Toyota: Mit Scheibenwischerdaten auf der Jagd nach Regenwolken

Autor: Viktoria Hahn

Eine Kooperation von Toyota und einem japanischen Wetterdienst soll mithilfe von Scheibenwischerdaten künftig die Genauigkeit von Wettervorhersagen verbessern. Hier könnten allerdings Datenschutzprobleme entstehen.

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(Bild: Flickr)

Toyota und der japanische Wetterdienst Weathernews haben kürzlich Tests zur Verbesserung von Regenvorhersagen in Japan durchgeführt. Laut einer Pressemitteilung des Herstellers wurden im Laufe der Versuche Fahrdaten von vernetzten Autos – beziehungsweise deren Wischverhalten – verwendet, um in Zukunft die Genauigkeit der Prognosen zu erhöhen.

Die Experimente basieren auf der Annahme, dass das Betätigen des Scheibenwischers auch wirklich mit dem Auftreten von Regen einhergeht. Außerdem wollen die Wetterexperten aus der Geschwindigkeit des Wischers den Schweregrad des Niederschlags ableiten.

Die Kooperation läuft folgendermaßen ab: Sämtliche vernetzte Toyota-Fahrzeuge übermitteln ständig Daten an den Hersteller, welche dieser an seinen Partner Weathernews weiterleitet. Die Kundendaten sollen Informationslücken schließen. Beispielsweise sind Regenwolken in niedriger Höhe auf klassischem Wege nur schwer zu erfassen. Darüber hinaus werden für die Tests weitere Informationen aus einem meteorologischen Netz mit rund 13.000 Standorten in ganz Japan gesammelt.

Die Fläche aus orangefarbenen Punkten stellt die Dichte an aktiven Scheibenwischern dar. Die grauen Punkte bedeuten ausgeschaltete Scheibenwischer. Jeder rote Kreis steht für eine Regenmeldung des Wetterinformationsdienstes Weathernews.
Die Fläche aus orangefarbenen Punkten stellt die Dichte an aktiven Scheibenwischern dar. Die grauen Punkte bedeuten ausgeschaltete Scheibenwischer. Jeder rote Kreis steht für eine Regenmeldung des Wetterinformationsdienstes Weathernews.
(Bild: Toyota)

Nachfrage nach detaillierten Wetterinformationen steigt

Nicht nur Regenvorhersagen sollen auf diese Weise getroffen werden, auch andere Verkehrshinweise wie lokale Hochwasserwarnungen sind geplant.

Laut Weathernews sind die zunehmende Schwere von Wetterphänomenen und die daraus resultierenden Schäden zu einem echten gesellschaftlichen Problem geworden. Deshalb häufen sich in der japanischen Bevölkerung die Forderungen nach schnellen, lokalen Wetterinformationen.

Geniale Idee oder langfristig problematisch?

Dennoch werfen die Tests bereits jetzt die üblichen Privatsphäre-Bedenken auf. Toyota strebt danach, die Mehrheit seiner Fahrzeugflotte so schnell wie möglich mit dem Internet zu verbinden. Bereits mit der Vorstellung der Modelle Crown und Corolla Sport im Juni 2018 hatte der Hersteller mit der umfassenden Einführung der vernetzten Fahrzeuge begonnen, die über ein Data Communication Modul (DCM) verfügen.

Das bedeutet, dass diese Art von Datenpartnerschaft, wie sie mit Weathernews besteht, in Zukunft auch in anderen Ländern nicht unwahrscheinlich ist. Dies könnte eine wertvolle Nutzung von Crowdsourcing-Daten darstellen oder letztlich zu einem Problem des Datenschutzes werden.

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Über den Autor

 Viktoria Hahn

Viktoria Hahn

Volontärin des Newsdesk von »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG