Suchen

Toyota Proace City: Handwerkers Liebling

| Autor: Julia Mauritz

Der japanische Hersteller steigt ins Segment der kompakten Transporter ein. Der Berlingo-Bruder punktet vor allem mit seiner hohen Variabilität. Die Preise starten bei 16.220 Euro.

Firmen zum Thema

Mit dem Proace City bedient Toyota nach eigenen Angaben ab dem 1. April eine Marktnische namens „Compact Duty Van“.
Mit dem Proace City bedient Toyota nach eigenen Angaben ab dem 1. April eine Marktnische namens „Compact Duty Van“.
(Bild: Toyota)

Compact Duty Van – so nennt Toyota das Segment, in dem der neue Proace City am 1. April offiziell an den Start geht. Erhältlich ist das von PSA entwickelte und gefertigte Modell wahlweise als Kastenwagen oder in einer Pkw-Variante. Letzteres Modell vermarktet der Hersteller dann als Proace City Verso.

Mit dem Hochdachkombi Proace City, der preislich bei 16.220 Euro netto (19.635 Euro brutto) beginnt, hat Toyota eine klar umrissene, und zugleich riesige Zielgruppe im Visier: kleine und mittlere Unternehmen aus dem Handwerk und dem Dienstleistungssektor. Um diese Kunden gezielt anzusprechen, hat der Hersteller eigens die europäische Dachmarke Toyota Professional kreiert. Deutschlandweit gibt es dem Autohersteller zufolge im Handwerk über eine Million Betriebe mit in Summe 5,5 Millionen Beschäftigten und 1,1 Millionen Nutzfahrzeugen. 75 Prozent der Fahrzeuge seien Modelle unter 2,8 Tonnen. Während Toyota mit dem Proace bislang nur rund 40 Prozent des Markts für leichte Nutzfahrzeuge abdeckte, sind es durch den neuen Proace City jetzt 58 Prozent.

Toyota Proace City: Ladewunder für Dienstleister
Bildergalerie mit 13 Bildern

Das Gesamtvolumen des kompakten Transportersegments, in dem das neue Modell antritt, beziffert Toyota in Deutschland mit 140.000 Einheiten – 85.000 Pkws und 55.000 Nutzfahrzeuge. Toyota plant, noch in diesem Jahr 5.000 Proace City und Proace City Verso auf die Straße zu bringen – davon entfallen 2.000 Einheiten auf die Nutzfahrzeugvariante. Diese bietet eine Nutzlast bis zu einer Tonne und eine Anhängelast bis zu anderthalb Tonnen.

Überzeugen will Toyota die Kunden vom Proace City vor allem durch dessen hohe Praktikabilität und durch eine attraktive Gesamtkostenrechnung. Wie beim Proace will Toyota auch beim neuen Modell eine Meister-Edition aufzulegen, die sich durch eine fünfjährige statt durch eine dreijährige Garantie auszeichnet sowie durch eine preisliche Full-Service-Leasingrate und ein hochwertiges Sonderausstattungspaket.

Zwei Europaletten haben Platz

Was die Praktikabilität angeht, ist der gut 4,4 Meter lange Bruder des Citroën Berlingo, Peugeot Partner und Opel Combo eines der wenigen leichten Nutzfahrzeugmodelle, die schon mit einem kurzen Radstand Platz für zwei Europaletten bieten. Auch in Sachen Variabilität lässt der Proace City kaum Wünsche offen: Das Modell ist mit einer nach oben aufschwingenden Heckklappe samt Fenster erhältlich oder mit zwei asymmetrisch ausgelegten Türen, die wahlweise verblecht oder verglast sein können.

In der Doppelkabinenausführung, der Toyota allerdings lediglich einen Kaufanteil von fünf Prozent zutraut, bietet der Proace City Platz für fünf Insassen - dabei lassen sich die Lehnen der hinteren Dreierbank geteilt umklappen. Bei Nichtgebrauch kann die Bank im Fahrzeugboden eben versenkt werden. Wird die hintere Sitzbank nicht verwendet, ist es zudem möglich, das Trenngitter zum Laderaum nach vorne zu verschieben. So entsteht noch mehr Laderaum.

Lange Gegenstände laden

Ebenfalls praktisch ist die Smart-Cargo-Option: Der äußere Sitzplatz lässt sich wegklappen, um besonders lange Gegenstände, beispielsweise eine Leiter, durch eine Durchladeluke bis in den Beifahrerraum zu schieben.

Im gesamten Innenraum steht die Praktikabilität im Fokus. So gibt es rund 15 Ablagefächer – von einem Fach unter dem Fahrersitz über mehrere Staufächer in der Mittelkonsole und auf der Beifahrerseite bis hin zu einer Dachablage. Letztere ist allerdings der Pkw-Version vorbehalten.

Virtuelle Rundumsicht

Zu den praktischen Features für gewerbliche Kunden zählt ein sogenannter Smart-Load-Indikator: Sensoren messen den Beladungszustand über die Stoßdämpfer. Ist die maximale Nutzlast zu 90 Prozent ausgeschöpft, schlagen die Sensoren Alarm. Ebenfalls positiv hervorzuheben sind die zahlreichen Sicherheitssysteme an Bord des kompakten Transporters. Besonders wichtig ist das bei der Version mit einer verblechten Seiten- und Heckpartie: Ein fünf Zoll großer Bildschirm und zwei Kameras sorgen für eine gute virtuelle Rundumsicht – sowohl im Nah- als auch im Fernbereich. Das schützt Fußgänger und Fahrradfahrer vor Unfällen im toten Winkel.

Erhältlich ist der kompakte Transporter in insgesamt fünf verschiedenen Motorisierungen: ein 1,2-Liter-Benziner, der 81 kW/110 PS leistet, und vier Dieselvarianten mit 1,5 Liter Hubraum. Das Leistungsspektrum reicht dabei von 55 kW/75 PS bis 96 kW/130 PS. Die Antriebe sind wahlweise mit manuellen Fünf- oder Sechsganggetrieben kombiniert. Der leistungsstärkste Diesel ist optional mit einem Automatikgetriebe erhältlich. Die optionale Traction-Select-Funktion ermöglicht es, zwischen vier verschiedenen Fahrmodi zu wählen: Normal, Gelände, Schnee und Sand. Voraussichtlich im kommenden Jahr wird auch eine Elektroversion des kompakten Transporters aufgelegt.

Magere Basisausstattung

Toyota bietet seinen jüngsten Familienzuwachs in vier Ausstattungsvarianten an. Die Basisvariante ist recht mager bestückt und beschränkt sich im Wesentlichen auf ein Radio mit MP3-Player und Bluetooth-Funktion, elektrische Fensterheber und eine Zentralverriegelung. Den höchsten Verkaufsanteil (61 %) traut der Hersteller der nächsthöheren Ausstattungsvariante Duty Comfort zu. Sie zeichnet sich unter anderem durch mehr Zuladekapazität aus, hat die Smart-Cargo-Function, eine Beifahrerdoppelsitzbank, einen komfortableren Fahrersitz und Verzurrösen im Laderaum. Ebenfalls serienmäßig verbaut ist eine manuelle Klimaanlage.

24 Prozent der Gewerbekunden, so glaubt Toyota, werden sich für die Comfort-Variante entscheiden. Sie verfügt zusätzlich über Komfortfunktionen wie eine Sitzheizung, eine Klimaautomatik, eine Einparkhilfe vorne und hinten, einen Toter-Winkel-Warner, seitliche Abstandssensoren und einen Kunststoffboden im Laderaum.

Fazit: Ein echter Toyota ist der neue Proace City, der mit einigen Wochen Verspätung seinen Marktstart in Deutschland feiert, trotz des eigenständig wirkenden Außendesigns nicht. Das merkt man nicht nur bei den Antrieben, denn eine Hybridvariante sucht man vergeblich. Auch im Innenraum ist die Toyota-Handschrift nicht wirklich zu erkennen. Es dominiert dunkelgraues Hartplastik, das vor allem in der Pkw-Variante stört. Punkten kann der Proace City dafür mit seiner hohen Variabilität, die gerade für Handwerker wichtig ist. Das Fahrgefühl ist Pkw-ähnlich komfortabel, die Wendigkeit im Stadtverkehr gut. Bei den Testfahrten im Stadtgebiet mit der Pkw-Version lag der durchschnittliche Verbrauch beim 130-PS-Diesel bei rund 7,4 Litern pro 100 Kilometer.

(ID:46406644)

Über den Autor

 Julia Mauritz

Julia Mauritz

Redakteurin