Tesla bricht Kundenversprechen

Autor: Christoph Seyerlein

Bei der Markteinführung des Model S 2012 versprach Tesla seinen Kunden eine 100-Dollar-Service-Pauschale. Doch nicht immer hält sich der Hersteller an die Konditionen.

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Das 100-Dollar-Serviceversprechen von Tesla ist Geschichte.
Das 100-Dollar-Serviceversprechen von Tesla ist Geschichte.
(Foto: Tesla)

Als das Model S 2012 in den USA auf den Markt kam, gab Tesla seinen Kunden das Versprechen, im Falle eines Schadens am Auto für Abholung und Reparatur eine Pauschalgebühr von lediglich 100 Dollar zu verlangen. Wie die US-Fachzeitschrift „Automotive News“ berichtet, hält sich der Elektroautobauer in einigen Fällen aber nicht an das eigens geschaffene, sogenannte „Ranger“-Modell. Und das trotz schriftlicher Zusage an die Käufer.

„Wir haben unsere Preisgestaltung so überarbeitet, dass der Ranger-Service für Model S und Roadster nun eine Pauschalgebühr von 100 Dollar kostet, egal wie weit entfernt Sie von einem Tesla-Service-Center wohnen“, hatte der damalige Service-Chef Joost de Vries 2012 in einem Blog-Eintrag verkündet. „Wir wollen uns so gut um Ihr Auto kümmern, wie das noch niemandem zuvor gelungen ist.“

Einige Kunden berichten nun gegenüber „Automotive News“ von einem Wortbruch Teslas. Vor allem Model-S-Fahrer, die weit entfernt von der nächsten Tesla-Werkstatt leben, sollen betroffen sein. So erzählt ein Tesla-Besitzer aus Chesapeake, Virginia, dass der Hersteller für Transport und Reparatur seines beschädigten Model S 606 Dollar verlangte, obwohl ihm die 100-Dollar-Pauschale garantiert worden war. Das Auto hatte in eine Werkstatt im 202 Meilen entfernten Raleigh im Bundesstaat North Carolina gebracht werden müssen.

In einem anderen Fall stellte Tesla einem Kunden aus Kanada sogar 800 Dollar für den Ranger-Service in Rechnung. Immerhin: Als sich der Betroffene mit Verweis auf das schriftlich gegebene Versprechen beschwerte, lenkte der Hersteller ein.

Vom Elektroautobauer selbst gibt es widersprüchliche Informationen zu dem Thema. An einigen Stellen ist auf Teslas Internetseite immer noch von der 100-Dollar-Pauschale die Rede, an anderen spricht Tesla davon, dass Serviceleistungen bei 100 Dollar für einen Besuch beginnen und die Preise je nach Entfernung zur nächsten Werkstatt ansteigen. In einer E-Mail schrieb ein Tesla-Mitarbeiter an einen Kunden, der sich auf die versprochenen Konditionen berief: „Entschuldigen Sie die Verwirrung. Die 100-Dollar-Pauschale gibt es nicht mehr.“

Eine Sprecherin der Kalifornier äußerte sich auf Anfrage wie folgt: „Wir kümmern uns besser als jeder andere Hersteller um unsere Kunden, wir bieten einen 24-Stunden-Service, Abholung und Lieferung und kostenlose Leihwagen.“ Mit der Markteinführung des Model S habe man eine neue Lösung für Kunden in entlegenen Regionen einführen wollen, um auch ihnen einen nahtlosen Service bieten zu können. Seitdem habe man viel Geld in das eigene Werkstattnetz investiert.

Das Ende der 100-Dollar-Pauschale könnte ein Hinweis darauf sein, dass auch bei Tesla langsam aber sicher Profit und Wirtschaftlichkeit eine größere Rolle spielen. Will die Marke zu einem Volumen-Hersteller werden, muss sie ein funktionierendes Servicenetz bieten können. Dieses Ziel hat sich Tesla wohl bis zur Markteinführung seines ersten Mittelklassewagens Model 3 gesetzt, das 2018 starten soll.

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 Christoph Seyerlein

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Fachredakteur Next Mobility