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Taktische Zulassungen im Sturzflug

Autor: Andreas Grimm

Trotz des leichten Zulassungsrückgangs im Oktober hat sich das Kerngeschäft mit den Privat- und Geschäftskunden gut entwickelt. Für das Minus sorgten starke Rückgänge in den taktischen Kanälen – eine Entwicklung, die schon länger anhält.

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Die Zahl der Eigenzulassungen im Handel und durch die Hersteller sinkt seit dem Sommer ab.
Die Zahl der Eigenzulassungen im Handel und durch die Hersteller sinkt seit dem Sommer ab.
(Bild: Grimm/»kfz-betrieb«)

Der deutsche Neuwagenmarkt ist gemäß den Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts im Oktober zwar geschrumpft, doch der Rückgang ist kein Grund zur Beunruhigung. Wie eine Auswertung der Zulassungszahlen durch die Marktbeobachter von Dataforce ergab, ist das Minus vor allem einem starken Rückgang der Eigenzulassungen geschuldet. Der Privatmarkt und das Gewerbekundengeschäft – mithin die profitablen Absatzkanäle – legten dagegen deutlich zu bzw. blieben weitgehend stabil.

In Kauflaune waren zuletzt trotz der Corona-bedingten Unsicherheiten für Konjunktur und Arbeitsplatz die Privatkunden. In diesem Segment legten die Neuzulassungen im Oktober um 6,8 Prozent auf 104.529 Einheiten zu. Der Privatmarkt sei „erstaunlich robust“, heißt es in der Dataforce-Analyse. Einen Grund für die Entwicklung sehen die Analysten in der gestiegenen Bedeutung individueller Mobilität. Aber auch die aktuelle Verkaufsförderung durch die gesenkte Mehrwertsteuer sowie die hohen Zuschüsse beim Kauf von E-Autos dürften in den starken Privatmarkt einfließen. Der Privatkundenanteil lag im Oktober bei sehr hohen 38,1 Prozent.

Auch der Firmen- und Flottenkundenmarkt war zuletzt einigermaßen stabil. War das Segment im September noch gewachsen (+8,5 %), ist im Oktober ein leichter Rückgang zum Vorjahresmonat festzustellen (-1,9 %). Allerdings sind die Zahlen nur bedingt mit den Vorjahreswerten vergleichbar, da die zweite Stufe der WLTP-Umstellung zu vorgezogenen Zulassungen geführt hatte. Im Flottengeschäft werden also die Firmenwagen wie geplant getauscht. Hier erwartet Dataforce aber mittelfristig einen deutlichen Einbruch, da die Fuhrparkmanager „infolge weiter sinkender Laufleistungen vermehrt über längere Nutzungszeiträume nachdenken“.

Bemerkenswert ist der scharfe Rückgang der Eigenzulassungen im Oktober, nachdem sowohl die Händler als auch die Hersteller bereits im September ihre taktischen Zulassungen im guten Marktumfeld leicht zurückgefahren hatten. Im Oktober sanken nun die Eigenzulassungen der Hersteller und Importeure um 15,8 Prozent auf knapp 22.000 Einheiten. Die Händler brachten noch 46.000 Einheiten zur Zulassung – 13,1 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Kommt jetzt die Trendwende?

Die Entwicklung ist insbesondere im Handel erstaunlich, sind doch gerade auch junge Gebrauchte im Markt derzeit sehr gefragt. Offenbar sind die Autohäuser derzeit darauf bedacht, ihre Bestände an jungen Gebrauchten zu kontrollieren und damit die Liquidität zu schonen. Schon seit Juli sinken die Eigenzulassungen des Handels – und teils auch der Hersteller – im Vorjahresvergleich deutlich ab. Ob sich das in den kommenden beiden Monaten beibehalten lässt, bezweifelt Dataforce allerdings vor dem Hintergrund, dass vielfach noch CO2-Ziele erreicht werden müssen. Eine Welle an Eigenzulassungen von batterieelektrischen und Hybridfahrzeugen scheint folglich denkbar.

Wenig überraschend ist der Rückgang des dritten taktischen Kanals, der Zulassungen an die Autovermieter. Angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen deutete sich im Oktober bereits eine sinkende Reisetätigkeit an. Folglich ist die Nachfrage an Mietfahrzeugen deutlich gesunken. Im Oktober wurden die Vermietflotten mit 23.000 Neuwagen aufgefüllt. Das war ein Rückgang um ein Sechstel (-16,2 %).

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«