Rang. Doch die Top-Position bleibt in der Familie, Konzernschwester Audi erobert die Spitze: 17 Prozent der Studienteilnehmer wollen sich beim nächsten Autokauf für die Marke mit den vier Ringen entscheiden. Auch für die deutschen Wettbewerber im Premiumsegment BMW und Mercedes weist der Trend nach oben. Dagegen verlieren neben VW auch die anderen Volumenhersteller Opel und Ford sowie zahlreiche Importeure in der Käufergunst.

Zu dieser Entwicklung passt der Trend bei den Karosserieformen: Nur noch sechs Prozent wollen sich einen Kleinwagen anschaffen. Glaubt man der Studie, steht dafür das Comeback eines Klassikers bevor. Die Limousine verdrängt den Kombi wieder von der Spitze der Rangliste der beliebtesten Karosserieformen. Auf Platz drei folgen die Geländewagen/SUVs, die ihren Anteil binnen zwei Jahren von fünf auf 15 Prozent verdreifacht haben.

Wenn es um die Bezahlung geht, sind die Kunden konservativ. Über die Hälfte will die Autorechnung bar begleichen, ein knappes Drittel setzt auf Finanzierung und nicht einmal ein Zehntel der Privatkäufer auf Leasing.

Wenige Freunde findet das Carsharing: Nur 22 Prozent der Befragten halten dieses Modell für attraktiv. Damit verharrt es auf dem niedrigen Niveau der Vergangenheit. Und auch technologische Innovationen werden überwiegend mit Skepsis begleitet. Zwar wünschen sich immer mehr Kunden Assistenzsysteme im Wagen, doch der große Schritt zum autonomen Fahren kommt aktuell nur für 20 Prozent infrage. 2015 konnte sich ein Drittel mit diesem Gedanken anfreunden.

Traditionell ermittelt Aral abschließend aus allen Ergebnissen der Trendstudie das „Wunschauto“ der Deutschen. Dabei kommt in diesem Jahr eine schwarze Limousine der Marke Audi mit Ottomotor zu einem Preis von 29.650 Euro heraus. Dagegen fasst das „Trendauto“ die Bereiche zusammen, die die größten Zuwächse verzeichnen: ein schwarzer Geländewagen von BMW mit Hybridantrieb.

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