Toyota GRMN: Der Yaris als Rennsemmel

Autor / Redakteur: ampnet / Andreas Grimm

Nach langer Vorbereitung weckt künftig auch Toyota die Freude am Fahren. Im Februar kommt der Yaris in der PS-starken und sportlichen GRMN-Version auf den Markt. Weitere Modelle sollen folgen, denn der Kundenzuspruch ist groß.

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Toyota startet in Richtung Sportlichkeit. Den Yaris gibt es jetzt in der Sportausführung GRMN. Allerdings ist die fast schon ausverkauft.
Toyota startet in Richtung Sportlichkeit. Den Yaris gibt es jetzt in der Sportausführung GRMN. Allerdings ist die fast schon ausverkauft.
(Bild: Toyota)

Toyota hat nun offiziell den Yaris GRMN vorgestellt, der bereits auf der IAA 2017 in Frankfurt zu sehen war. Das Modell ist zwar bereits fast ausverkauft, doch der Hersteller nutzte die Pressepräsentation, um auf die sportliche Zukunft der Marke aufmerksam zu machen: Der Yaris ist nur der Erste einer noch unbestimmt großen Folge von Fahrzeugen, die der bislang eher betulich daherkommenden Marke mehr Sportsgeist einhauchen sollen.

Ähnlich dem Kürzel AMG oder dem Namen Abarth soll „Gazoo Racing“ (GR) künftig eine Botschaft von Sportlichkeit und Dynamik an die Kunden transportieren. Um das auch faktisch zu untermauern, ist Gazoo Racing seit Jahren in der Langstrecken-Weltmeisterschaft und in der World Rally Championship (WRC) unterwegs. Erfolgreich: Im vergangenen Jahr fuhr das Team auf Platz 3 der Hersteller-Wertung. Übrigens: Das erweiterte Kürzel „GRMN“ am Yaris bedeutet „Gazoo Racing Masters of Nürburgring“.

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Toyota ruft 30.900 Euro für den sportlichen Kleinwagen auf. Wer ihn haben will, wird sich daran nicht stören. Vielleicht eher daran, dass künftige „GR“ oder „GRS“-Modelle sowie Anbauteile im Gazoo-Racing-Look zum Nachrüsten die Exklusivität verwässern könnten. „Es wird mehr vergleichbare Produkte geben und alles, was wir bisher gelernt haben, wird uns helfen, auch sie zu einem Erfolg zu machen“, hieß es dazu auf dem Pressetermin.

Die Erstauflage des aufgeheizten Yaris-Modells ist schmal bemessen. Außer den 400 Exemplaren für Europa sind noch 200 für Japan vorgesehen, wobei der seltene Fall eintritt, dass ein japanisches Auto in Frankreich gefertigt und von dort ins Heimatland der Firma exportiert wird. Etwas mehr als 100 Deutsche – für eine Handvoll Kunden soll es angeblich noch Chancen geben – bekommen einen Yaris GRMN ab. Das nächste Power-Modell könnte der kompakte Auris sein, bestätigt ist dies allerdings nicht.

Kompressor statt Turbolader

Bei einer Produktionskapazität von sieben Exemplaren pro Tag, die in den normalen Fertigungsprozess im Werk Valenciennes nahe der belgischen Grenze eingetaktet sind, wird die Versorgung der Besteller eine Weile dauern. Sie freuen sich auf eine der muntersten Rennsemmeln, die je mit den Vorderrädern über den Asphalt radiert hat. Einem Fahrzeuggewicht von 1.135 Kilogramm stehen 156 kW/212 PS gegenüber – nahezu das Doppelte dessen, was der stärkste Yaris „von der Stange“ leistet. Der Yaris GRMN holt diese Motorkraft aus 1,8 Litern Hubraum. Behilflich ist dabei ein Kompressor, der angesichts des eng bemessenen Platzes unter der Fronthaube den Vorzug vor einem Turbolader als Mittel zur Leistungssteigerung erhielt.

Außer einem aus schwarzen, weißen und roten Farbelementen komponierten Lacktrimm zeichnen den Yaris GRMN LED-Scheinwerfer, Änderungen an Grill, Außenspiegeln sowie Nebellampen aus. Das Dach ist generell schwarz, ein zentrales Endrohr der Abgasanlage prangt über dem Heckdiffusor.

Das Sportfahrwerk ist gegenüber dem „zivilen“ Yaris um 24 Millimeter abgesenkt. Auffälligstes Merkmal des Innenraumes sind die perfekt ausgeformten Sportsitze, die Insassen über 120 Kilogramm Körpergewicht allerdings als etwas eng geschnitten empfinden könnten. Das Lederlenkrad hat eine 12-Uhr-Markierung, ähnlich der, die passionierte Toyota-Fans aus dem Coupé GT 86 kennen. Alu-Sportpedale, ein zentraler Starterknopf und die Rennsport-inspirierte Animation im TFT-Bildschirm beim Anlassen sind weitere Eigenheiten des Neulings.

Kleinere angeborene Schwächen beheben die Änderungen am Yaris-Renner allerdings nicht. So fehlt etwa eine Höhenverstellbarkeit für die Sicherheitsgurte und der Navigationsbildschirm sitzt vom Fahrer aus gesehen sehr weit außen, so dass manchmal nicht nur der Blick, sondern auch der Kopf bewegt werden muss. Um eine optimale Sitzposition für dynamik-orientiertes Fahren zu finden, wäre es wünschenswert, den Spielraum der Längsverstellbarkeit des Lenkrades zu vergrößern. Es gibt den Wagen nur als Dreitürer und man tut gut daran, den Betrieb mit mehr als zwei Insassen auf Ausnahmesituationen zu beschränken.

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