Suzuki hofft auf mehr Autos

Autor / Redakteur: Christoph Seyerlein / Christoph Seyerlein

Bei Suzuki läuft es in Deutschland derzeit so gut, dass der Handel über Lieferengpässe klagt. Die Geschäftsleitung von Suzuki Deutschland ist zuversichtlich, dass sich dieses Problem bald entzerrt.

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Noch im Doppelpack bei Suzuki an Bord: Felix von Eynern (li.) und Thomas Wysocki.
Noch im Doppelpack bei Suzuki an Bord: Felix von Eynern (li.) und Thomas Wysocki.
(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Redaktion: Herr Wysocki, bei unserem Gespräch am Rande des diesjährigen Genfer Autosalons hatten Sie das Ziel ausgegeben, 2017 rund 34.000 Neuwagen in Deutschland verkaufen zu wollen. Jetzt haben Sie nach zehn Monaten bereits 32.119 Einheiten abgesetzt. Zeit für eine Korrektur nach oben?

Thomas Wysocki: Auf jeden Fall. Wir sind dieses Jahr sehr erfolgreich unterwegs. Uns freut es besonders, dass die meisten unserer Neuzulassungen aus dem Endkundenbereich stammen. Der Anteil liegt bei fast 70 Prozent, darauf zählen wir auch stark. Ich schätze, dass wir dieses Jahr insgesamt etwa 35.500 Einheiten schaffen werden.

Mit einer Absatzsteigerung um gut 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr legen Sie derzeit deutlich stärker zu als der Gesamtmarkt. Wie erklären Sie sich dieses Wachstum?

Felix von Eynern: Wir bedienen ausgewählte Segmente: Kleinwagen und kleine, kompakte SUVs. Besonders ausgezahlt hat sich für uns der Ignis, den wir zu Beginn dieses Jahres eingeführt haben. Mit ihm haben wir das neue Segment „Micro-SUVs“ geschaffen und damit wohl den Nerv der Kunden getroffen. Aus unserer Sicht ist die Kombination aus Platz, guter Sitzposition, Wendigkeit und Allrad beim Ignis einzigartig. Damit hat uns das Auto den entscheidenden Schub nach vorne gegeben. Die Produktion ist nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa so gut wie ausverkauft. Natürlich ist es auch gut, dass wir mit dem Ignis ein Fahrzeug haben, das andere so nicht haben. Das zieht Kunden in die Schauräume und hat so automatisch Streueffekte auf andere Modelle zur Folge.

Anfang des Jahres hatten Sie gesagt, dass bereits direkt nach Marktstart 3.000 Vorbestellungen für den Ignis vorlagen. Per Oktober haben Sie laut KBA 6.504 Einheiten ausgeliefert. Heißt das nun, dass das Interesse an dem Modell abflacht?

Der Ignis ist in ganz Europa so erfolgreich, dass die Produktion in Japan gar nicht hinterher kommt. Ich schätze, dass wir bis zum Jahreswechsel rund 7.000 Einheiten in Deutschland zugelassen haben werden. Das ist nicht annähernd das, was wir erreichen könnten. 10.000 Einheiten wären mit Sicherheit drin. Ich gehe davon aus, dass sich die Situation im kommenden Jahr entzerren wird und wir so die Nachfrage wie gewünscht bedienen können.

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Zuletzt lag Ihr Marktanteil in einigen Monaten bei 1,3 Prozent, das ist mehr als die von Ihnen angepeilten 1,1 Prozent. Bleiben Sie perspektivisch bei Ihrer Zielsetzung?

Der Marktanteil ist für uns zweitrangig, wir werden eher an „ehrlichen“ Stückzahlen gemessen. Wichtig ist vor allem, dass wir unsere Händler mit den gefragten Produkten ausstatten können. Wir erkaufen keine Marktanteile über Eigenzulassungen oder andere taktische Modelle.

Frisch am Markt ist der neue Swift. Er liegt mit 5.104 Einheiten klar hinter dem bereits relativ mäßigen Vorjahresniveau zurück (-23,4 %). Droht der Neue zu floppen?

Den neuen Swift gibt es jetzt seit einem guten halben Jahr. Unsere Händler hatten zuvor noch große Restbestände vom Vorgänger und Leasingrückläufer, die vermarktet werden mussten. Zudem ist die Liefersituation beim Swift noch nicht optimal. Zwar ist die Nachfrage nicht so groß wie etwa beim Ignis. Aber wir sind uns sicher, dass der Swift hier stark aufholt. In Frankfurt haben wir nun den neuen Swift Sport vorgestellt, Anfang 2018 kommt er in den Verkauf. Ihn werden wir ins Rampenlicht rücken, und wir sind uns sicher, dass er den Absatz ankurbeln wird. Im Kleinwagensegment ist der Swift immer der Gradmesser für Suzuki. Wir werden alles dafür tun, dass auch die neue Generation wieder ein Erfolg wird.

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Dem Baleno hatten Sie in Genf noch Luft nach oben prophezeit. Wie zufrieden sind Sie heute?

Es ist immer Luft nach oben, die Aussage bleibt bestehen. Allerdings steht der Baleno bei uns nicht so sehr im Fokus. Fahrzeuge wie der Vitara, der Ignis oder der Swift haben in Deutschland einfach ein ganz anderes Marktpotenzial. Preis-Leistung und innere Werte des Baleno stimmen, aber wir werden ihn nicht stärker pushen. Interessant ist, dass die Käuferschicht des Baleno extrem jung ist. Eigentlich hatten wir bei ihm eher mit älteren Kunden gerechnet.

Was erwarten Sie sich vom SX4 S-Cross in den kommenden Monaten?

Das Facelift hat dem Fahrzeug sehr gut getan. Das derzeitige Verkaufsniveau geht in Ordnung. Der SX4 S-Cross bewegt sich in einem ähnlichen Umfeld wie der Vitara. Mit ihm haben wir eher die ältere Zielgruppe im Blick; der Vitara soll mehr die Jüngeren ansprechen.

Vom Vitara haben Sie im bisherigen Jahr deutlich weniger verkauft als zum gleichen Zeitpunkt 2016 (-8,6 % per Oktober). Liegt das allein an der Dieselkrise, oder steckt da noch mehr dahinter?

Der zunehmende Fokus weg vom Diesel sorgt hier schon für einen klaren Einbruch. Unser 1,4-Liter-Benziner Boosterjet, den wir aktuell für den Vitara im Angebot haben, spielt eine wesentlich bedeutendere Rolle als ursprünglich geplant. Daher ist hier momentan die Verfügbarkeit nicht auf dem gewünschten Level. Ermüdungserscheinungen seitens des Handels oder der Kunden sehen wir beim Vitara definitiv nicht. Alles, was bei uns reinkommt, geht sofort an den Handel. Wir haben keinen Lagerbestand.

Sie verzichten im Gegensatz zu vielen anderen Fabrikaten bislang auf eine Umstiegsprämie für Autofahrer mit alten Dieseln. Warum?

Diese Umstiegsprämien sind meines Erachtens nichts anderes als verdeckte Maßnahmen zur Verkaufsförderung. Suzuki Deutschland bietet attraktive Finanzierungsangebote und Verkaufsprämien an, die als solche auch klar zu erkennen sind. Im Rahmen der Suzuki-Allradwochen gewähren wir beispielsweise bis Ende September 2017 bis zu 2.000 Euro Allradprämie auf Suzuki-Fahrzeuge mit Allradantrieb. Zudem profitieren unsere Kunden von attraktiven Sonderfinanzierungen für alle unsere Modelle.

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Die Rufe nach alternativen Antrieben werden immer lauter. Einige Ihrer Modelle bieten Sie mit einem Mildhybrid-System an. Spielt das beim Absatz eine Rolle, oder ist das eine reine Randerscheinung?

Der Mildhybrid spielt bei den Verkäufen noch eine untergeordnete Rolle. Aufgrund geringerer Verbräuche und der damit verbundenen guten Wirtschaftlichkeit sind wir aber zuversichtlich, dass der Anteil stetig zunimmt.

Was haben Sie sonst noch in der Pipeline? Kann man in naher Zukunft mit einem reinen oder einem Plug-in-Hybrid, einem Elektroauto, einem Brennstoffzellenfahrzeug oder vielleicht sogar etwas ganz anderem von Suzuki rechnen?

Suzuki ist der zehntgrößte Automobilhersteller der Welt – und auch uns ist klar, dass schon bald wieder schärfere Grenzwerte auf uns zukommen. Dementsprechend müssen wir uns vorbereiten. Nähere Details können wir zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht verraten.

Kommen wir zu Ihrem Händlernetz. Sie haben zuletzt immer wieder betont, auf der Suche nach weiteren Partnern zu sein. Wie kommen Sie damit voran?

Das läuft soweit sehr gut. Wir wollten in diesem Jahr rund 40 neue Händler ans Netz nehmen, über 30 haben wir schon gefunden. Aktuell sehen wir noch wenige Open Points. Wir liegen also voll auf Kurs. Unsere Marke hat wieder an Aufmerksamkeit gewonnen, auch die Modellpalette passt. Für viele Händler stellen wir eine gute Ergänzung zu ihren anderen Fabrikaten dar. 70 Prozent unserer Partner vertreibt Autos anderer Marken, 30 Prozent exklusiv Suzuki-Modelle. Diese Aufteilung passt für uns ganz gut. Wir bleiben uns beim Thema Händlernetz auf jeden Fall treu: Wer Interesse hat, mit Suzuki zu arbeiten, soll sich bei uns melden, dann loten wir die Optionen gemeinsam aus.

Was müssen interessierte Händler mitbringen, um für Sie als Partner in Frage zu kommen?

Uns ist eine gute Persönlichkeit wichtig. Suzuki ist ein Familienunternehmen, wir sehen unsere Händler als Partner. Die Standards sollten kein Problem darstellen: Wir fordern 150 Quadratmeter Schauraumfläche exklusiv für Suzuki und einen Verkäufer, der sich allein um Suzuki kümmert. Auch an der Werkstattausrüstung soll es nicht scheitern. Um es auf den Punkt zu bringen: Wer Suzuki-Partner werden will, muss etwa 32.000 Euro in die Hand nehmen, dann ist er dabei. Wer schon eine gute Werkstatt hat, kommt auch mit weniger Geld hin.

Wie groß ist Ihr Händlernetz derzeit?

Wir haben 422 Vertriebsstandorte, mit Filialen kommen wir auf 538 Betriebe.

Können Sie die durchschnittliche Rendite Ihrer Händler beziffern?

Ich kann zumindest so viel sagen: Mir ist in meiner Zeit kein einziger reiner Suzuki-Händler bekannt, der Pleite gegangen ist.

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Im Sommer haben Sie das Gebrauchtwagensiegel Suzuki Select eingeführt. Wie soll das Programm Ihre Partner im Gebrauchtwagenhandel voranbringen?

Wir schaffen eine Plattform, über die Händler Waren untereinander austauschen können. Allgemein wollen wir das Gebrauchtwagengeschäft professioneller gestalten. Wir geben mit Suzuki Select natürlich auch den Kunden Versprechen wie beispielsweise den 100-Punkte-Check, die in der Außenwirkung wichtig sind. Die Nachfrage nach dem Programm ist sehr hoch. Bislang haben sich über 100 Händler angemeldet, zertifiziert haben wir aus Zeitgründen bisher 90.

Wie viel Geld müssen Händler investieren, um an Suzuki Select teilnehmen zu können?

Das ist für den Händler komplett kostenfrei. Wir übernehmen die Erstausstattung der Betriebe mit POS-Materialien sowie die Kosten für die Zertifizierung. Auch später fallen für unsere Partner keine gesonderten Gebühren für Select-Fahrzeuge an.

Ein Dauerthema in der Branche ist die Digitalisierung. Gibt es da etwas Neues von Ihnen im Hinblick auf den Handel?

Wir halten unseren Händlern bei dem Thema den Rücken ziemlich frei. Wir haben eine bestehende Innen-CI, und es gibt keine Pläne, jetzt alles von heute auf morgen zu digitalisieren. Kein Partner braucht damit zu rechnen, dass große Investitionen auf ihn zukommen.

Kurz noch zur personellen Zukunft bei Suzuki Deutschland: Herr von Eynern, Sie sind seit dem 1. Juni Teil der Suzuki-Führungsspitze. In der Pressemitteilung hieß es, Sie sollen einige Bereiche von Herrn Wysocki übernehmen. Was genau ist Ihre Aufgabe?

Perspektivisch ist geplant, dass ich die Aufgaben von Herrn Wysocki übernehme. Ich wachse nun mehr und mehr in meine Rolle bei Suzuki hinein. Die Themen werden peu à peu an mich übergeben, und ich werde zunehmend in zentrale Projekte eingebunden. Thomas Wysocki ist aber weiterhin an Bord und hat weiterhin das Sagen.

Herr Wysocki, wann ist mit dieser Übergabe zu rechnen?

Genau kommunizieren will ich das noch nicht, aber es gibt einen absehbaren Horizont. Uns ist ein guter Übergang wichtig. Wir wollen unseren Plan auch den Händlern und Mitarbeitern vorstellen und nehmen uns dafür die notwendige Zeit.

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