Techno Classica: Kauflust auch im Hochpreis-Segment

| Autor: Steffen Dominsky

Vor 30 Jahren – das waren noch Zeiten: 1989 startet die S.I.H.A. mit ihrer Techno Classica.
Vor 30 Jahren – das waren noch Zeiten: 1989 startet die S.I.H.A. mit ihrer Techno Classica. (Bild: Dominsky)

Mit circa 1.250 Ausstellern, über 200 Club-Präsentationen und rund 20 offiziellen Ständen internationaler Automobilhersteller hat die Techno-Classica Essen an ihrem 30. Geburtstag die Ruhrmetropole erneut zur Hauptstadt des Klassikuniversums gemacht. Mit diesem Ergebnis hat das Oldiespektakel seine Position als weltgrößte Messe in diesem Segment mit diversen Superlativen erfolgreich verteidigt. Über 190.000 Besucher aus 46 Nationen pilgerten laut Veranstalter in die neu gestalteten Essener Messehallen. Über 2.700 Liebhaber- und Sammlerfahrzeuge gab es zu bestaunen, viele auch zu erwerben.

„Die Vielzahl der Verkauft-Schilder an den Fahrzeugen aller Preisklassen zeigte, dass mit der Techno-Classica die Zeit des Abwartens vorbei war“, erklärte die S.I.H.A., der holländische Ausrichter der Messe. Galt der Klassikermarkt gerade im Hochpreissegment in den letzten beiden Jahren eher als schwierig, so stimulierte die „Techno“ offenbar die weltweite Kauflust. Dafür spricht zumindest das Ergebnis von RM Sotheby’s: Neben der traditionellen Coys-Auktion veranstaltete das weltweit führende Klassikerauktionshaus erstmals eine Old- und Youngtimerversteigerung in Deutschland. Von den angebotenen 229 Sammlerautomobilen fanden 86 Prozent während der zweitägigen Auktion neue Besitzer – ein ziemlich hoher Wert.

Techno Classica 2019: Glückwunsch zur 30. Auflage

Zu den Publikumslieblingen in Essen zählen jedes Jahr aufs Neue die Stände, mit denen sich die zahlreichen Clubs oft mit viel Herzblut und Fantasie präsentieren. Sie gaben auch in diesem Jahr wieder ihr Bestes, was nicht in jedem Fall immer ganz leicht war und diversen Besuchern auch auffiel. Grund war das noch immer im Umbau begriffene Messegelände, das die Clubs vielfach in provisorische Zeltstädte verbannte, beziehungsweise die Tatsache, dass sie erst in letzter Minute vom Ort und vor allem von der Größe ihrer Standfläche erfuhren. Das macht eine Planung schwierig. Doch im kommenden Jahr soll der seit Jahren dauernde Umbauzustand Geschichte sein.

Mit besonders viel Herzblut gestalteten die Oldtimerfreunde Dortmund ihren Stand als Hafenkneipe „Zur letzten Rettung“. Dafür heimsten sie den Pokal für den besten Clubstand der Messe ein.

Erstmals präsentierte sich der 160.000 Mitglieder zählende Porsche Club of America auf der Techno-Classica – ein sicher nicht untrügliches Indiz dafür, welchen Ruf die Messe mittlerweile sogar außerhalb Europas genießt.

Innerhalb Europas beziehungsweise Deutschlands liegen die Aufgaben des Deuvets, des deutschen Oldtimerdachverband. Der präsentierte sich dieses Mal nicht traditionell, sondern ganz modern in Essen: Er stellte nämlich seine verbandliche Neuausrichtung vor.

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Wo war Opel und was machte BMW da?

„Bewegung“ zeigte sich ebenso bei einer anderen festen Größe der Techno Classica, nämlich bei den Automobilherstellern. Viele nutzen die Messe wie gewohnt zum Zelebrieren der eigenen Historie. Zum Teil jedoch auch, um Neues vorzustellen. So stellte zum Beispiel Volvo in Form einer Weltpremiere den neuen S60 vor. Und Alfa Romeo enthüllte als Deutschlandpremiere einen von auf zehn Exemplare limitierten Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio Racing. Klar kann man die Nase rümpfen und sagen „Was sollen echte Neuwagen auf der Oldtiemesse?“ Andererseits ist auch klar, dass kein Unternehmen Geschichtspflege aus karitativen Erwägungen betreibt. Diese ist stets Mittel zum Zweck und zahlt, wie man neudeutsch inzwischen so gern sagt, „auf die Marke ein“.

Vor diesem Hintergrund wundert es oder eben auch nicht, dass Opel erstmals seit Langem nicht auf der Techno vertreten war. Aber klar, schließlich dürfte bei nicht wenigen Rüsselsheimern gerade die nackte Angst ums Überleben wichtigstes Thema sein. Seltsam jedoch mutete der Auftritt von BMW und Mini an. Der war winzig und damit ein Schatten seiner selbst, verglichen mit den Vorjahren. Feiert man so 90 Jahre Automobilbau auf der weltgrößten Oldtimermesse? Anders und wie gewohnt beeindruckend dagegen der Auftritt von Mercedes-Benz. Auch was die Ford-Clubs im Namen des Herstellers, der selbst nach wie vor kein Interesse an Traditionspflege zeigt, auf die Beine und mit „50 Jahre Capri“ inszeniert hatten, verdient Anerkennung.

Interessantes von Fiat und Jaguar

Die eigene Brauchtumspflege kommt bei FCA – besser gesagt: beim italienischen Arm des Konzerns – immer mehr ins Rollen. Erst vorletzte Woche eröffneten Fiat/Alfa-Romeo/Lancia seinen neuen Klassikschrein in Turin. Und auch Citroën präsentierte sich mit einem ansehnlich großen Stand, wenngleich die optische Darbietung etwas sehr laissez faire, also hemdsärmlig, wirkte. Die Franzosen begehen in diesem Jahr ihr 100-Jähriges.

Unter Spannung stand im wahrsten Sinne des Wortes das, was Jaguar Land Rover Classics als Europapremiere feierte: Erstmals brachten die Briten den Jaguar E-Type Zero mit Elektroantrieb auf den Kontinent. Er basiert auf einem klassischen Jaguar E-Type, bietet aber verbrennungslosen Vortrieb. Ins gleiche Elektrohorn stößt die viel kleinere englische Firma RBW Classic Cars. Sie baut komplett aus Neuteilen einen MG B nach und versieht ihn mit tatkräftiger Unterstützung von Continental mit einem E-Antrieb. Sozusagen komplett klassisch fiel der Auftritt des Volkswagen-Konzerns aus. Toll vor allem das bildhaft gemachte Engagement von VW in Sachen Teileangebot. Das gilt auch für die Tochter Porsche. Was aber irgendwie seltsam war: Obwohl neben Audi sogar Seat vertreten war, glänzten die Konzernmarken Bentley und Lamborghini in diesem Jahr erstmals mit Abwesenheit.

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