Suchen

Totalschaden: Versicherung darf günstigste Abrechnungsvariante wählen

| Autor / Redakteur: autorechtaktuell.de / Jakob Schreiner

Die Abrechnungsbasis eines Totalschadens zu bestimmen, ist nicht immer ganz einfach. Das zeigt ein Urteil des Amtsgerichts Heinsberg, in dem das Gericht nicht im Sinne der herrschenden Rechtsprechung urteilt.

Firmen zum Thema

(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Nach einem Verkehrsunfall mit einem Totalschaden des Fahrzeugs muss die Versicherung auch nur die für sie günstigste Abrechnungsvariante wählen. Das geht aus einem Urteil des Amtsgericht (AG) Heinsberg hervor (Urteil vom 27.6.2017, AZ: 18 C 125/17). Das Gericht urteilte in diesem Fall nicht im Sinne der herrschenden Rechtsprechung: Mangels Ersatzbeschaffung findet durch die Versicherung eine Abrechnung auf Netto-Basis statt.

Da auch nach der Kalkulation des vom Kläger beauftragten Sachverständigen die Reparaturkosten netto zuzüglich der Wertminderung mit 3.860,84 Euro unter dem Wiederbeschaffungsaufwand netto bleiben, darf die Versicherung hier ansetzen. Wenn eine Ersatzbeschaffung vorgenommen wird, gelten wiederum ganz andere Regeln.

Im vorliegenden Fall stritten die Parteien um restlichen Schadenersatz nach einem Verkehrsunfall, für den die beklagte Haftpflichtversicherung zu 100 Prozent eintrittspflichtig ist.

Das vom Kläger eingeholte Sachverständigengutachten weist einen Wiederbeschaffungswert von 7.500 Euro brutto und einen Restwert von 3.230 Euro brutto aus – also einen Wiederbeschaffungsaufwand von 4.270 Euro brutto bzw. 4.092,22 Euro netto. Die voraussichtlichen Reparaturkosten beziffert der Sachverständige mit 4.415,90 Euro brutto und 3.710,84 Euro netto. Das Gutachten führt unter anderem Verbringungskosten und UPE-Aufschläge an. Die Wertminderung von 150 Euro ist unstreitig.

Der Kläger hatte sich offensichtlich entschieden, den Wagen weiter zu nutzen, aber nicht auf Rechnung reparieren zu lassen. Er verlangte den Wiederbeschaffungsaufwand netto von 4.092,22 Euro.

Die Beklagte regulierte außergerichtlich einen Betrag in Höhe von 3.453,34 Euro als Reparaturkosten netto ohne Verbringungskosten und UPE-Aufschläge und die Wertminderung von 150 Euro.

Nach Ansicht des AG Heinsberg muss es dem Geschädigten jedoch möglich zu sein, auf Grundlage eines eingeholten Sachverständigengutachtens zu handeln. Insbesondere UPE-Aufschläge und Verbringungskosten können bei der Abrechnung auf Gutachtenbasis erstattungsfähig sein, nämlich dann, wenn sie in allen für die konkrete Reparaturmaßnahme geeigneten Werkstätten anfallen würden.

Zu der Abrechnung auf Totalschadenbasis führt das AG Heinsberg wörtlich aus: „Der Wiederbeschaffungswert beträgt vorliegend nach dem Gutachten des Sachverständigen 7.500 Euro brutto und der Restwert 3.320 Euro brutto, sodass sich ein Wiederbeschaffungsaufwand von 4.270 Euro ergibt. Der Reparaturaufwand übersteigt damit den Wiederbeschaffungsaufwand, liegt aber unterhalb des Wiederbeschaffungswertes. Bei dieser Konstellation kann der Geschädigte auf Reparaturkostenbasis abrechnen, wenn die Reparatur seines Pkw tatsächlich durchgeführt wird; er ist jedoch auch zur Abrechnung auf Totalschadenbasis berechtigt.

Die Abrechnung auf Totalschadenbasis ist daher nicht zu beanstanden. Ihm ist daher beklagtenseits die Differenz zwischen Wiederbeschaffungswert netto und Restwert zu erstatten, d.h. ein Betrag von 4.092,22 Euro. Abzüglich des beklagtenseits bereits gezahlten Betrags von 3.603,34 Euro ergibt sich eine Restforderung von 490,88 Euro, sodass die klägerseits mit der Klage geltend gemachte Forderung von 486,66 Euro in vollem Umfang begründet ist.“

(ID:45385924)