Reifenhersteller investieren in Europa

Neue Werke heizen den Wettbewerb weiter an

| Autor: Jan Rosenow

Platz für 250.000 Reifen: neues Nexen-Lager bei Kassel.
Platz für 250.000 Reifen: neues Nexen-Lager bei Kassel. (Bild: Nexen)

Der europäische Reifenersatzmarkt stagniert zwar, bietet mit rund 200 Millionen Exemplaren aber immer noch eine attraktive Gesamtgröße. Zudem ist eine Präsenz in Europa – erst recht im Erstausrüstungsgeschäft – extrem wichtig für das Markenimage und die Entwicklung konkurrenzfähiger Produkte. Deshalb finden es vor allem asiatische Reifenhersteller attraktiv, in Europa mit einem eigenen Fertigungsstandort präsent zu sein, um schnell auf Kundenanforderungen reagieren zu können. Damit heizen sie jedoch gleichzeitig den Verdrängungswettbewerb auf dem Ersatzmarkt weiter an, weil sie ihre zusätzliche Produktionsmenge in einen eigentlich gesättigten Markt drücken.

Ein Unternehmen, das dabei besonders erfolgreich ist, heißt Nexen. Der südkoreanische Konzern eröffnet demnächst, am 28. August 2019, offiziell seine erste europäische Produktionsstätte in Zatec, Tschechien. Seit Ende April 2019 ist das Werk aber bereits in Betrieb und hat schon die ersten Reifenchargen ausgeliefert. Nexen investierte rund eine Milliarde Dollar und schuf nach eigenen Angaben eine der modernsten Reifenproduktionsanlagen weltweit. Damit soll sich die Produktionskapazität der Koreaner von bislang 40 Millionen Reifen (Stand 2017) um 25 Prozent erhöhen. Nexen will 2019 noch drei Millionen Reifen in Zatec herstellen; der Ausstoß soll bis 2022 auf elf Millionen steigen.

Toyo: Entwicklung in Deutschland, Fertigung in Serbien

Wichtig für den Ersatzmarkt ist eine weitere nennenswerte Nexen-Investition: Im Juli hat das Unternehmen ein neues Reifenlager eingeweiht. Am neuen Standort in Staufenberg nördlich von Kassel kann der Reifenhersteller auf 9.000 Quadratmetern rund eine Viertelmillion Reifen deponieren, umschlagen und für den Versand vorbereiten. Der Reifenhersteller fokussiert sich hier auf die Produktbereiche Pkw, SUV und Leicht-Lkw.

Auch der traditionsreiche japanische Anbieter Toyo engagiert sich verstärkt in Europa und eröffnet im Herbst sein erstes europäisches Entwicklungszentrum. Wobei es sich angesichts der Größe eher um ein Büro als um ein Zentrum handelt. Vorerst sollen sich rund zehn Mitarbeiter am Standort Willich, Nordrhein-Westfalen, mit der Sammlung und Auswertung von Rohmaterialien, Reifenentwicklung, Marktforschung und Ähnlichem befassen – also der klassischen Konkurrenzbeobachtung.

Die in Willich gewonnenen Erkenntnisse werden ab 2022 in einem neuen Werk in Serbien in die Produktion überführt. Bisher produziert Toyo alle Reifen in Japan und Malaysia. Die neue Produktionsstätte in Serbien soll die Reifenproduktion insgesamt sowie die Verfügbarkeit und Lieferfähigkeit signifikant stärken. Toyo will dort Reifen für Luxusfahrzeuge und leichte Nutzfahrzeuge produzieren.

Der Bau des Werkes soll im Mai 2020 beginnen; im Januar 2022 soll die Reifenproduktion mit einer Kapazität von fünf Millionen pro Jahr starten.

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