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Toyota: Ein halbes Jahrhundert Sportcoupés

| Autor: Steffen Dominsky

Fans sagen „die Celica“. Offiziell heißt er „der Celica“. Wie auch immer: Vor 50 Jahren schickte sich das Sportcoupé an, das meistverkaufte asiatischen Exemplar seiner Gattung zu werden.

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Das erfolgreichste asiatische Sportcoupé aller Zeiten: der Toyota Celica.
Das erfolgreichste asiatische Sportcoupé aller Zeiten: der Toyota Celica.
(Bild: Toyota)

Über drei Jahrzehnte stand der himmlische Celica – der Name leitet sich vom spanischen Wort „celestial“ für „himmlisch“ ab – weltweit für die gelungene Kombination aus Sportlichkeit und Zuverlässigkeit. Mit ihm brachte Toyota 1970 den ersten familientauglichen und preiswerten japanischen Pulsbeschleuniger in Großserie auf die Straße sowie auf die Pisten innerhalb und außerhalb der Rallye-Weltmeisterschaft. Sieben Generationen lang traf der Celica den sportlichen Nerv der Zeit und avancierte mit über 4,1 Millionen Einheiten zum meistverkauften asiatischen Sportcoupé.

Der Celica (TA22) war nicht nur ein aufregend designtes Hardtop-Coupé, das der Hersteller vor 50 Jahren, genau passend zum Start von Toyota Deutschland, präsentierte. Er war darüber hinaus auch ein erschwinglicher Sportwagen mit zuverlässiger Technik. Möglich machte dies die Produktion im eigens erbauten Toyota-Werk Tsutsumi, das weit in die Zukunft wies: Der Celica und die technisch verwandte Limousine Carina wurden dort als erste japanische Autos mit Roboterunterstützung produziert, zugunsten hoher Qualität und Kundenzufriedenheit. Dazu trugen auch die robusten sowie drehfreudigen Vierzylindermotoren bei, die mit dem leer nur knapp 1.000 Kilogramm wiegenden Celica leichtes Spiel hatten. Ganz besonders galt dies für den 1973 eingeführten Celica GT mit dem 79 kW/108 PS entwickelnden 1,6-Liter-Motor, der 183 km/h schnell war.

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Noch dynamischer zeigte sich der 1976 vorgestellte, facegeliftete Celica (TA23). Neben dem Hardtop-Coupé gab es nun auch einen Celica Liftback im Stil eines damals avantgardistisch wirkenden Kombicoupés. Dies verfügte optional über die neue 2,0-Liter-Spitzenmotorisierung und die legendäre Modellbezeichnung „2000GT“ als Referenz an den gleichnamigen allerersten japanischen Supersportwagen von 1965.

Dagegen zelebrierte die zweite, zum Modelljahr 1978 vorgestellte Celica-Generation (TA40) die Kunst des Leichtbaus. Trotz deutlich größerer Karosserieabmessungen drückte die gezielte Suche nach jedem überflüssigen Gramm das Leergewicht dieses Celica auf unter 1.000 Kilogramm. Neben Coupé und Liftback gab es erstmals Cabriolets, die von Karossiers wie American Custom Coachworks und der deutschen Firma Tropic gefertigt wurden. Als sportlicher Sechszylinder-Überflieger überraschte dagegen in Japan und in Nordamerika der erste Celica Supra, der starke Leistung aus einem Hubraum von bis zu 2,8 Litern lieferte. Welches Racing-Potenzial der Celica mitbrachte, bewiesen diverse Renn- und Rallyeeinsätze. So errang in Deutschland Achim Warmbold 1980 die Deutsche Rallyemeisterschaft mit einem Celica GT.

Im Rallyesport ein Erfolg nach dem anderen

Einen Blick in die Zukunft der Motorentechnik gewährte ab 1981 der dritte Celica (A60), und zwar durch Japans ersten Großserien-16-Ventiler, der im Celica 91 kW/124 PS bei 6.600/min entwickelte. Wer Lust auf noch mehr Leistung verspürte, konnte das sportliche Spitzenmodell Celica Supra 2.8i nun auch in Deutschland ordern, und zwar mit 125 kW/170 PS starkem 2,8-Liter-Sechszylinder. Dagegen erwarben die bis zu 272 kW/370 PS freisetzenden Celica Twin Cam Turbo den Ruf eines „King of Africa“, denn die zuverlässigen Rallye-Racer gewannen in vier Jahren sechs von acht afrikanischen Rallyes.

Mit optionalem Vierradantrieb überraschte der 1985 vorgestellte vierte Celica (T160), und als Celica GT-Four katapultierte das Sportcoupé Toyota souverän zu WRC-Siegen und Carlos Sainz auf den Thron des Rallyeweltmeisters 1990. Es war der erste Fahrertitel für einen japanischen Hersteller. Wie ließ sich die Faszination eines Sportcoupés steigern, das bereits über drei Millionen Fans gefunden hatte? Der fünfte Celica (T180) zeigte ab 1989, wie das funktioniert: durch aerodynamisch optimierte Linien und noch mehr Leistung. Bis zu 165 kW/225 PS brachte der Celica Turbo GT-Four in manchen Märkten mittels Allradantrieb auf die Straße. Damit galt er als weltweit leistungsstärkster Serien-2,0-Liter-Vierzylinder. Auf den Rallyepisten etablierte sich das Toyota-Coupé als fast unschlagbare Größe, das von 1992 bis 1994 die damals unglaubliche Zahl von drei WRC-Fahrer-Weltmeisterschaften und zwei WRC-Weltmeistertiteln in der Herstellerwertung verbuchte.

Im Rennsport bis zu 700 PS

In sechster, 1993 aufgelegter Generation hatte der Celica (T200) bereits fast alle Sportcoupé-Wettbewerber von einst überlebt. Mehr Kraft bei weniger Gewicht gepaart mit muskulösen Coupé-Konturen: Mit diesem Konzept sollte sich die bereits meistverkaufte japanische Sportikone der Vier-Millionen-Produktionsmarke nähern. Und so verzichtete der Celica auf die inzwischen altmodischen Klappscheinwerfer zugunsten leichterer Doppel-Rundscheinwerfer. Trotz zusätzlicher Sicherheitstechniken wie Seitenaufprallschutz und Airbag wurde der Celica 50 Kilogramm leichter als der Vorgänger. Möglich machte das auch der Einsatz von hochfesten Stählen. Das Ergebnis: Ein neu aufgenommener Basismotor mit 85 kW/115 PS diente als Einstiegsmotorisierung, am anderen Ende stand das 178 kW/242 PS entwickelnde Spitzenaggregat im Celica GT-Four. Und dann gab es noch die Variante mit unglaublichen 515 kW/700 PS, mit der Rod Millen im Juli 1994 eine neue Rekordzeit beim „Race to the Clouds“ auf den Pikes Peak herausfuhr.

Es war das dramatische Design, das den siebten und letzten Celica (T230) zum Premierenstar der Frankfurter IAA 1999 machte. Die „One-Motion-Silhouette“ genannte, kantige und keilförmig bis zur C-Säule ansteigende Linie sollte den Wagen schon im Stand sprungbereit und schnell aussehen lassen. Dass die Verkaufszahlen dennoch überschaubar blieben, hatte mit einem anderen Phänomen zu tun: Der globale Sportwagenmarkt war rückläufig, und so verabschiedete sich der Celica 2005 in Deutschland und ein Jahr später auch weltweit in den Ruhestand.

Toyota hatte die Mission Maximum erreicht: Kein direkt konkurrierendes Mittelklasse-Coupé wurde länger gebaut und in größerer Stückzahl verkauft als der Celica. Und als japanisches Urmuster eines stilvollen, schnellen und preiswerten Sportcoupés genießt der Celica bis heute Kultstatus. Fans können die unterschiedlichen Generationen in der Toyota Collection bewundern. Die Fahrzeugsammlung auf dem Gelände von Toyota Deutschland in Köln präsentiert alle wichtigen Meilensteine aus der Geschichte der Marke. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group, Vogel Business Media GmbH & Co. KG