Batterietest Tesla vor Volkswagen

Autor Jens Rehberg

„Auto Motor und Sport“ hat zusammen mit Münchner Forschern Akkus mit nahezu identischer Nettokapazität von Tesla und VW verglichen. Das Ergebnis ist kein Ruhmesblatt für Wolfsburg.

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Der ID-3 geht beim Schnellladen etwas behutsamer mit seiner Batterie um als der Tesla – dafür nimmt er sich aber auch mehr Zeit.
Der ID-3 geht beim Schnellladen etwas behutsamer mit seiner Batterie um als der Tesla – dafür nimmt er sich aber auch mehr Zeit.
(Bild: Volkswagen)

In der Praxis reicht ein 55-kWh-großer Tesla-Akku etwas weiter als die vergleichbare Batterie eines ID-3, obwohl der Tesla mit 239 kW fast doppelt so stark motorisiert ist wie der Volkswagen mit 125 kW. Das ist das Ergebnis eines Tests, den „Auto Motor und Sport“ (AMS) gemeinsam mit einem Forscherteam der TU München durchgeführt hat.

Die Münchner Professoren Matthias Steinsträter, Markus Lienkamp und Nikolaos Wassiliadis haben einen standardisierten Benchmarking-Prozess entwickelt, um Batterien zu vergleichen. Dabei stehe der Vergleich zweier Produkte nicht im Vordergrund, betonte Markus Lienkamp gegenüber AMS – zur Entwicklung des Testdesigns haben sich die Forscher eben die beiden genannten Fahrzeuge angeschafft.

Das insgesamt 13-köpfige Forscherteam ließ die Autos auf dem Rollenprüfstand der Münchner Uni und im Realbetrieb identische Strecken bei gleichen Witterungs- und Temperaturbedingungen fahren. Gefahren wurde ein Stadtzyklus von circa 8 Kilometern Länge mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h. Zudem ein Überlandzyklus – 20 Kilometer lang (mit im Schnitt 50,6 km/h) – und ein gut 35 Kilometer langer Autobahnzyklus (93,7 km/h).

Nachteilig machte sich laut dem AMS-Bericht im ID-3 bemerkbar, dass die VW-Ingenieure bereits ab einer Akkutemperatur von 33 Grad die Kühlung anlaufen lassen. Im Tesla geschehe dies erst ab 42 Grad – das spare viel Energie zum Kühlen. Zudem nutzt Tesla laut den Forschern der TU München die modernere Leistungselektronik, einen Inverter mit Silizumcarbid-Technologie. Im VW komme hingegen ein Inverter mit Insulated-Gate-Bipolar-Transistor-Technologie zum Einsatz.

Geringer Rollwiderstand hilft dem VW

All dies könne der ID-3 nur teilweise durch einen geringeren Rollwiderstand ausgleichen. Eine größere Reichweite hatte der VW im Test nur bei 15 Grad Umgebungstemperatur auf der Landstraße, ansonsten hatte der Tesla immer leicht die Nase vorn – mit bis zu zehn Kilometer mehr Reichweite. Dies schaffte er offenbar nicht zuletzt wegen des geringeren Luftwiderstandes.

Die größere Reichweite ergibt sich laut dem Beitrag in der aktuellen „Auto Motor und Sport“, die ab Donnerstag am Kiosk liegt, auch deshalb, weil Tesla die Energie effizienter einsetzt. Beim Model 3 betrage der Wirkungsgrad unter Volllast 97 Prozent, beim ID-3 dagegen nur 93 Prozent.

Die höheren zulässigen Akkutemperaturen beim Tesla machten sich außerdem beim Laden bemerkbar. Der US-Hersteller mutet dem Lithium-Eisen-Phosphat-Akku eine Maximaltemperatur von 50 Grad beim Laden zu, VW erlaubt seiner Nickel-Mangan-Kobalt-Zelle knapp 45 Grad. Während das Model 3 beim Schnellladen bereits in 26 Minuten von 10 auf 80 Prozent aufgeladen werden könne, brauche der ID-3 hierfür 35 Minuten.

Zellalterung wird noch untersucht

Ob sich dieser Unterschied allerdings auch messbar auf die Stabilität und die Lebensdauer der Zellen auswirkt, sollen weitere Versuche an der TU München zeigen.

Matthias Steinsträter zieht jedenfalls in der AMS das Fazit, dass VW in Sachen Batterietechnik „sicher noch Potenzial“ habe, beispielsweise durch so genannte Vorkonditionierung – also eine Kühlung des Akkus vor dem Schnellladen für eine höhere Ladeleistung. An diesem Feature werde in Wolfsburg bereits gearbeitet.

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