Technische Feinstaub- und NOx-Vernichter statt Fahrverbote?

Filterspezialisten und Start-ups suchen Lösungen

| Autor: Andreas Grimm

Der mobile „Stadtluftreiniger“ soll für weniger Feinstaub- und NOx-Belastung an Brennpunkt-Straßen sorgen.
Der mobile „Stadtluftreiniger“ soll für weniger Feinstaub- und NOx-Belastung an Brennpunkt-Straßen sorgen. (Bild: Purevento)

Die Diskussion um saubere Luft in den Städten ist derzeit zwar besonders schrill, dass das Thema aber dringlich wird, war schon früher absehbar. Entsprechend beschäftigt die Frage der Schadstoffbeseitigung Forscher und Tüftler schon länger – und treibt zum Teil seltsame Blüten. Bei den Ideen zur Schadstoffbeseitigung handelt es sich aber mitnichten um verfrühte April-Scherze.

Angesichts der hochkochenden NOx-Diskussion verspricht derzeit eine Anlage der Firma Purevento mit Sitz in Trittau (Kreis Stormann) Abhilfe bei drohenden Diesel-Fahrverboten. Das Unternehmen bietet mobile Absauganlagen an, die gezielt an emissionsbelasteten Straßen aufgestellt werden können, um die Luft zu reinigen – und damit wohl auch in direkter Nachbarschaft zu den Messstationen.

Das Herzstück dieser so genannten Stadtluftreiniger sind die synchron arbeitenden Reinigungseinheiten mit einem Filtersystem aus Vorfilter, Taschenfilter und Aktivkohlefilter. In ihnen sollen sowohl Feststoffe wie Feinstaubpartikel als auch gasförmige Verunreinigungen hängen bleiben. Die Luft wird auf der Straßenseite eingesaugt und auf der Fußgängerseite wieder abgegeben. Purevento verspricht, auf diese Weise 85 Prozent der Stickoxide aus der Luft auszuscheiden.

Ein Prototyp der Anlage, die äußerlich wie ein 4,80 Meter langer und 2,40 Meter hoher Container aussieht, wurde am 6. Februar in Kiel aufgestellt. Dort liegen die NOx-Emissionen am Theodor-Heuss-Ring immer wieder über dem erlaubten Grenzwert – der Stadt und den Autofahrern drohen Fahrverbote. Neben anderen Maßnahmen wie einer Elektrifizierung der ÖPNV-Flotte soll der Stadtluftfilter ein weiterer Baustein sein, um die Emissionsbelastung in den Griff zu bekommen. Laut einem NDR-Bericht kostet die Anlage 80.000 Euro.

Um nicht selbst zum Emissions-Verursacher zu werden, wird der Luftreiniger grundsätzlich mit dem Strom betrieben, den die integrierten Solarzellen liefern. Er kann aber auch an das Stromnetz angeschlossen werden. Zudem sei er geräuscharm, bei Volllast emittiere das Gerät nicht mehr Lärm als ein belebtes Café, so die Purevento-Eigenwerbung.

Feinstaubfresser direkt am Fahrzeug

Zumindest was die Feinstaub-Reinigung angeht, hat das Gerät aber bereits etablierte Konkurrenz. Der Filterspezialist Mann+Hummel hatte bereits seinen Feinstaubfresser vorgestellt. Die Technik testet das Unternehmen derzeit mit 17 Filtersäulen am Stuttgarter Neckartor. Der stationäre Feinstaubfresser sieht aus wie eine eckige Litfaßsäule und besteht aus Würfeln mit Filtern und Ventilatoren, die die Luft durch die Filter drücken, um den Feinstaub abzuscheiden.

Ein ähnliches System hat der Filterspezialist für den Einbau am Auto entwickelt, so dass die Filtereinheit während der Fahrt ähnlich viel Dreck ausfiltert wie es produziert. Diesen mobilen Feinstaubfresser hatte Mann+Hummel erstmals auf der IAA 2017 in Frankfurt gezeigt. Eine weitere Möglichkeit ist der Bremsstaub-Partikelfilter, der den Feinstaub-Abrieb der Bremsbeläge direkt wieder aus der Luft zieht.

Zudem hat Mann+Hummel eine Technologie angekündigt, die zur Senkung der Stickstoffdioxid-Belastung an vielbefahrenen Straßen beitragen soll. Näher will sich das Unternehmen aber noch nicht dazu äußern.

Moose sollen Feinstaub binden

Ein dritter Weg zur Feinstaubreduktion sind Pflanzen, speziell Moose. Diesem Thema widmet sich beispielsweise das Forschungsprojekt „Moos Tex“ des Deutschen Instituts für Textil- und Faserforschung (DITF), in dem auch der Baukonzern Züblin und die Helix Pflanzen GmbH mitarbeiten. Modulare Mooswände, die in Innenstädten oder stark belasteten Orten aufgestellt werden, sollen auf biologische Weise den Feinstaub binden und verstoffwechseln, so dass sie letztlich verschwinden.

In diesem Frühjahr soll dazu ein umfangreicher Feldversuch mit Messungen und verschiedenen Moossorten starten – einmal mehr an Testwänden im Bereich Neckartor in Stuttgart sowie an der B 27 in Ludwigsburg. Die Moose werden dazu an Wandsegmenten angebracht und bei Bedarf bewässert. Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zu ähnlichen früheren Versuchen. Diese waren gescheitert, weil das Moos vertrocknete und damit seine Filterwirkung verlor.

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