Tachobetrug: Markenvertragshändler fordern Register für Deutschland

Autor: Viktoria Hahn

Laut einer Studie entsteht den Bürgern in der EU wegen der Kilometer-Manipulation an Fahrzeugen jährlich ein Milliarden-Schaden. Deshalb fordert der Verband der Markenvertragshändler nun ein zentrales Register zur Erfassung der Fahrzeugdaten in Deutschland.

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(Bild: ADAC/Simon Koy)

Der Verband der Markenvertragshändler (VMH) setzt sich gemeinsam mit dem europäischen Kfz-Dachverband Cecra für ein zentrales Register zur Erfassung der Fahrzeugdaten in Deutschland ein, um die Kilometer-Manipulation an Fahrzeugen zu unterbinden. Das teilte der VMH mit. „Das Zurückdrehen von Kilometerzählern ist weit verbreitet und hat nicht nur enorme Konsequenzen für den Verbraucher, sondern beeinflusst auch den Gebrauchtwagenmarkt erheblich“, so Mathias R. Albert, Vorsitzender der 2018 gegründeten Interessenvertretung der deutschen Markenhändler. „Ferner beeinträchtigt die Manipulation des Tachos die Verkehrssicherheit und die Umwelt auf unseren Straßen.“ Jetzt sei die Politik gefordert, einen entsprechenden gesetzlichen Rahmen zu schaffen.

Laut einer Studie des Europäischen Parlaments aus dem Jahr 2018 sollen bei bis zu 40 Prozent der grenzüberschreitend gehandelten Gebrauchtwagen die Kilometerstände verfälscht worden sein. EU-weit entstehe den Bürgern so ein Verlust von 8,9 Milliarden Euro pro Jahr. Dabei handele es sich um eine vorsichtige Schätzung, heißt es in der Studie. Der Schaden, den Verbraucher durch manipulierte Fahrzeuge erleiden, die innerhalb eines Landes verkauft werden, ist nicht berücksichtigt.

Belgien und die Niederlande haben Zahlen bereits gesenkt

Ermittlungsergebnisse der Polizei aus dem Jahr 2019, die dem ADAC vorliegen, kommen zu dem Ergebnis, dass an jedem dritten in Deutschland verkauften Gebrauchtwagen der Tacho manipuliert wurde. Der verfälschte Kilometerstand führe pro Fahrzeug im Durchschnitt zu einer illegalen Wertsteigerung von 3.000 Euro. Das verursache allein in Deutschland jedes Jahr einen Schaden von über sechs Milliarden Euro.

Länder wie Belgien und die Niederlande hätten es bereits geschafft, die Zahl der manipulierten Autos erheblich zu senken. Der französische Senat wird sich demnächst mit einem Gesetzesentwurf zur Bekämpfung des Kilometerzähler-Betrugs befassen, wonach Daten zur Historie aller zugelassenen Fahrzeuge in einem zentralen Register gesammelt werden müssen. In der Datenbank sollen neben gefahrenen Kilometern auch die bei Werkstattaufenthalten aufgezeichneten Parameter gespeichert werden.

Zudem sollen Gebrauchtwagenverkäufe in Frankreich künftig ausschließlich über Standardverträge abgewickelt werden, welche eine Passage zur Fahrzeughistorie enthalten. Der Registerauszug zum jeweiligen Gebrauchtwagen muss dem Käufer ausgehändigt werden.

VMH sieht auch Autohersteller in der Pflicht

„Wir glauben, dass in Deutschland, aber auch auf europäischer Ebene große Ergebnisse erzielt werden könnten, wenn wir die Erfahrungen unserer Nachbarländer nutzen“, so Mathias R. Albert weiter. Der VMH setze sich deshalb gemeinsam mit der Cecra für die Schaffung von nationalen Datenbanken und den obligatorischen Austausch von Kilometerständen in der gesamten EU ein.

Bei jeder technischen Inspektion müsse der Fahrzeugkilometerstand erfasst und gespeichert werden. Darüber hinaus sieht der VMH die Autohersteller in der Pflicht, manipulationssichere Lösungen zu entwickeln.

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Volontärin des Newsdesk von »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG