Leichtbautechnik Thyssenkrupp schließt Werk für Carbonräder

Autor: Jan Rosenow

In Kesselsdorf bei Dresden produzierte der Stahlkonzern seit 2012 Räder aus kohlefaserverstärktem Kunststoff. 2021 sollte die Produktion für Pkw starten – daraus wird nun nichts mehr.

Firmen zum Thema

2021 wollte Thyssenkrupp Carbon Components erste Nachrüsträder aus CFK auf den Markt bringen. Bereits 2017 hatte es eine Sonderserie für Porsche gegeben.
2021 wollte Thyssenkrupp Carbon Components erste Nachrüsträder aus CFK auf den Markt bringen. Bereits 2017 hatte es eine Sonderserie für Porsche gegeben.
(Bild: Richard Monning)

Der Stahlhersteller und Industriekonzern Thyssenkrupp schließt überraschend sein Werk Thyssenkrupp Carbon Components in Kesselsdorf bei Dresden. Das bestätigte eine Konzernsprecherin auf Anfrage von »kfz-betrieb«. Zuerst hatte die „Dresdner Morgenpost“ darüber berichtet.

Das Unternehmen war 2012 aus einer Ausgründung des Instituts für Leichtbau der TU Dresden entstanden und stellt Räder aus kohlefaserverstärktem Kunststoff her. Die ersten Serienprodukte wurden 2017 an BMW Motorrad sowie an Porsche geliefert. Der Stuttgarter Sportwagenbauer stattete damit optional das Sondermodell 911 Turbo S Exclusive Series aus. Später kamen die Produkte auch als Nachrüstvariante mit ABE für mehrere Motorradtypen auf den Markt. 2021 sollte der Verkauf von Pkw-Rädern starten. Doch daraus wird nun wohl nichts werden.

Laut „Morgenpost“ wird der Betrieb noch in diesem Jahr eingestellt. Rund 100 Mitarbeiter sind davon betroffen. Bis zuletzt plante das Unternehmen offenbar, die Produktion fortzuführen sowie auszuweiten und suchte dafür neue Mitarbeiter. Doch nun hat sich der Konzern aufgrund andauernder Verluste dazu entschieden, das Werk stillzulegen. Ob das Produktionsverfahren und die Produkte verkauft werden sollen, konnte die Sprecherin noch nicht beantworten.

Die Herstellung von Komponenten aus kohlefaserverstärktem Kunststoff sollte für den Stahlkonzern ein Zukunftsthema sein. Schließlich können CFK-Räder 20 Prozent leichter und gleichzeitig 20 Prozent fester sein als Aluminiumräder. Der extreme Leichtbau resultiert aus einem Fertigungsprozess, den nur Thyssenkrupp anwendet. Die Felgenbetten entstehen auf der mit neun Metern Durchmesser größten Radialflechtanlage der Welt, auf der die Carbonfasern nahtlos verarbeitet werden.

Thyssenkrupp hatte sich von dieser Fertigung niedrigere Kosten und damit einen Serieneinsatz von CFK-Rädern versprochen, beispielsweise bei Elektroautos. Doch zu größeren Aufträgen aus der Automobilindustrie ist es nie gekommen.

(ID:47384972)

Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group