Tesla vor Privatisierung? Tweets von Elon Musk lösen Chaos aus

Firmenchef denkt an Rückzug von der Börse

| Autor: dpa

Elon Musk sorgt mal wieder für Aufregung.
Elon Musk sorgt mal wieder für Aufregung. (Bild: Tesla)

Ein Tweet, ein tollkühner Plan und viele offene Fragen: Tesla-Chef Elon Musk will sein Unternehmen womöglich von der Börse nehmen. „Ich glaube, es ist der beste Weg nach vorne“, schrieb er den Mitarbeitern des Elektroautokonzerns am Dienstag (Ortszeit) in einer Rundmail. Tesla veröffentlichte das Schreiben unter dem maximalen Druck der Finanzmärkte – der schillernde Tech-Milliardär hatte mit seinen Tweets zuvor ein solches Chaos an der Börse ausgelöst, dass der Handel mit der Aktie zwischenzeitlich gestoppt wurde.

Die Turbulenzen begannen zunächst relativ harmlos mit einem Bericht der „Financial Times“: Demzufolge ist Saudi-Arabien mit seinem Staatsfonds in großem Stil bei Tesla eingestiegen und hält mittlerweile drei bis fünf Prozent an Musks Firma. Wenn stimmt, was das Finanzblatt von Insidern erfahren hat, hätten die Saudis nach und nach eine mehrere Milliarden Dollar schwere Beteiligung aufgebaut und wären inzwischen unter den acht größten Tesla-Aktionären.

Der Verwaltungsrat des Elektroautobauers gab in der Zwischenzeit bekannt, sich mit einem möglichen Rückzug Teslas von der Börse zu befassen. Man habe sich bereits mehrere Male deshalb getroffen und werde die nächsten angemessenen Schritte zur Prüfung der Pläne machen, teilten einige der Räte am Mittwoch im kalifornischen Palo Alto mit. Es gehe darum, ob Tesla ohne Börsennotierung besser seine langfristigen Interessen wahrnehmen könne, heißt es in der Stellungnahme weiter. Auch die Frage nach der möglichen Finanzierung einer Privatisierung sei besprochen worden

Dem Aktienkurs gab die Nachricht ordentlich Kursauftrieb. Tesla verliert laufend Geld und hat begrenzte Kapitalreserven, so dass die Aussicht auf einen finanzstarken Partner Anlegern durchaus gefallen dürfte. Der große Paukenschlag folgte jedoch wenig später: Musk verkündete in einem überraschenden Tweet, er erwäge Tesla bei einem Aktienkurs von 420 Dollar zu privatisieren, also von der Börse zu nehmen. Die Finanzierung dafür sei bereits gesichert.

Nun gab es am Markt kein Halten mehr, Transaktionsvolumen und Aktienkurs schossen in die Höhe, bis die Technologie-Börse Nasdaq den Handel am Nachmittag zwischenzeitlich stoppte. Erst jetzt – Stunden nach Musks erstem Tweet, dem etliche weitere, teils nebulöse Kurznachrichten folgten – sorgte Tesla mit der E-Mail im Firmenblog für Aufklärung. Darin bestätigt Musk zwar seine Planspiele und erklärt auch seine Beweggründe, doch vieles bleibt im Unklaren.

Musk: Noch keine endgültige Entscheidung

„Vorweg: Eine endgültige Entscheidung wurde noch nicht gefällt“, heißt es in dem Schreiben. Es gehe darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem Tesla am besten arbeiten könne, führt Musk aus. „Als börsennotiertes Unternehmen sind wir wilden Schwankungen unseres Aktienkurses ausgeliefert, die eine große Ablenkung für alle sein können, die bei Tesla arbeiten.“ Zudem sorge die Pflicht, Quartalszahlen zu veröffentlichen, für enormen Druck.

Musk selbst ging mit diesem Druck zuletzt nicht immer souverän um. Vor gut drei Monaten sorgte der Tesla-Chef bei einer Telefonkonferenz nach Vorlage der Geschäftsergebnisse für einen Eklat, indem er Fragen von Analysten als „langweilig“ und „nicht cool“ ablehnte. Zwar entschuldigte sich Musk jüngst für diesen Fauxpas. Doch insgesamt schien es, als reagierte er in den letzten Monaten, in denen sich Tesla schwer damit tat, seine ambitionierten Produktionsziele beim Hoffnungsträger Model 3 zu erreichen, zunehmend gereizt auf Kritik.

Er glaube, so Musk nun, die Firma sei dann „am besten, wenn wir auf unsere langfristige Mission fokussiert bleiben können und wenn keine perversen Anreize für Menschen bestehen, die versuchen zu gefährden, was wir erreichen wollen“. Das ist ein weiterer Seitenhieb gegen die vielen Finanzspekulanten, die auf Teslas Niedergang wetten. Letztlich mute Musks Kritik aber fast schon bizarr an, kommentierte das „Wall Street Journal“. Denn tatsächlich habe Tesla von der Börse in großem Stil profitiert und hätte ohne sie nie so viel Geld auftreiben können – die Aktionäre würden seit Jahren über hohe Verluste hinwegsehen.

Musk betonte, er hoffe, dass alle gegenwärtigen Investoren an Bord bleiben. Er würde für sie einen speziellen Fonds schaffen. Dies habe er auch beim Investment von Fidelity in die Weltraumfirma Space X so gehandhabt.

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