Opel Super? Strom, Ingo!

Autor: Steffen Dominsky

GSe statt GS/E, Elektromotor statt elektronischer Einspritzung: Der Rüsselsheimer Autobauer hat einen Manta A zum „Elektro-MOD“ umgebaut. Dabei greift das Einzelstück diverse Komponenten und Elemente aktueller Modelle auf.

Firmen zum Thema

Ein 70er-Jahre Manta 2021 neu interpretiert: Der Manta GSe trägt das „E“ im Kennzeichen nicht ohne Grund.
Ein 70er-Jahre Manta 2021 neu interpretiert: Der Manta GSe trägt das „E“ im Kennzeichen nicht ohne Grund.
(Bild: Opel GmbH)

Erinnern Sie sich noch? An „Super-Ingo“ aus der DEA-Tankstellenwerbung? „Super, Ingo!“ riefen da Mittankende und Passanten. Doch Manta-Fahrer Ingo stand irgendwie auf dem Schlauch. Er begriff nicht, dass „Super“ weder als Lob für seinen Rüsselsheimer Sportwagen, noch für seinen Kleidungsstil gedacht war. Vielmehr war es ein Rat, statt Diesel doch besser Super in den Tank des Opels zu füllen. Der analoge Ausruf „Super!“ dürfte manch einem Umstehenden in den Kopf schießen, sollte er in den Genuss kommen, den Fahrer des oben abgebildeten Opel Manta GSe beim Tanken zu beobachten. Denn statt zur klassischen Zapfpistole greift der zum Typ-2-Elektrostecker – willkommen beim ersten elektrischen Manta von Opel.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 6 Bildern

Der ist laut dem Rüsselsheimer Hersteller ein „Elektro-MOD“. „MOD“ steht für das englische Wort „modification“, also Veränderung. In Oldtimerkreisen sind seit einiger Zeit sogenannte Restomods populär, klassische Fahrzeuge, in die man moderne Antriebstechnik gepflanzt hat. Fast immer wird dabei ein (schwächlicher) originaler Altmotor durch einen potenten Neumotor ersetzt. Genau das hat eine Gruppe Opelaner mit einem einst mit einem Vierzylinderbenziner versehenen Manta A angestellt. Doch statt dessen Aggregat durch einen aktuellen Verbrenner zu ersetzen, haben sie es gegen einen Elektromotor getauscht. 108 kW Leistung bringt der, was 147 fossilen Pferdestärken entspricht. Zum Vergleich: Der stärkste Manta A leistete als 1974/75 gebauter GT/E 77 kW/105 PS. Während einst das „E“ für elektronische Einspritzung bei der Modellbezeichnung stand, steht beim Manta GSe das „e“ für Elektrifizierung.

Per Fahrzeugfront mit anderen „quatschen“

Dem Fahrer des somit modifizierten Rochens auf Rädern steht damit ein maximales Drehmoment von 255 Newtonmetern zur Verfügung. Die lässt er über das originale Viergang-Schaltgetriebe, wie gehabt, auf die Hinterräder los. In welchem Gang er losfährt: egal. Die E-Maschine legt ohne zu murren einfach los. Ihren Saft erhält sie aus einer Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 31 kWh. Die ermöglicht laut Opel eine Reichweite von rund 200 Kilometern. Wie bei einem serienmäßigen Opel Corsa-e oder Opel Mokka-e kann auch der Manta GSe Bremsenergie zurückgewinnen und in der Batterie speichern. Das reguläre Laden erfolgt über einen 9-kW-On-Board-Charger für ein- und dreiphasigen Wechselstrom. Knapp vier Stunden dauert es, um die Manta-Batterie komplett aufzuladen.

Optisch auffällig ist die Karosserie des Elektro-Mantas vor allem dort, wo bei Verbrennerfahrzeugen gewöhnlich der Kühler bzw. Kühlergrill sitzt. Hier präsentiert der E-Manta über die gesamte Fahrzeugbreite den sogenannten Pixel-Vizor. Über diesen LED-Screen kann der Wagen sogar per Text mit seiner Umwelt kommunizieren. Die LED-Technologie ermöglicht zudem ein integriertes Tagfahrlicht, sowie zwei Hauptscheinwerfer. Auffällig modern und retro zugleich sind die dreidimensional gestalteten Rückleuchten. Gespart haben sich die Erbauer des Einzelstücks die Stoßstangen des Originals – eine bereits zu damaliger Zeit bei vielen Tuningfahrzeugen beliebte Maßnahme.

Ein besonderer Traum

Im Innenraum hat ebenfalls aktuelle Digitaltechnik Einzug gehalten. Die klassischen Rundinstrumente sind Geschichte, stattdessen blickt der Pilot nun auf ein breites „Opel-Pure-Panel“, wie bereits beim neuen Mokka. Hier zeigen zwei integrierte, fahrerorientierte Widescreens mit 12 und 10 Zoll wichtige Informationen zum Auto wie Ladezustand und Reichweite an. Ebenfalls modern fallen die Sportsitze aus: Sie waren einst für den Opel Adam S entwickelt worden. „Alt“ hingegen blieb das überarbeitete Petri-Dreispeichen-Lenkrad.

Wer abschließend die Frage stellt, was dieser Manta kostet, bzw. wie und wo man solch einen modifizieren lassen kann, der wird enttäuscht. Laut seiner Erbauer ist der GSe eine Hommage an den Manta von früher und zugleich ein „Brand Statement“ für die Gegenwart. Opel-Mann Quentin Huber, Leiter Markenstrategie und Social Media bei Opel, spricht davon, dass man einfach mal „mutig“ und „aufregend anders“ sein wollte. Vorerst bleibt der Manta GSe ElektroMOD ein einzigartiges Forschungsprojekt, das den Fans der Marke gewidmet ist. „Aktuell ist nicht geplant, weitere klassische Opel-Fahrzeuge umzubauen. Wir werden die Reaktionen jedoch sorgfältig beobachten und halten uns alle Möglichkeiten offen“, teilt ein Opel-Sprecher auf »kfz-betrieb«-Anfrage mit.

(ID:47433113)

Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group