Tokyo Motor Show: Abhaken und weitermachen

Autor / Redakteur: sp-x / Gerd Steiler

Überraschend schnell überwinden die Japaner das Katastrophenjahr 2011. Zum neuen Aufbruch gibt es eine Charme-Offensive. Mit sportlichen Autos zeigt die heimische Branche auf der Tokyo Motor Show ihre lange vernachlässigte emotionale Seite.

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Abhaken und weitermachen: Die 42. Tokyo Motor Show hat ihre Pforten noch bis zum 11. Dezember geöffnet.
Abhaken und weitermachen: Die 42. Tokyo Motor Show hat ihre Pforten noch bis zum 11. Dezember geöffnet.
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Erdbeben, Fukushima, Thailand-Flut: 2011 war für Japan und seine Automobilindustrie nicht wirklich ein gutes Jahr. Auf der Tokyo Motor Show (3. bis 11. Dezember) ist davon nichts zu merken. Dort feiert die Branche das unerwartet schnelle Überwinden der Katastrophe, zeigt neues sportliches Selbstbewusstsein – und schaut optimistisch in eine elektrische Zukunft.

Ökologische Vernunft allein reicht nicht mehr. Das hat auch Toyota erkannt. Der einstige Branchenprimus war lange Jahre stolz darauf, komplett rationale, sparsame und fair eingepreiste Autos zu bauen – und verlor dabei die emotionale Seite des Geschäfts aus dem Blick. Mit dem neuen GT 86 soll nun wieder der Spaß in den Fokus rücken. Der Stand mit dem kleinen Sportwagen gehört gemeinsam mit dem des Schwestermodells Subaru BRZ zu den am meisten umlagerten in Tokio. Zumindest äußerlich und auf dem Papier verspricht der leichte 2+2-Sitzer mit 200 PS-Boxermotor und Hinterradantrieb die Einlösung des Fahrspaßversprechens.

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Mehr Emotion

Und auch bei anderen Herstellern geht es wieder sportlich zu. Honda präsentiert mit dem EV-Star, wie schnittig ein künftiger Elektro-Sportwagen aussehen könnte. Nissan zeigt den überarbeiteten GT-R, der nun auf 550 PS kommt. Lexus hat eine verstärkte Version seines Supersportwagens LF-A im Gepäck. Zudem hat Toyotas Edeltochter seine neue Businesslimousine GS nun nach dynamischerem Strickmuster konstruiert. Hauptgegner soll der sportliche BMW 5er sein, weniger eine komfortable Mercedes E-Klasse.

Auch im Kerngeschäft mit den Volumenmodellen geht es künftig zumindest teilweise emotionaler her. Davon kündet etwa die Studie Mazda Takeri. Die Mittelklasselimousine geht im kommenden Jahr fast unverändert als neuer Mazda6 in Serie und trägt nun ein deutlich ausdrucksstärkeres, fast schon aggressives Gesicht mit geschlitzten Scheinwerfern und dominantem Grill. Neue Motoren mit bis zu 200 PS unterstreichen den Anspruch auch antriebsseitig.

Neue Dynamik

Dass die neue Dynamik allerdings nicht für alle Klassen gilt, zeigt der Mitsubishi Mirage. Der designierte Colt-Nachfolger ist als Weltauto konzipiert und tritt entsprechend unauffällig und massenkompatibel auf. Der neue Kleinwagen soll vor allem den Absatz auf den internationalen Märkten befeuern. Denn in Japan selbst hat sich der Automarkt relativ schnell erholt. Nach den herben Einbrüchen im Frühjahr legte der Absatz im Oktober wieder um rund ein Viertel gegenüber dem Vorjahr zu. Mehr als 320.000 neue Pkw wurden zugelassen. Auch die Produktion im Inland läuft wieder einigermaßen rund. Allerdings hat die Flut in Thailand die dortigen Pkw-Werke und Zulieferer erneut zurückgeworfen.

In Sachen alternative Antriebe ist in Japan noch immer die Hybridtechnik das Maß der Dinge. Toyota stellt mit der Plug-in-Version des Prius eine Variante mit vergrößerten Batterien vor, die rund 20 Kilometer im reinen Elektrobetrieb zurücklegen kann, bevor sich der Verbrennungsmotor zur üblichen Arbeitsteilung einschaltet. Noch ohne diese Technik muss der kompakte Aqua auskommen, der aber nur außerhalb Europas die Absatzzahlen der Doppelmotortechnik hochtreiben soll.

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