Teileverband beklagt Wettbewerbsnachteile

Redakteur: Norbert Rubbel

Auf dem Kongress des Gesamtverbandes Autoteile-Handel in Hannover diskutierten die Mitglieder über wirtschaftliche und wettbewerbspolitische Themen. Die Stimmung der freien Teilegroßhändler ist leicht getrübt.

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Hartmut Röhl wurde für weitere drei Jahre zum GVA-Präsidenten gewählt.
Hartmut Röhl wurde für weitere drei Jahre zum GVA-Präsidenten gewählt.
(Bild: Beinlich)

Die Automobilhersteller routen ihre vernetzten Fahrzeuge und deren Daten in ihre Vertragswerkstätten. Onlinemarktplätze verstärken den Preisdruck im (noch) lukrativen Ersatzteilegeschäft. Und ein Ende des Übernahmepokers beziehungsweise Konsolidierungsprozesses im freien Teilemarkt ist noch lange nicht in Sicht. Doch auf der Mitgliederversammlung des Gesamtverbandes Autoteile-Handel (GVA) am 7. November war davon scheinbar nichts zu spüren. Beim Erfahrungsaustausch zwischen den Handels- und Industriemitgliedern herrschte „eine positive und optimistische Atmosphäre“, sagte der wiedergewählte GVA-Präsident Hartmut Röhl anlässlich des GVA-Kongresses am nächsten Tag den Pressevertretern.

Allerdings ist die Stimmung der freien Teilegroßhändler leicht getrübt, wie eine Umfrage unter den Mitgliedern zeigt. Zwar verbuchten knapp zwei Drittel der befragten Teilehändler Ende des dritten Quartals gegenüber dem Vorjahreszeitraum steigende Umsätze. Das seien aber rund sieben Prozentpunkte weniger als nach dem zweiten und 20 Prozentpunkte weniger als nach dem ersten Quartal dieses Jahres, erklärte Röhl. „Wir hoffen, dass am Ende des Jahres für den Teilehandel eine schwarze Null stehen wird oder ein leichtes Umsatzplus möglich ist“, sagte der GVA-Präsident.

Eingeschränkter Zugang zu den Fahrzeugdaten

Als große Herausforderungen für die Verbandsarbeit nannte Röhl die Telematikservices der Automobilhersteller und den Zugang zu deren technischen Informationen. Er beklagt, dass die Teilehändler und Werkstätten die Fahrzeugdaten nur „gefiltert und sortiert bekommen“. Ein Beispiel dafür sei Car Data von BMW, das Onlineportal für den freien Markt. Eine Analyse des GVA habe ergeben, dass von den insgesamt 7.000 Datenpunkten (Funktionsaussagen) nur zehn wartungs- und reparaturrelevant sein. „Wenn Unternehmen von Daten und Ressourcen im Fahrzeug oder von digitalen Plattformen und Marktplätzen ausgeschlossen werden, erleiden sie schwerwiegende, existenzbedrohende Wettbewerbsnachteile“, bedauert der GVA-Präsident. Nur wenn die unabhängigen Marktteilnehmer einen den Herstellern gleichgestellten Zugang zu den Telematik- und Kundenschnittstellen erhalten würden, könnten sie den Autofahrern eigene Dienstleistungen anbieten.

Ein wettbewerbspolitischer Dauerbrenner des GVA ist die Liberalisierung des Designschutzes für sichtbare Ersatzteile wie Motorhauben, Kotflügel, Scheiben, Außenspiegel, Scheinwerfer und Rückleuchten. Abweichend zu vielen anderen Länder hätten die Automobilhersteller aufgrund des Designgesetzes in Deutschland auf diese Teile ein rechtliches Monopol.

So zahlen deutsche Autofahrer für die sichtbaren Teile an ihren Fahrzeugen deutlich mehr als ihre europäischen Nachbarn. In Holland ist eine Motorhaube für einen Fiat 500 rund 45 Prozent günstiger als in Deutschland. In Spanien bezahlen die Autofahrer für eine Frontscheibe 32 Prozent weniger als hierzulande. „Rund drei Milliarden Euro werden alljährlich in der Bundesrepublik mit sichtbaren Ersatzteilen umgesetzt. Das Einsparpotenzial für die Verbraucher ist enorm, wenn mehr Wettbewerb herrschen würde“, sagte Röhl. Sollte die neue Bundesregierung ihre Bereitschaft zur Liberalisierung des Teilemarkts signalisieren, könnte es nach Meinung des GVA-Präsidenten einen fairen Wettbewerb im europäischen Markt geben.

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